Für die meisten Menschen ist Weihnachten schon seit zwei Wochen vorbei. Schließlich sind allmählich alle Plätzchen aufgefuttert, und im Radio ist auch der letzte Last-Christmas-Song verstummt. Doch während viele bereits den Weihnachtsschmuck wegräumen, ist für uns Katholiken klar: Der Christbaum bleibt mindestens so lange stehen, bis die Sternsinger da waren – bei manchen sogar bis Mariä Lichtmess am 2. Februar. Unsere Mitchristen in den orthodoxen Kirchen haben sogar erst vor drei Tagen – also am Dreikönigsfest – wirklich Weihnachten gefeiert: Denn erst an „Erscheinung des Herrn“ hat sich das Christkind den Sterndeutern aus dem Morgenland gezeigt und damit auch den Heidenvölkern offenbart.
Auch am kommenden Sonntag leuchtet seine Herrlichkeit auf, wenn wir die Taufe des Herrn feiern. Dann erst endet offiziell die Weihnachtszeit; und doch erscheint die Göttlichkeit Jesu ein drittes Mal in der Öffentlichkeit, als er auf der Hochzeit zu Kana sein erstes Wunder vollbringt, indem er Wasser in Wein verwandelt – was wir dann am übernächsten Sonntag feiern. Dieses dreifache „Erscheinen“ Christi nach seiner Geburt hat ein Dichter in die Strophen eines Liedes gekleidet, das man auf die Weise von „Lobpreiset all zu dieser Zeit“ (Gotteslob 258) singen kann:
Ein uralter Gesang preist Jesus
„O göttliches Geheimnis groß, da Jesus uns geboren, / der auf sich nahm des Menschen Los, zu retten, was verloren; / der wie ein Licht nach langer Nacht uns neues Leben hat gebracht. Lobpreiset sein Erscheinen! – Die Weisen kamen her von fern, ihn königlich zu ehren; / am Himmel glänzte hell sein Stern, das Wunder uns zu lehren. / So ward es weltweit kundgetan: In Jesus bricht das Heil uns an. Lobpreiset sein Erscheinen! – Da Jesus hin zum Jordan ging und sich der Taufe beugte, / aus offnem Himmel ihn umfing der Geist, der ihn bezeugte; / und liebend gab des Vaters Mund sein Wohlgefallen an ihm kund. Lobpreiset sein Erscheinen! – Als Jesus, Gast beim Hochzeitsmahl, das Wasser macht zum Weine, / aufleuchtet in des Wunders Strahl sein Heil im Freudenscheine. / So ließ er schaun in dieser Zeit das Zeichen seiner Herrlichkeit. Lobpreiset sein Erscheinen!“ (Georg Thurmair, 1974)
Wir beginnen also das neue Jahr, indem wir uns daran erinnern, wie sich Jesus der Welt als Sohn Gottes gezeigt hat. Als er über dreißig Jahre alt war, trat er zum ersten Mal in die Öffentlichkeit – und das war am Jordanfluss, wo sein Cousin Johannes die Menschen zur Umkehr taufte. Der hatte die Menschen so beeindruckt, dass sich viele überlegten, ob er nicht nur ein Prophet, sondern vielleicht sogar der Messias selbst sein könnte.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: „Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Lk 3,16). Die Menschen waren also voller Erwartung, als eines Tages auch Jesus kam, um sich taufen zu lassen.
Die Taube bewies: Jesus ist wirklich Gottes Sohn
Zuerst wollte Johannes das nicht zulassen: „Ich müsste von dir getauft werden“, sagte er (Mt 3,14). Aber Jesus wusste, was sein Vater vorhatte; während er nämlich betete, öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Da hörten die Menschen eine Stimme aus dem Himmel, die sprach: „Du bist mein geliebter Sohn! An dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Lk 3,22). Da wusste auch Johannes, dass Jesus wirklich der Messias ist; denn Gott hatte ihm gesagt: „Auf wen du den Geist herabkommen und bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft“ (Joh 1,33). Als Jesus am nächsten Tag wieder vorbeikam, zeigte der Täufer auf ihn und rief: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.“ Zwei seiner Jünger standen dabei und hörten es; da folgten sie Jesus, weil sie wissen wollten, wo er wohne. Und er lud die beiden ein, bei ihm zu bleiben (Joh 1,35–39).
Am Anfang eines neuen Jahres nehmen sich viele Menschen vor, ihr Leben zu bessern. Sie machen sich Vorsätze, was sie alles ändern wollen. Doch nach ein paar Wochen oder Monaten müssen sie enttäuscht feststellen, wie wenig aus ihren guten Absichten geworden ist. Die Menschen, die zu Johannes an den Jordan kamen, haben erfahren, dass sie aus eigener Kraft zu schwach sind, sich zu bessern. Sie tauchten im Wasser des Jordan unter, um sich reinigen zu lassen. Sie ließen sich taufen, um neu anfangen zu können. Und da zeigte ihnen Johannes das „Lamm Gottes“, das die Sünde der Welt einfach wegnimmt: den Sohn Gottes, der mit dem Heiligen Geist tauft. Nur der Geist Gottes kann in uns das Gute bewirken und unser Herz erneuern.
Jeden Tag mit dem Kreuzzeichen beginnen
Das neue Jahr lädt dich also ein, den Heiligen Geist anzurufen und deine Taufe zu erneuern. Wirksamer als jeder gute Vorsatz ist es, jeden Tag mit einem Kreuzzeichen zu beginnen „im Namen des Vaters, der mich geschaffen hat, und des Sohnes, der mich erlöst hat, und des Heiligen Geistes, der mich heiligt“. Vielleicht hast du sogar ein wenig Weihwasser bei der Hand. Und wenn du deinen Taufbund neu schließt, sagt der Vater im Himmel zu dir, was er schon zu Jesus gesagt hat: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, mein geliebtes Kind! An dir habe ich Gefallen gefunden.“ Denn Jesus hat auch dich eingeladen, ihm zu folgen und bei ihm zu bleiben. Wenn Jesus in deinem Leben aufscheint, dann geht Weihnachten wirklich in Erfüllung.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.











