Soziale Marktwirtschaft

Junge BKU: Jung, katholisch, Unternehmer

Der „Junge BKU“ wirbt in schwierigen Zeiten bei jungen Menschen für das Unternehmertum.
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Foto: Imago | Auch in Krisenzeiten reizt junge Menschen das Unternehmertum – im Falle des „Jungen BKU“ sind diese sogar bekennende Katholiken.

Trotz aller Unkenrufe ist die Soziale Marktwirtschaft unter jungen Menschen gar nicht einmal so unangesagt – ganz im Gegenteil. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Mai öffentlich gemachte Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach: Im Auftrag des Wirtschaftsverbandes „Die Jungen Unternehmer“ befragte das Institut die Haltung der 16- bis 29-Jährigen zur Sozialen Marktwirtschaft. Das Vertrauen junger Menschen in das Leistungsprinzip besteht nach wie vor: 64 Prozent sind überzeugt, dass sich die eigene Anstrengung langfristig lohnt. Nur 18 Prozent halten einen Aufstieg aus eigener Kraft nicht für möglich. Außerdem interessant: Bereits seit zwanzig Jahren ist die junge Generation diesbezüglich optimistischer als die Gesamtbevölkerung.

Verantwortung übernehmen

Konsens besteht bei den Befragten auch darüber, dass Deutschland seinen Wohlstand nur sichern kann, wenn Menschen bereit sind, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und auch wirtschaftliche Risiken einzugehen. Die Mehrheit der befragten jungen Menschen assoziiert den Begriff der Sozialen Marktwirtschaft dann auch mit den Begriffen Leistung, Wohlstand und Freiheit. Das ist dann auch das ermutigende Signal der Befragung: Der Wille zum Unternehmertum ist auch bei der jungen Generation da.

Das dürfte auch für den Bund Katholischer Unternehmer (BKU) eine schöne Nachricht sein. Seit der Gründung des Verbandes im Jahr 1949 versteht sich der BKU als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Kirche und Politik. Gut 1 100 Inhaber-Unternehmer, Selbstständige und leitende Angestellte engagieren sich aktuell nach eigenen Angaben im katholischen Wirtschaftsverband. Diese sind in 34 Diözesangruppen organisiert, die sich an die Struktur der Erzbistümer und Bistümer in Deutschland orientieren.

Heimat junger, christlicher Menschen

Im März 2018 gründete sich in Köln der „Junge BKU“: Dort organisieren sich junge Unternehmer, Studierende und Berufseinsteiger bis 35 Jahre, die sich ebenso für die Christliche Gesellschaftslehre als Fundament, aber auch für die Soziale Marktwirtschaft und den demokratischen Rechtsstaat als ordnungspolitisches Leitbild einsetzen möchten. Warum engagiert man sich aber als junger Mensch in einem katholischen Unternehmerverband? Für Lucas Trutwin ist die Antwort klar. „Der Junge BKU ist eine tolle Gemeinschaft und Heimat junger, christlicher Menschen.“ Der BKU-Jugendverband fördere den gegenseitigen Austausch und die Vernetzung. Für den Geschäftsführer einer Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft sind das alles gute Gründe, sich im Jungen BKU einzubringen.

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Christliche Gesellschaftslehre und eine aus dem Christentum heraus geprägte Wirtschaftsethik sind für Trutwin auch heute noch zeitgemäß. „Für das persönliche, tägliche Handeln und gesellschaftliche Fragestellungen kann die christliche Soziallehre ein wichtiger Anker sein“, sagt er. Auch in so „komplexen und volatilen Zeiten“ bleibe die christliche Gesellschaftslehre ein wichtiger Kompass und eine passende Orientierung. „Sie ist vereinbar mit Fortschritt bei sozialen, wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen.“

Der Junge BKU sieht sich aber nicht nur als reines Unternehmernetzwerk. Wie der Mutterverband auch nimmt er aktuelle Zeitfragen in den Blick. Ob steigende Inflation oder hohe Energiepreise – der Junge BKU hat eine klare Meinung zu den Themen.

Gefahr einer Stagflation

Die Inflation ist aktuell sowohl global, in Europa wie auch in Deutschland viel zu hoch“, sagt Lucas Trutwin. Die Gefahr einer sich verhärtenden Stagflation, also ein gleichzeitiges Auftreten von hoher Arbeitslosigkeit und Inflation, ist aus Sicht des Jungunternehmers bedrohlich. Am Ende könne das Wirtschaftswachstum ins Sto-cken geraten und nur noch die Preise steigen: „Eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale droht und lässt sich nur schwer mit mäßigenden langfristigen Tarifverträgen und Einmal-Zahlungen verhindern.“ Die Preislawine gefährde die in den vergangenen Jahren entstandenen Wohlstandsgewinne und träfe dann insbesondere ärmere Be-völkerungsgruppen.

Hohe Energiepreise seien im Moment ebenfalls ein Preistreiber für die deutsche Wirtschaft: Erzeugerpreise plus 30,9 Prozent und Lebensmittelpreise plus 6,2 Pro-zent gegenüber dem Vorjahr. Die Energiepreise trieben die Kostenexplosion weiter an: plus 39,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil der Preiserhöhung liegt an den gestiegenen Kosten für Gas und Strom. Gerade der Krieg in der Ukraine zei-ge, wie abhängig Deutschland im Moment bei der Energie von Russland ist. Der Junge BKU sieht in einem Gasembargo gegen Russland aber nur einen Nutznießer: „So ein Embargo verknappt das Angebot auf den Weltmärkten und steigert damit den Preis; allein entsprechende Erwartungen haben die Preise angehoben“, erklärt Trutwin. Putin und sein System profitieren von diesen hohen Preisen. Um sich komplett von russischer Energie zu lösen, seien die EU-Investitionspläne ein richtiges Signal.

Regierung soll auf das christliche Menschenbild schauen

Klare Wünsche hat der junge katholische Unternehmerverband auch gegenüber der Ampelregierung: Es gäbe viele Politikfelder, die nun schnell angegangen werden müssten. Trutwin sieht bei Digitalisierung, Bildung, Wirtschaftspolitik (vor allem im Bereich Gründungskultur), Sozialpolitik (zum Beispiel hinsichtlich des Rentensystems), Steuerpolitik und Wohnpolitik einen akuten Handlungsbedarf der Bundesregierung: „Mut zu Reformen und dabei nicht das christliche Menschenbild aus den Augen verlieren“, fordert Lucas Trutwin ein. Der Staat sei dabei nicht der bessere Unternehmer. Er solle lediglich klare Rahmenbedingungen vorgeben.

Weiter erwartet der Junge BKU zukünftig eine deutlich höhere Gewichtung von Bildung in allen Lebensbereichen. „Wissen und Kompetenz sind zentrale Zukunftsressourcen. Nur mit ihnen schaffen wir es, kluge Antworten auf die vielen Fragen der Zukunft zu finden.“

Aufgrund dieser und anderer Aussagen Trutwins ist klar: Der Junge BKU hat die Zukunft fest im Blick.

 

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