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Lourdes und seine Wunder

Ein neues Abenteuer von Maxi und Leni: Dieses Mal geht es zu einem kleinen Ort in den Pyrenäen, der vor über 150 Jahren plötzlich ganz berühmt wurde. Ahnst du, warum?
Die Grotte von Massabielle im Heiligen Bezirk im Marienwallfahrtsort Lourdes
Foto: IMAGO/Peter Schickert (www.imago-images.de) | Seit Jahrzehnten kommen täglich viele Menschen zur Grotte nach Lourdes, um für sich selbst oder für ihre Lieben um Heilung und den Segen der Gottesmutter zu bitten.

Opa und Oma hatten eine Wallfahrt nach Lourdes in Frankreich versprochen, wenn das Kind ihrer Tochter Julia gesund geboren werden würde. Es war eine ganz schwierige Schwangerschaft gewesen, aber nun war Hannah da – und sie war völlig gesund. Auch Maxi und Leni freuten sich sehr über ihre Cousine – aber auch, Opa und Oma zu dem berühmten Wallfahrtsort begleiten zu dürfen. Auch Hannahs 17-jähriger Bruder Simon war mit dabei. Das wunderte Maxi und Leni. „Was will Simon auf einer Wallfahrt, wo er doch behauptet, nicht an Gott zu glauben?“, dachten sich die beiden. Endlich waren sie alle an der Grotte. „Schaut, am 11. Februar 1858 erschien die Muttergottes der damals 14-jährigen Bernadette genauso über dem Felsen, wie ihr sie jetzt hier in der Statue seht“, erklärte Opa. „Eine wunderschöne Dame mit einem weißen Kleid und einem blauen Gürtel. Insgesamt 18 Mal durfte das Mädchen Maria sehen.“

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„Da wurde Bernadette ja schlagartig berühmt“, meinte Maxi. „Naja, die ganze Stadt hatte mitbekommen, dass sie immer zur Grotte ging. Aber die wenigsten Menschen glaubten ihr. Daher wurde sie zuerst verlacht und schließlich sogar vor den Bürgermeister und den Richter geschleppt mit dem Vorwurf, sie lüge. Man drohte ihr sogar mit Gefängnis. Auch der Stadtarzt wurde beauftragt, sie zu untersuchen, bestätigte dann aber, dass Bernadette nicht verrückt sei.“ „Ach, die Arme“, entfuhr es Leni.

Plötzlich sprudelte die Quelle

„Bei der neunten Erscheinung bat die Muttergottes Bernadette, aus der Quelle zu trinken“, fährt Oma fort. Aber Bernadette fand dort nur ein wenig schlammiges Wasser. Erst beim vierten Versuch schaffte sie es, etwas davon zu trinken. Und plötzlich sprudelte eine Quelle mit reinstem Wasser hervor, das bis heute fließt.“ „Baden in diesem Wasser die Kranken, damit sie gesund werden?“, fragt Maxi.

„Ja“, fährt Oma fort. „Eine Frau namens Catherine Latapie ging bald darauf zur Grotte und tauchte ihren durch einen Unfall verkrüppelten und gelähmten Arm in das Wasser: Und sie konnte Arm und Hand wieder bewegen.“ „War das das erste Wunder?“, will Maxi wissen. „Ja“, entgegnet Opa. „Und ein zweites folgte sogleich: Ein Steinmetz, Louis Bouriette, dessen rechtes Auge nach einer Explosion im Steinbruch erblindete, wusch sich in der Quelle und konnte sogleich wieder sehen. Der Arzt von Lourdes bestätigte, dass er sich beide Heilungen nicht natürlich erklären konnte.“ „Aber sind durch die Wunder nicht immer mehr Menschen gläubig geworden?“, will Leni wissen.

Die Erscheinungen konnte man beweisen

„Die Menschen, die Bernadette zu den Erscheinungen begleiteten, wurden immer mehr. Aber die Behörden waren so erbost darüber, dass sie die Grotte mit einem Bretterzaun absperrten.“ „Trotz des Wunders?“ fragt Maxi überrascht. „Ein Wunder bewirkt noch keinen Glauben. Sondern zum Glauben ist nötig, dass ich Gott mein Herz schenke.“ „Aber der Pfarrer von Lourdes hat doch geglaubt und Bernadette unterstützt?“, wirft Leni ein. „Der Pfarrer war nie böse zu Bernadette, aber er hatte Zweifel, ob die Erscheinungen wahr sind. Daher trug er ihr auf, die Dame nach ihrem Namen zu fragen“, erzählt Opa weiter. „Das wüsste ich auch so. – Maria. Ist doch einfach“, erklärt Maxi. „Es kam aber ganz anders“, fährt Opa fort. „Maria antwortete Bernadette in ihrem Dialekt: ,Que soy era immaculada councepciou‘ – zu Deutsch: ,Ich bin die Unbefleckte Empfängnis‘. Die ungebildete Bernadette rannte los und wiederholte auf dem Weg immer wieder die für sie unverständlichen Worte, um sie nicht zu vergessen. Diese Worte erstaunten auch den Pfarrer. Vier Jahre zuvor, im Jahr 1854, hatte Papst Pius IX. die Lehre der ,Unbefleckten Empfängnis‘ zu einer Wahrheit des katholischen Glaubens erklärt. Da Bernadette dies alles nicht wissen konnte, war das für den Pfarrer der Beweis der Echtheit der Erscheinungen.“ „Und dann haben die Menschen aber endlich geglaubt“, meint Leni zufrieden. „Ja, es wurden immer mehr. Auch der Bischof hat die Erscheinungen anerkannt und die schöne Kirche bauen lassen. Und immer mehr Menschen kamen hierher, um der Jungfrau Maria ihre Anliegen in Krankheit und Not anzuvertrauen.“

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Plötzlich sprang Maxi auf und stürzte auf eine ältere Frau zu. „Sind Sie Schwester Bernadette“, fragte er sie, „die durch Lourdes geheilt worden ist?“ Die Frau stutze. Sie war tatsächlich Schwester Bernadette Moriou, die seit ihrem 27. Lebensjahr an Lähmungen gelitten hatte und nun gesund vor ihm stand. Auch die anderen haben sich zu den beiden gesellt. „Das ist Schwester Bernadette“, ruft Maxi ihnen zu, „von der wir im Buch der Krankenheilungen in Lourdes gelesen haben. Ich habe sie vom Foto wiedererkannt.“

Wie die Lähmungen verschwanden

Oma ist der ungestüme Eifer ihres Enkels unangenehm und will sich entschuldigen. Aber Schwester Bernadette ist überaus freundlich und will den Kindern alles erzählen: „Im Jahr 2008 reiste ich nach Lourdes und betete um Kraft, meine Krankheit zu tragen. Die Sakramentsprozession und die Segnung der Kranken haben mich stark bewegt. Mir war, als würde Jesus zu mir sagen: ,Ich sehe dein Leiden, und auch das Leiden deiner Brüder und Schwestern. Opfere mir alles auf!‘ Darum habe ich viel für die Kranken um mich herum gebetet – für mich selbst habe ich nicht um Heilung gebeten.“ Zu dieser Zeit war Schwester Bernadette 69 Jahre alt, saß im Rollstuhl, hatte vier Wirbelsäulen-Operationen hinter sich und brauchte starke Schmerzmittel. „Ich kam dann zurück von der Lourdes-Wallfahrt. Am 11. Juli war ich gerade zusammen mit meinen Mitschwestern bei der Ewigen Anbetung. Es war genau 17.45 Uhr, da habe ich auf einmal eine Wärme in meinem Leib gespürt. Zurück auf meinem Zimmer hörte ich eine Stimme, die zu mir sagte: ,Leg deine Geräte ab.‘ Ich habe in diesem Moment an Jesus gedacht, der im Evangelium zum Gelähmten sagt: ,Steh auf, nimm dein Bett und geh!‘, und konnte tatsächlich alleine das Korsett ausziehen, die Bein- und Fußteile, den Neuro-Stimulator, ich habe das Morphin und alles andere abgesetzt – und ich hatte überhaupt keine Lähmung mehr. Das war genau in der Stunde, in der in Lourdes die Eucharistische Prozession mit dem Allerheiligsten stattfand.“

Die Kirche hat diese Krankenheilung am 11. Februar 2018 anerkannt. „Daher darf ich sagen: Ja, ich habe ein Wunder erlebt – das stimmt. Ein Wunder der heiligen Eucharistie.“ Die Begegnung mit Schwester Bernadette war nur kurz, hatte aber alle sehr berührt und nachdenklich gemacht. Vielleicht hatte es damit etwas zu tun, dass Maxi am nächsten Tag seinen Cousin Simon an der Grotte kniend beten sah…

Martin Linner
Foto: Privat | Pater Martin Linner ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae (SJM) und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.

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