Gott ist überall. Du kannst dich immer an ihn wenden und er hört dich überall. Aber auch wenn Gott dich überall hören kann – für dich ist es vielleicht nicht so einfach, Gott überall zu spüren. Es gibt Orte in deinem Leben, da ist es schwer, Gott zu spüren. Das kann in der Schule sein, im lauten Verkehr oder beim Einkaufen. Dafür gibt es andere Orte, an denen du fühlst, dass Gott dir ganz nahe ist, zum Beispiel in einer Kirche oder in eurer Gebetsecke zuhause.
Es gibt aber auch Orte auf dieser Erde, da fühlt sich der Himmel besonders nah an. So sehr, dass Menschen weite Strecken auf sich nehmen, um dorthin zu gelangen. Über viele Jahrhunderte erleben ganz viele Menschen an diesem Ort: Da habe ich Gott so richtig gespürt! An einen solchen Ort zu reisen hat einen besonderen Namen. Es heißt: eine Wallfahrt oder auch eine Pilgerfahrt machen. Meistens findet eine solche Wallfahrt zu Fuß statt, es gibt aber auch Radwallfahrten, Motorradwallfahrten oder Wallfahrten mit Zug und Flugzeug.
Die Gräber der Heiligen: Dort ist Gott uns besonders nah
An diesen Orten wird zumeist etwas besonders verehrt, das uns von Gott erzählt und das uns näher zu ihm führen kann. Etwa eine besondere Figur von Maria oder ein altes und lange verehrtes Bild von Jesus. Auch die Gräber von Heiligen sind Orte von Gottes-Begegnungen. Das Grab von Petrus im Vatikan in Rom wird von vielen Menschen besucht. Dort beten sie zu Gott. Andere besuchen das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela oder das Grab des heiligen Antonius in Padua.
Wenn man zu einem solchen besonderen Ziel unterwegs ist, bringt schon allein das sich Aufmachen eine besondere Nähe zu Gott. Deshalb gehören zu einer Wallfahrt auch drei Dinge: der Pilgersegen am Anfang, das Gebet auf dem Weg und das Gebet oder die heilige Messe am Ziel. Wo kommt eigentlich das Wort Wallfahrt her, wo man gar nicht immer fährt, sondern oft genug zu Fuß geht? Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „Wall“ geht auf das althochdeutsche „wallon“ zurück, was so viel wie „wandern“ oder „umherziehen“ bedeutet. „Fahrt“ stammt ebenfalls aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Reise“ oder „Fahrt“.
Jesus ist zum Tempel in Jerusalem gepilgert
Kennst du die Geschichte von Jesus, in der er als zwölfjähriger Junge mit seinen Eltern nach Jerusalem reist? Als die Eltern wieder nach Hause gehen, bleibt Jesus einfach im Tempel zurück, weil er sich da zuhause fühlt. In dieser Geschichte hörst du, wie auch Jesus zusammen mit seinen Eltern eine Wallfahrt macht. Du kannst die Geschichte im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums nachlesen. Josef und Maria waren gläubige Juden. Für Juden war der Tempel in Jerusalem der Ort, an dem sie sich dem Himmel am nächsten fühlten. Deshalb unternahmen sie jedes Jahr einmal eine große Pilgerreise nach Jerusalem.
Als Jesus in Jerusalem gestorben und auferstanden war, wurde Jerusalem auch der wichtigste Pilgerort für Christen. In Israel, im Heiligen Land, finden wir Christen alle wichtigen Orte, an denen Jesus geboren wurde, gelebt hat und gestorben ist. Deshalb ist es schon immer für Christen eine besondere und gnadenreiche Erfahrung gewesen, eine Wallfahrt ins Heilige Land und speziell nach Jerusalem zu machen.
Auch zuhause gibt es Wallfahrtsorte
Neben Jerusalem, Rom, Santiago de Compostela und Padua gibt es viele andere große und bedeutende Wallfahrtsorte in der ganzen Welt. Zugleich gibt es viele hunderte kleine oder vielleicht sogar auch etwas größere Wallfahrtsorte direkt in deiner Umgebung. Auch in Deutschland und Österreich gibt es viele Wallfahrtsorte. Oft sind sie Maria, der Muttergottes gewidmet. Fallen dir welche ein? Sonst frag einmal deine Eltern!
Du siehst an den Wallfahrtsorten oft ganze Wände voll bunter Bilder oder anderer Dinge. Wenn jemand an einem Wallfahrtsort die besondere Hilfe von Maria oder einem Heiligen erfahren hat, dann stiftet er häufig ein Bild oder einen Gegenstand. Das heißt, er schenkt es zum Dank dem Heiligen. Und dort wird es dann in der Kirche aufgehängt. Diese Bilder und Gaben erzählen spannende Geschichten, wie Gott durch die Fürsprache des Heiligen Menschen geholfen hat. Die Erfahrungen der anderen Menschen stärken dann wiederum unseren Glauben und unser Vertrauen auf Gottes Kraft.
Jeder kann eine Wallfahrt planen!
In diesem Jahr 2025 werdet ihr in der Tagespost viele einzelne Wallfahrtsorte kennenlernen. Und das hat auch einen Grund: Papst Franziskus hat zu Weihnachten ein Heiliges Jahr ausgerufen. In diesem Heiligen Jahr dürfen wir uns wieder ganz besonders intensiv Gott zuwenden. Der Papst wünscht sich für dieses Jahr, dass die Menschen sich überall auf den Weg machen. Eine Wallfahrt nach Rom oder auch an einen anderen Wallfahrtsort soll uns im Jahr 2025 helfen, Gott wieder mehr Platz in unserem Leben zu geben.
Deshalb habe ich heute auch eine besondere Herausforderung für dich: Organisiere deine eigene kleine Wallfahrt! Organisiere deine eigene kleine Familienwallfahrt:
1) Finde heraus, ob es eine – vielleicht wenig bekannte – Wallfahrtskirche ganz in deiner Nähe gibt.
2) Versuche, mehr zu erfahren: Warum gibt es dort eine Wallfahrt? Welches besondere Erlebnis hatten Menschen dort mit Jesus, Maria oder einem Heiligen?
3) Und dann beginnt die konkrete Vorbereitung! Dazu solltest du folgende Fragen klären:
† Wann ist am Wallfahrtsort am geplanten Tag eine heilige Messe, Andacht oder Vesper? Brecht so auf, dass ihr am Ende eurer Wallfahrt daran teilnehmen könnt!
† Welchen Weg wollt ihr gehen? Versuche, eine möglichst autofreie Route zu finden, damit ihr in Ruhe beten und euch besinnen könnt.
†Überlegt euch in der Familie ein Gebetsanliegen für die Wallfahrt.
† Suche einen Pilgersegen für den Anfang und Gebete für den Weg heraus. Im Gotteslob findest du zum Beispiel einen Pilgersegen (GL 22.5), Betrachtungen für den Rosenkranz (GL 4) und ab GL 556 eine reiche Auswahl an Litaneien für den Weg, zum Beispiel die Allerheiligen-Litanei (GL 556), die Litanei vom Heilswirken Gottes (GL 558) oder die Lauretanische Litanei (GL 566).
† Verfasse Fürbitten, die auch euer Familienanliegen beinhalten – die könnt ihr ebenfalls unterwegs beten.
† Jetzt geht´s los – in den Rucksack muss: eine Brotzeit und etwas zu trinken, ein Rosenkranz, alle Texte (Pilgersegen, Gebete, Fürbitten, Litaneien), die Wegbeschreibung und wetterfeste Kleidung und gute Schuhe.
Gottes Segen für eure Wallfahrt!

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