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Stadt verteilt „queere Bücherkisten“ in Kitas

Mehr als zehn Bücher sollen in hannoveranischen Kitas Kindern Themen wie Geschlechterrollen und Regenbogenfamilien nahebringen. Kritik kommt von Seiten der AfD.
Bücher Regenbogenflagge
Foto: Imago/Pond5 Images | Bücher mit Regenbogen. Die Stadt Hannover verteilt „queere Bücherkisten“. Ziel soll die Vermeidung von Ausgrenzung sein.

Die Stadt Hannover verteilt in ihren 41 Kindertagesstätten sogenannte „queere Bücherkisten“. Enthalten sind darin Titel wie „Onkel Bobbys Hochzeit“ und „Julian ist eine Meerjungfrau“. Dies berichten mehrere Medien.

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Jede Bücherkiste enthält 14 Werke. Die Stadt betont, man wolle damit die Lebenswirklichkeit aller Kinder abbilden. Angela Munke, Bereichsleiterin für städtische Kitas, erklärte gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ): „Das ist ein Beitrag zur Inklusion, wir wollen Ausgrenzung vermeiden.“ Sie begründete die Maßnahme damit, dass es in jeder Kita in Hannover Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Eltern gebe.

In einer Anfrage wollte die „Tagespost“ wissen, ob sich diese Einschätzung auf eine formelle Erhebung, statistische Daten der Verwaltung oder ausschließlich auf Erfahrungswerte aus der Fachberatung stützt. Eine Sprecherin der Landeshauptstadt Hannover, Büro des Oberbürgermeisters, teilte mit, dass der Fachbereich Jugend und Familie keine formellen Erhebungen oder Umfragen zur sexuellen Orientierung oder zu Familienformen der Erziehungsberechtigten in den Kitas durchführt. Es würden lediglich personenbezogene Daten verarbeitet, die für den Betreuungsvertrag erforderlich seien. Auch eine statistische Erhebung zur familiären Konstellation der Kinder liege nicht vor. Die Einschätzung beruhe vielmehr auf „Erfahrungen aus der Fachberatung und der laufenden Zusammenarbeit“ mit den Einrichtungen.

Die Bücherkisten thematisieren Vielfalt in all ihren Facetten – von Körperformen und Hauttönen über Behinderungen und Geschlechtsidentität bis hin zu unterschiedlichen Familienformen. Kinder erlebten diese Vielfalt bereits im Alltag, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Ziel sei es, in den städtischen Kitas zu vermitteln, „dass Menschen nicht alle gleich, aber alle gleich wertvoll sind und jedes Kind das Recht auf eine individuelle Entwicklung und Persönlichkeit hat“. Zwar gebe es keine statistische Erhebung über die Familienformen in den Einrichtungen, doch bei einem angenommenen Anteil von rund zehn Prozent an Personen, die als „lesbisch, schwul, bi, trans* oder intersexuell“ gelten, liege die Wahrscheinlichkeit nahe, „dass in jeder Einrichtung auch Regenbogenfamilien Betreuungsplätze inne haben – derzeit, zuvor oder in Zukunft“. Zudem verweist die Stadt Hannover auf Daten des Statistischen Bundesamtes, wonach im Jahr 2024 eine von 200 Paarfamilien in Deutschland eine „Regenbogenfamilie“ war. Diese lebten besonders häufig in Großstädten.

Zu den in der Kiste enthaltenen Büchern zählt auch „Onkel Bobbys Hochzeit“. Herausgeber ist der Zuckersüß Verlag. Auf dessen Webseite wird das Werk als „wundervolles Buch über emotionale Intelligenz und Veränderungen in der Familie“, in dem die „(Regenbogen-)Familie“ gefeiert und „LGBTQIA+-Liebe, -Ehe und -Glück“ normalisiert würden, beschrieben.

Auf dem Einband des Buches sind zwei erwachsene Männer in Anzügen zu sehen, die unter einem blumengeschmückten Torbogen stehen. Vor ihnen steht ein kleines Mädchen in einem gelben Kleid, das einen kleinen Blumenstrauß hält.

Grüne und SPD begrüßen Aktion

Der Grüne Sprecher für Schulpolitik, frühkindliche Bildung,  
Religionsgemeinschaften und Antisemitismus, Pascal Mennen, lobt die Aktion gegenüber der HAZ: Die Bücher könnten „einen Beitrag zur Liberalisierung der Sichtweisen“ leisten. Auch die Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat Deinste, Corinna Lange, äußerte sich zustimmend: „Altersgerechte Kinderbücher, in denen unterschiedliche Familienformen und Lebensrealitäten vorkommen, unterstützen pädagogische Fachkräfte dabei, wertschätzend darüber zu sprechen, Empathie zu fördern und Ausgrenzung früh vorzubeugen.“

Zurückhaltend äußert sich Sabrina Kahmann. Die Ratsfrau der Landeshauptstadt Hannover erklärte gegenüber der HAZ, dass ein freies Budget hilfreicher als eine vorsortierte Bücherkiste sei. Zugleich betonte sie, dass „Regenbogenfamilien“ ein wichtiges Thema seien. 

In einer Anfrage bat die „Tagespost“ um eine Erläuterung, ob die Verantwortung für die Buchauswahl aus ihrer Sicht vollständig in die Hände der Kita-Teams gelegt werden solle und wie sie solche Inhalte mit dem christlichen Menschenbild vereinbare, auf das sich die CDU regelmäßig bezieht. Die Anfrage blieb jedoch unbeantwortet.

„Vorschulkinder brauchen keine queeren Bücherkisten“

Eine grundsätzliche Kritik an der Verteilung der Bücher äußerte Vanessa Behrendt von der AfD. In einer Pressemitteilung schreibt sie: „Kinder werden mit Inhalten konfrontiert, die sie in einer entscheidenden Lebensphase überfordern und verunsichern.“ Vorschulkinder bräuchten keine „queeren Bücherkisten“, so die Politikerin.

Die Abteilungsleiterin für Kinder, Jugend und Familie, Nicole Wilke, des katholischen Caritasverbands Hannover bewertete die Aktion hingegen positiv. Sie erklärte gegenüber der HAZ, es spreche „überhaupt nichts gegen Bücher“, die kindgerecht vermittelten, dass es verschiedene Formen von Liebe, Familie und Geschlechtsidentitäten gebe. Kinder nähmen diese Vielfalt im Alltag wahr und suchten nach Erklärungen. 

„Ein guter Anlass, ins Gespräch zu kommen“

Kinderbücher seien ein „guter Anlass“, ins Gespräch zu kommen. Eine Anfrage der „Tagespost“, wie der Einsatz solcher Bücher aus Sicht der Caritas mit der Lehre der katholischen Kirche und dem christlichen Menschenbild begründet wird, wurde nicht beantwortet.

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Auch der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hannover begrüßt die Initiative. Die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Soziale Medien, Severine Bunzel, betonte, dass das Konzept evangelischer Kitas vorsehe, Kindern eine freie Entwicklung ohne feste Rollenvorgaben zu ermöglichen. Auf die Frage der „Tagespost“, ob die Inhalte der Bücher mit einem christlichen Menschenbild vereinbar seien, verwies Bunzel auf ein Zitat des Vorsitzenden des Kita-Ausschusses, Karl Ludwig Schmidt: „Aufklärung gehört zur Entwicklung von Kindern. Unser pädagogisches Konzept berücksichtigt auch die Offenheit gegenüber queeren Menschen. Das christliche Menschenbild bedeutet auch, zu akzeptieren, dass keine Festlegung auf eine bestimmte sexuelle Orientierung vorgegeben ist.“ DT/jna

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