Um das Jahr 750 feierte ein Mönch im kleinen italienischen Ort Lanciano die heilige Messe. Obwohl er Priester war, konnte er nicht recht daran glauben, dass die Hostie mit der Wandlung wirklich zum Leib Christi würde. Sobald er allerdings an diesem Tag die Wandlungsworte gesprochen hatte, verwandelten sich Hostie und Wein vor seinen Augen in ein wirkliches Stück Fleisch und echtes Blut. Diese Reliquien sind bis heute erhalten und werden in der Kirche von Lanciano ausgestellt und verehrt.
Wenn bei der Wandlung die Glocken läuten und der Priester Kelch und Hostie erhebt, dürfen wir glauben, dass etwas Unglaubliches passiert, auch wenn wir es nicht sehen können: Ein einfaches Stück Brot und ein Becher Wein verwandeln sich in das Fleisch und das Blut Jesu Christi. Was wir schon oft gehört und auch in der Messe selbst erlebt haben, scheint doch so unfassbar: dass der große Gott, der Berge, Meere und das Weltall erschaffen hat, in so alltäglichen Dingen wie Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist. Das, was wie Brot und Wein aussieht, ist etwas – ja sogar eigentlich jemand – anderes geworden.
Was würdest Du tun, wenn Du nicht nur glauben müsstest, dass die Gaben in Fleisch und Blut verwandelt werden, sondern wenn Du es wirklich sehen könntest? Im Laufe der Geschichte ist es immer wieder passiert, dass sich Hostien und Wein auf wundersame Weise tatsächlich in Fleisch und Blut verwandelt haben. Diese Ereignisse, zusammen mit anderen unerklärlichen Erscheinungen und Ereignissen, die im Zusammenhang mit der Eucharistie aufgetreten sind, nennt man „Eucharistische Wunder“. Über 140 dieser Wunder sind von der Kirche und unabhängigen Medizinern untersucht und anerkannt worden.
Über 1 200 Jahre nach dem Hostienwunder von Lanciano, im Jahre 1970, wurde eine Kommission um den Mediziner und Forscher Dr. Odoardo Linoli beauftragt, die Fasern und Blutbestandteile der Reliquien wissenschaftlich zu untersuchen. Fünfzehn Monate später, nach über fünfhundert verschiedenen Untersuchungen, kam sie zu folgenden Schlüssen: Bei den Fleischfasern handelte es sich um Muskelfasern aus der linken Herzkammer eines menschlichen Herzens. Obwohl sie so alt waren, wiesen sie keine Anzeichen von Verwesung auf. Sie verhielten sich wie lebendige Muskelfasern. Das Blut aus dem Kelch stellte sich unbestreitbar als menschliches Blut heraus, das Bestandteile aufwies, die nur in frischem Blut zu finden sind. Beide Proben gehörten zur Blutgruppe AB, die seltenste der menschlichen Blutgruppen. Auch Blutflecken auf dem Grabtuch von Turin, einem Tuch, von dem angenommen wird, dass der Leichnam Jesu darin eingehüllt war, gehören zu dieser seltenen Blutgruppe – genauso wie andere Blutproben, die bei weiteren eucharistischen Wundern untersucht wurden. Das Fleisch und das Blut von Lanciano sind auch nach über einem Jahrtausend so frisch, als wären sie am gleichen Tag einem menschlichen Körper entnommen worden.
Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich eucharistische Wunder ereignet. Hostien verwandelten sich in Fleisch oder begannen zu bluten, weggeworfene Hostien ließen sich nicht mehr von Boden aufheben, leuchteten überirdisch oder schwebten davon. Aus Messwein, der auf einem Priestergewand verschüttet wurde, bildete sich ein Bild des Gekreuzigten. In einem hohlen Baum, in den 28 Jahre zuvor ein Hirte eine Hostie geworfen hatte, die er nicht schlucken konnte, fand sich bei der Fällung ein vollständiges hölzernes Kruzifix, eingebettet in den Stamm.
Eucharistische Wunder auch bei uns
In Regensburg, Tirol, im Kanton Luzern und an neun weiteren Orten können heute die Überreste dieser Wunder besichtigt und verehrt werden. Es fällt auf, dass solche Ereignisse meistens dort auftraten, wo an der Eucharistie gezweifelt oder sie nicht würdig behandelt wurde. Als wollte Gott uns daran erinnern, dass er in den Gaben auf dem Altar wirklich bei uns ist.
Franco Serafini, ein Arzt und Herzspezialist aus der italienischen Stadt Bologna, hat fünf eucharistische Wunder in Polen, Mexiko, Argentinien und Italien untersucht und die vorhandenen medizinischen und historischen Dokumente unter die Lupe genommen. Seine Entdeckungen hat er in einem Buch zusammengefasst: „Ein Kardiologe untersucht Jesus“ (auf Englisch erhältlich). Er untermauert nicht nur die Ergebnisse der Studie von Lanciano, sondern führt medizinische Beweise auf, dass die untersuchten Gewebe echt sind – nicht nur Herzmuskeln der gleichen Blutgruppe, sondern teils Muskelfasern, die unter extremem Stress stehen, wie er beim Todeskampf eines Menschen entsteht.
Dennoch meint er, ist es nicht nötig – ja sogar schädlich – sich von Forschungsergebnissen und DNA-Proben abhängig zu machen: „Wir sollen an die Eucharistie glauben – wir müssen sie nicht als eine wissenschaftlich bewiesene Tatsache kennen.“ Dass heute jeder etwas über Eucharistische Wunder aus aller Welt erfahren kann, liegt nicht zuletzt an einem fünfzehnjährigen Italiener, der am 27. April dieses Jahres heiliggesprochen wird. Carlo Acutis war seit früher Kindheit fasziniert von der Gegenwart Jesu in der Eucharistie.
Ein junger Apostel der Eucharistie
„Menschen stellen sich stundenlang an, um in ein Konzert zu gehen, aber verbringen nicht einmal einen kurzen Moment vor dem Tabernakel“, soll er gesagt haben. Um Menschen von der Bedeutung der Eucharistie zu überzeugen, erstellte er schon früh eine Website, die eucharistische Wunder aus der ganzen Welt vorstellt. Jahrelang überredete er seine Eltern, die Familienferien an Orten zu verbringen, wo sich eucharistische Wunder ereignet hatten. Dort fotografierte er selbst und schrieb Texte, die er auf seiner Website veröffentlichte. Auch eine Wanderausstellung über eucharistische Wunder geht auf seine Arbeit zurück, und inzwischen gibt es sogar eine Reihe von Zeichentrickfilmen, die von seinen Nachforschungen inspiriert ist. Doch auch für ihn sind es nicht vor allem die wissenschaftlichen Tatsachen, die wesentlich sind, sondern die Gegenwart Gottes in der Eucharistie. „Die Eucharistie ist der Weg zum Himmel“, schrieb er. „Je mehr wir die Eucharistie empfangen, desto mehr werden wir wie Jesus werden, sodass wir auf Erden einen Vorgeschmack auf den Himmel haben werden.“
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