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Der Transhumanismus ist ein Akt der Verzweiflung 

Den Menschen als Menschen überwinden. Die Idee des Transhumanismus will den besseren Menschen schaffen. Faktisch hat sie damit die Abschaffung des Menschen als Ziel.
Stephan Kampowski
Foto: Peter Winnemöller | Stephan Kampowski stellte den Transhumanismus systematisch vor allem aus der Sicht der Biotechnologie vor.

Im Rahmen des Sommerkurses der Gustav- Siewert- Akademie hat Ludwig Kardinal Müller über „Atheistischen Posthumanismus oder christliches Menschenbild“ gesprochen. Nietzsche, so der Kardinal, habe als der umjubelte Prophet des postmodernen Atheismus die neue Leitidee des Humanismus ohne Gott verkündet: den Übermenschen.

Kardinal Müller
Foto: Peter Winnemöller | Kardinal Müller hatte seinen Vortrag als Video zur Verfügung gestellt.

Bekommen habe er den Unmenschen. Der Mensch in der Sicht der Posthumanisten stellte der Kardinal als Produkt einer Laune der Natur oder der mit sich spielenden Elemente der Natur vor. Das nihilistische Credo, so Müller, laute: „Das Sein ist kein unverdientes und unverfügbares Geschenk.“ Dies posthumanistische Konzept stellte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation der christlichen Schöpfungstheologie gegenüber. Kardinal Müller, der leider persönlich verhindert war, hatte den Vortrag vorab aufzeichnen und als Video den Veranstaltern zukommen lassen.

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Der diesjährige Sommerkurs der Gustav-Siewerth- Akademie steht unter dem Thema Transhumanismus. In Vorträgen und Diskussionen befassen sich Referenten und Teilnehmer mit der Frage nach dem Transhumanismus unter verschiedenen Aspekten. Den Auftakt machte Winfried König aus Rom, der die Renaissance als die Wiege der neuen Menschheit betrachtete. 

Systematik des Transhumanismus

Eine systematische Einordnung des Transhumanismus der dahinter stehenden Absichten nahm Stephan Kampowski in seinem Vortrag „Biotechnologie und Freiheit“ vor. Kampowski ist ordentlicher Professor für philosophische Anthropologie am Päpstlichen Theologischen Institut "Johannes Paul II." für Ehe- und Familienwissenschaften in Rom. Transhumanismus, so der Professor, wolle den Menschen mit Mitteln des Menschen frei machen. Damit bezeichnete Kampowski unter Bezug auf Francis Fukuyama den Transhumanismus als die gefährlichste Idee der Welt. Mit Mitteln der Biotechnologie wolle der Transhumanismus den Menschen weiterentwickeln. Fähigkeiten und Eigenschaften des Menschen sollen verbessert werden oder gar neue Fähigkeiten dem Menschen gegeben werden. Der Mensch, so Kampowski, nehme seine Evolution in die eigene Hand. 

Die Ontologie des „noch nicht“ 

Der wahre Mensch existiere nach Sicht der Transhumanisten noch nicht wir müssen ihn schaffen. Diese Sicht nannte der Wissenschaftler die Grundidee des Nationalsozialismus, des Kommunismus und hier insbesondere des Stalinismus. Wer dem Ideal nicht entspricht dürfe vernichtet werden, dem Ziel den neuen Menschen herzustellen, habe sich das unterzuordnen. Den Transhumanismus bezeichnete der Professor als einen Akt der Verzweiflung. 

Die Tagung der Akademie geht noch bis einschließlich Samstag. Die Tagespost berichtet weiter aktuell von der Veranstaltung. Die Akademie lässt alle Vorträge aufzeichnen, diese werden vom katholischen Fernsehsender EWTN gesendet und von der Akademie später im Internet verfügbar gemacht. DT/pwi

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost einen umfassenden Bericht über den diesjähren Sommerkurs der Gustav-Siewerth- Akademie. 

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Peter Winnemöller