Hast du schon vom Heiligen Jahr 2025 gehört? Papst Franziskus hat es an Weihnachten ausgerufen und es wird auf der ganzen Welt gefeiert, aber besonders in Rom.
Fangen wir von vorne an: Was ist eigentlich „heilig“? Gott ist heilig, vollkommen! Darum singen wir in der Messe das Lied „Heilig bist du, großer Gott!“ Auch Gottes Geschöpfe können an Gottes Heiligkeit teilhaben. Engel sind heilig, weil sie Gottes Willen tun. Und dann gibt es da die Heiligen. Sie sind Gott nahe und handeln nach seinem Willen. Von vielen sagt die Kirche, sie sind ganz sicher heilig, zum Beispiel die heilige Gottesmutter Maria und der heilige Franz von Assisi. Sicherlich kennt ihr noch viele mehr.
Es gibt heilige Orte und heilige Zeiten
Auch manche Orte bezeichnen wir als „heilige Orte“. Hier geschah oder geschieht etwas Heiliges und viele Menschen besuchen sie, um Gott näher zu kommen: zum Beispiel die Geburtskirche in Bethlehem, errichtet über der Stelle, wo Jesus geboren worden ist. Oder der Kölner Dom, in dem die Reliquien der drei Weisen aus dem Morgenland verehrt werden. Jeder Tabernakel ist heilig, wenn Jesus Christus selbst in Gestalt des Brotes in ihm wohnt.
Und schließlich kennt die Kirche auch noch „heilige Zeiten“: Vom ersten heiligen Tag, den Gott uns geschenkt hat, lesen wir in der Bibel im Buch Genesis. Gott schuf die Welt in sechs Tagen. Dann heißt es: „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.“
Den Sonntag feiern die Christen
Daraus ergibt sich das dritte Gebot, das Gott durch Moses dem Volk Israel übergab: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem HERRN, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren.“
Gott sorgt sich offensichtlich um uns und will nicht, dass wir nur Arbeit und Mühe kennen. Christen feiern nicht den siebten, sondern den ersten Tag der Woche, den Sonntag. Warum? Weil Jesus am Sonntag von den Toten auferstanden ist, nachdem er sich für uns Menschen am Kreuz geopfert hat. Das feiern wir in der heiligen Messe. Seither ist der Sonntag für uns Fest- und Ruhetag. Wir besuchen die Messe, unternehmen schöne Dinge miteinander und ruhen uns aus.
Das Heilige Jahr der Katholischen Kirche
Die Bibel berichtet sogar von einem ganzen heiligen Jahr, dem Jubeljahr. Ein jüdisches Gesetz gebot, dass jedes 50. Jahr ein „Jubeljahr“ oder „Jahr der Freilassung“ gefeiert wird, in dem die Juden ihren Untergebenen die Schulden erlassen und die Schuldsklaven freilassen sollen. Die Katholische Kirche kennt seit über 700 Jahren ein Jubeljahr: ein Heiliges Jahr, das alle 25 Jahre vom Papst ausgerufen wird. Und nun ist es wieder soweit!
Was ist das Besondere an einem Heiligen Jahr? Erstens: Es ist ein Pilgerjahr. Wer kann, macht eine Wallfahrt in die heilige Stadt Rom. Der Papst öffnet nur in einem Jubeljahr die heiligen Pforten der vier wichtigsten Hauptkirchen Roms, damit die Pilger durch diese Türen eintreten. Das sind diese vier Basiliken: der Petersdom, Santa Maria Maggiore, Sankt Paul vor den Mauern und Sankt Johannes im Lateran.
Eine Wallfahrt in deiner Stadt
In diesem Heiligen Jahr hat Papst Franziskus noch eine heilige Pforte hinzugefügt, nämlich im Gefängnis Rebibbia in Rom. Papst Franziskus hat ein großes Herz für alle, die es besonders schwer haben; er denkt an die Gefangenen, die nicht einfach durch eine Heilige Pforte spazieren können. Andere Menschen wohnen weit weg, so wie du wahrscheinlich. Du kannst nicht nach Rom pilgern? Das macht nichts! Du kannst eine kleine Wallfahrt in deiner Nähe machen. Zu einer Marienkirche, einer Kapelle, einer Kirche, wo ein Heiliger verehrt wird, oder zu einem Wegekreuz, das du magst. Nimm dir mal wieder richtig Zeit für Gott!
Zweitens: Das Heilige Jahr ist ein Jahr zum Besinnen, Beichten und Beten. Vielleicht kannst du dir vornehmen, häufiger zu beichten als normalerweise und hier und da ein bisschen mehr zu beten als üblich. Kennst du übrigens die Gebetsanliegen des Papstes? Er gibt uns für jeden Monat des Jahres einen Vorschlag, für wen oder was wir beten können. So sind wir im Gebet mit dem Papst vereint, selbst wenn wir weit von ihm entfernt wohnen.
Was hat es mit dem Ablass auf sich?
Und drittens sind wir im Heiligen Jahr besonders eingeladen, Ablässe zu gewinnen. Ein Ablass ist ein wunderbares Geschenk der Gnade für uns, das wir sogar weiter verschenken können. Durch einen Ablass werden uns durch Gott die zeitlichen Strafen für unsere Sünden erlassen. In der Beichte vergibt Gott uns die Sünden, aber die Folgen der Sünde sind noch nicht getilgt; die Strafe steht noch aus.
Der Ablass ist so etwas wie eine Amnestie: So heißt es, wenn die Regierung Gefangene aus Gnade frühzeitig freilässt. So kann auch Gott uns Strafen für unsere Sünden erlassen. Diese Gnade können wir uns nicht selbst „machen“. Sie kommt aus dem Gnadenschatz der Kirche. Dieser Schatz besteht nicht aus Gold, Silber und Edelsteinen, sondern aus den Gnaden, die Jesus Christus der Kirche geschenkt hat und aus den guten Taten der Heiligen aller Zeiten. Jesus Christus ist unendlich heilig. Doch er behält seine Heiligkeit nicht für sich; er verschenkt sich an seine Kirche; das heißt, an uns.
Etwas vollbringen, das Gott gefällt
Was können wir tun, um einen Ablass zu erwerben? Die Bedingungen dafür sind die folgenden: Einen Ablass kann ein getaufter Katholik erwerben, der bereits die erste heilige Kommunion empfangen hat. Wir sollen dafür unsere Sünden bereuen, beichten und uns ernsthaft vornehmen, uns zu bessern. Wir empfangen die heilige Kommunion. Wir beten „in der Meinung des Heiligen Vaters“, das heißt, wir vereinen uns mit den Gebeten des Papstes. Hier darfst du einfach für die Anliegen des Papstes ein Vaterunser oder ein „Gegrüßet seist du Maria“ beten. Außerdem sollen wir etwas tun, das Gott gefällt. Im Heiligen Jahr machen wir uns die Mühe, eine Wallfahrt zu unternehmen. Wir durchschreiten eine Heilige Pforte. Wenn wir nicht nach Rom pilgern können, darf man ersatzweise eines der sieben Werke der Barmherzigkeit tun, zum Beispiel: einen Trauernden trösten, einen Lästigen ertragen, einen Fremden aufnehmen, einen Hungernden speisen oder einen Kranken besuchen.
Normalerweise kann man einmal am Tag einen Ablass für sich selbst erwerben. Du kannst aber auch mehrere erwerben und sie weiterverschenken! Und zwar an die armen Seelen im Fegefeuer. Was hat es damit auf sich? Seien wir ehrlich: Die meisten von uns werden wahrscheinlich nicht so heilig gelebt haben, dass Gott uns nach unserem Tod direkt in den Himmel aufnehmen kann. Es braucht eine Zeit der Reinigung. Viele Verstorbene warten im Fegefeuer darauf, dass sie die Strafen für ihre Sünden „abgesessen“ haben und endlich in den Himmel kommen. Sie sehnen sich nach Gott. Nun darfst du den Ablass, den du erworben hast, den armen Seelen schenken. Du kannst dabei auch an einen ganz bestimmten Menschen denken, vielleicht jemanden, den du besonders liebhast, zum Beispiel deinen verstorbenen Großvater oder deine Großmutter.
Ist es nicht großartig, dass wir in der Kirche alle mit Jesus und miteinander verbunden sind? So können wir auch füreinander beten, Opfer bringen und einen Ablass erwerben und verschenken.

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