Viele Stunden haben mein Mann und ich damit verbracht, die richtigen Namen für unsere Söhne zu finden. Und vermutlich geht es jedem so. Es soll doch irgendwie ein passender Name für das Kind sein, aber eine Bedeutung sollte er auch haben – ob das nun eine ist, die der Name selbst beinhaltet, oder weil mit dem Namen eine bekannte oder verwandte Person verbunden wird.
Schnell findet man bei der Recherche in Büchern oder im Internet heraus, dass zum Beispiel mein Name – Anna – die Begnadete heißt und dass meine Namenspatronin die heilige Anna, die Mutter Marias, ist. Oft steht dabei auch noch ein Datum – der Namenstag. Spätestens beim Taufgespräch wird man gefragt, nach welchem Heiligen das Kind nun benannt werden soll und bei der Taufe selbst werden in der Heiligenlitanei die Namenspatrone des Kindes und der Familie angerufen. Aber was hat es eigentlich mit diesem Namenspatron auf sich?
Wann die Geschichte der Namenspatrone beginnt
Die Geschichte der Namenspatrone beginnt schon in den frühen Jahren der Christenheit. Bereits die ersten Christen benannten ihre Kinder nach Menschen, die ein Vorbild im Glauben an Jesus Christus waren. Später wurden in verschiedenen Regionen und Orden Heiligenkalender mit Gedenktagen für die Heiligen eingeführt, die im 16. Jahrhundert durch Papst Pius V. zum ersten Mal vereinheitlicht wurden. In dieser Zeit wählten Eltern den Namen ihres Kindes häufig nach dem jeweiligen Tagesheiligen aus. So ist zum Beispiel Martin Luther nach seinem Tauftagesheiligen benannt worden, dem heiligen Martin von Tours (11. November).
Diese Tradition reicht bis ins 20. Jahrhundert hinein und dürfte zu dem ein oder anderen Namen unserer Großeltern geführt haben. Der Heiligenkalender ist somit die Grundlage für die heutigen Gedenktage beziehungsweise Namenstage der Namenspatrone. Der festgelegte Gedenktag ist dabei meist der Todestag des jeweiligen Heiligen, sozusagen der Geburtstag im Himmel. An diesem Tag wird an ihn erinnert, an sein Leben und Wirken. Auch alle, die auf diesen Namenspatron getauft sind oder deren Name davon abgeleitet wird, feiern an diesem Tag ihren Namenstag.
Die Bedeutung des Namenstages hat mittlerweile abgenommen: In früheren Zeiten wurde meistens der Namenstag statt des Geburtstages gefeiert, da der Namenstag für den Namensträger eine viel größere geistliche Bedeutung hatte und manchmal der Geburtstag auch nicht bekannt war. Die erwachsenen Katechumenen wählten damals zur Taufe mit großer Sorgfalt einen neuen Namen, um dadurch eine besondere Verbindung mit dem Heiligen zu begründen. Diesen Brauch findet man heute nur noch selten, zum Beispiel in Ordensgemeinschaften. Dort wird heute noch oft statt des Geburtstags der Gedenktag des als Ordensname gewählten Heiligen gefeiert.
Was ist die Bedeutung der Tradition der Namenspatrone?
Was aber ist die Bedeutung der Tradition der Namenspatrone? Im Katechismus kann man folgendes zu dem Begriff Namenspatron nachlesen: „Der Namenspatron ist ein Vorbild christlicher Liebe und sichert seine Fürbitte zu“ (KKK 2158). Der Namenspatron ist also für den Getauften ein Begleiter auf dem Lebensweg, der ihm besonderen Schutz und Segen schenkt und für ihn eintritt. Er ist dabei Teil der „Gemeinschaft der Heiligen“, die wir im Glaubensbekenntnis bezeugen und die in Hebräer 12,1 als „Wolke von Zeugen“ betitelt wird.
Das greift auch der Katechismus auf: „Denn wie die christliche Gemeinschaft der [Erden]pilger uns näher zu Christus hinführt, so verbindet uns die Gemeinschaft mit den Heiligen mit Christus, aus dem als Quelle und Haupt jede Gnade und das Leben des Gottesvolkes selbst hervorströmen“ (KKK 957).
Jeder ist sich darüber im Klaren, dass die Menschen, die unsere Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten, wichtig für sie sind. Aber denken wir auch über die Begleitung unserer Kinder durch die Gemeinschaft der Heiligen nach? Auch diese spielen eine große Rolle für die Entwicklung unserer Kinder zu Nachfolgern Jesu. Wenn wir für unser Kind einen Namenspatron auswählen, bezeugen wir damit diese Wahrheit und bitten ihn, uns in der Begleitung und Erziehung unseres Kindes beizustehen. Der Namenspatron wird durch die Wahl der Eltern zum Vorbild, Fürbitter und Begleiter für das Kind. Wir schaffen also eine Art Beziehung zwischen unserem Kind und dem Namenspatron. Es lohnt sich daher, sich mit dem eigenen Namenspatron auseinanderzusetzen und mehr über sein oder ihr Leben zu erfahren. Gemeinsam mit unseren Kindern können wir das auch mit ihrem Namenspatron machen. Vielleicht kann er uns manchmal genau deswegen, weil es unser Namenspatron ist, und es vielleicht sogar Parallelen auf dem Lebensweg gibt, in einer schwierigen Situation helfen, ein Vorbild sein oder im Fürbittgebet beistehen.
Mit vielen Heiligen wird ein besonderes „Patronat“ verbunden
Aus meiner Kindheit kenne ich noch die Darstellung der Namenspatrone als Glasmalerei in einem kleinen Holzrahmen. Doch für meine Kinder wollte ich gerne etwas Eigenes herstellen. Ich fing an, mich mit dem Namenspatron unseres Ältesten, Benedikt von Nursia, intensiver zu beschäftigen und entschloss mich schließlich, ein nähgemaltes Heiligenbild seines Namenspatrons herzustellen. Dabei schaute ich mir die Darstellungen in der Kunst an und erkannte, dass dabei besondere Attribute abgebildet werden. Es sind Hinweise auf das Leben, Wirken und oft auch das Patronat des Heiligen.

So wird der heilige Benedikt im Habit der Benediktiner dargestellt, oft mit einem Raben als Attribut, der ihn vor einem vergifteten Brot bewahrte. Der heilige Maximilian Kolbe wird meist mit einem Habit der Franziskaner und einem KZ-Sträflingshemd dargestellt, da das deutlich auf seine Biographie hinweist. Mit vielen Heiligen wird auch ein besonderes „Patronat“ verbunden. Dieser Begriff beschreibt eine Art Schirmherrschaft zum Beispiel für einen Ort, ein Land, einen Beruf oder auch einen Zustand. Der Patron übernimmt dafür die besondere Fürsprache. Ein Patronat begründet sich oft in der Biographie des Heiligen. So ist die heilige Anna zum Beispiel die Patronin der Mütter und sie wird angerufen für eine glückliche Ehe. Der heilige Joseph ist der Patron der Handwerker, weil er selbst Zimmermann war. Und so übernehmen auch die Heiligen, nach denen wir unsere Kinder benennen, das Patronat für die jeweiligen Kinder. (Eine kleine Anregung nebenbei: Beim Gang durch eine Kirche kann man ganz einfach ein kleines Rätselspiel veranstalten: Wer erkennt die meisten Heiligen an ihren Attributen?)
In vielen Familien wird der Namenstag gefeiert
In vielen Familien ist es heute vielerorts noch Brauch, den Namenstag zu feiern. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Traditionen. So kann man zum Beispiel an diesem Tag die heilige Messe besuchen, eine Kerze in Erinnerung an den Namenspatron anzünden und für den Namensträger beten. Auch ein kleines Geschenk, ein Kuchen, Blumen oder ein Gruß kann hier angebracht sein. In manchen Ländern ist es auch Tradition, sich mit bekannten Trägern desselben Namens zusammenzutun, um ein kleines Fest zu feiern.
Auch in unserer Familie feiern wir den Namenstag aller Familienmitglieder. Dafür zünden wir die Taufkerze an, sprechen über die Lebensgeschichte des Heiligen und darüber, wie diese Lebensgeschichte unseren Glauben stärken kann. Geschenke gibt es bei uns nicht, aber der Namensträger darf sich ein besonderes Essen wünschen. Der Namenspatron ist ein wichtiger Begleiter und Fürsprecher auf unserem Lebensweg und es lohnt sich, sich mit seinem Leben und seinem Wirken auseinanderzusetzen. Ihm einen besonderen Tag zu widmen und diesen auch zu feiern, kann uns wieder ganz neu vor Augen führen, dass wir alle auf dem Weg der Heiligkeit gehen.
Sozialpädagogin, verheiratet und Mutter von 3 Kindern, schreibt auf ihrem Blog über das Kirchenjahr und betreibt einen christlichen Handmade Onlineshop auf www.sanktwerk.de.
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