Kinderkatechese

Jesus möchte Dir nahe sein

Als er auf der Erde war, bewegten Jesus die gleichen Fragen, die auch wir Menschen haben. Jesus will uns diese Fragen beantworten,  wenn wir zu ihm beten. Ein Impuls für Jugendliche.
Das Herz Jesu ist Vorbild und Zuflucht für die Kinder Gottes.
Foto: SJM Assen | Das Herz Jesu ist Vorbild und Zuflucht für die Kinder Gottes.

 Am Sonntag vor dem Herz-Jesu-Fest wurde in diesem Jahr aus dem Lukasevangelium etwas ganz Interessantes vorgetragen. Wörtlich: „In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?“ (Lukas 9,18) Auf ihre Antworten hin fragt er sie dann: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Jesus betete also „für sich alleine“; und die Jünger waren dabei. Sie haben ihn sehen können. Sie konnten beobachten, wie innig er betete. Lukas berichtet auch an anderer Stelle darüber. Im elften Kapitel seines Evangeliums schreibt er: „Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten.“ (Lukas 11,1) Immer, wenn Jesus betete und die Apostel dabei sein durften, war das für sie etwas Besonders. Es muss sie sehr bewegt haben. Dabei verspürten sie offenbar den großen Wunsch, auch einmal so beten zu können, wie sie es bei Jesus aus nächster Nähe miterleben konnten. Als Jesus einmal „das Gebet beendet hatte“, bat deshalb einer seiner Jünger stellvertretend für alle anderen: „Herr lehre uns beten“.

Jesus brachte seine Fragen vor Gott 

Was Jesus daraufhin den Aposteln alles beigebracht hat – etwa wie man richtig betet, sich nicht in der Zerstreuung verliert; oder wie man auch dann beten kann, wenn es scheinbar nichts bringt oder man innerlich ganz leer ist – überliefert Lukas ganz komprimiert. Er beschränkt sich auf das Wesentliche, so wie wir es bis heute tun, wenn wir das „Vater unser …“ beten. Das kannst Du im Lukasevangelium (Lukas 11,1 ff) nachlesen.
Im diesjährigen Sonntags-Evangelium vor dem Herz Jesu Fest, auf das wir nun wieder zurückkommen, war es aber auffällig anders: Nicht die Apostel, sondern Jesus trägt eine Bitte vor. Er möchte von den Aposteln wissen, was die Leute und dann, was die Apostel von ihm denken; für wen sie ihn halten. Lukas hat diese Frage ganz bewusst in einen engen Zusammenhang mit der wunderbaren Art gebracht, wie Jesus gebetet hat. Lukas erklärt damit nicht nur, wie, sondern auch worüber Jesus sich im Gebet mit seinem Vater ausgetauscht hat.


Um das besser nachzuvollziehen, müssen wir kurz ein wenig ausholen. Weltweit glauben die Christen, dass Jesus Gott und Mensch zugleich ist. So berichtet die Bibel etwa, wie Gott in Maria Mensch und von ihr in Bethlehem als Menschenkind geboren wurde. Deshalb nennt sich Jesus auch „Menschensohn“. In Jesus ist Gott also Mensch wie wir geworden, mit einem wichtigen Unterschied. Dieser wird etwa im vierten Hochgebet der Heiligen Messe genannt. Dort betet und bekennt der Priester stellvertretend für alle, dass Jesus uns „in allem gleich geworden ist, bis auf die Sünde“. Deshalb bewegten Jesus als Mensch genau dieselben Fragen, die auch wir haben. Und nun müssen wir nur noch überlegen: Was steckt eigentlich hinter dieser Frage: „Für wen halten die Menschen und ihr mich?“ Und warum richtet Jesus diese Frage an seine Jünger unmittelbar im Anschluss an sein Beten?

Auch wir sind Kinder Gottes


Zum ersten: Die Frage Jesu „für wen halten die Menschen und ihr mich?“ fasst all die Fragen zusammen, mit denen Jesus sich als Mensch intensiv beschäftigt und die ihn zutiefst bewegt haben. Es sind existenzielle Fragen, wie etwa: „Welche Mission habe ich als Mensch? Was kann und soll ich bewirken? Wo und wie bau ich etwas auf, das zutiefst erfüllt? Wer bin ich eigentlich? Und wofür lebe ich? …“. Über all das hat Jesus als Mensch mit Gott geredet. Jesus ist zwar, anders als wir, als Mensch in einer Person mit Gott „unvermischt und untrennbar“ verbunden. 


Von daher war sich Jesus als Mensch auch von Anfang an dessen bewusst, dass er Gott ist. Aber das musste er als Mensch erst verstehen lernen. Und so hat Jesus als Mensch all diese Fragen in seinem Herzen vor Gott gebracht. Das sollten vielleicht auch wir öfter tun. So wie Jesus als Mensch im Gebet vor Gott sich seiner Lebensaufgabe immer bewusster wurde und sich von Gott darin bestärken ließ, so werden auch wir es erleben, wenn wir beten. Jesus hatte zwar eine besonders innige Beziehung zu Gott; denn Jesus ist ja als Mensch zugleich auch Gott. Auch das unterscheidet uns von ihm.  Aber auch wir sind Kinder Gottes; immerhin recht ähnlich und vergleichbar, wie Jesus es war. Zum zweiten: Unmittelbar nach seinem Beten redet Jesus mit seinen Jüngern, worüber er zuvor mit Gott gesprochen hat. 

Lesen Sie auch:


Im Grunde fragt er sie: „Wer bin ich – für Euch und für die anderen?“ Gott hat den Menschen Jesus in dieser Frage im Gebet bestärkt; ihm wichtige Impulse gegeben. Und Jesus gibt dies nun weiter an seine Jünger, und sagt ihnen: „Macht es wie ich!“ Wörtlich und ausführlich: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.“ (Lukas 9,23f) 


Die Antworten auf die Fragen: „Wer bin ich? Welche Mission habe ich? Was ist mein Lebensinhalt? Was erfüllt mich wirklich? Wofür lebe ich? …“ sind für den Menschen Jesus so wichtig wie für Dich und mich. Wer wirkliche Fortschritte machen möchte, der mache es wie Jesus. Ins Gebet damit! Und dann danach leben. Und es denen erzählen, denen wir vertrauen können. Dann wirst Du auch immer besser verstehen, wer Jesus war und weiterhin für uns ist. Du wirst das Besondere an ihm entdecken. Und Du wirst damit zugleich das Besondere an Dir entdecken. Lass Dich davon überraschen, wie nahe Gott uns nun durch Jesus ist. Und wie er uns stark macht, so wie Gott damals den Menschen Jesus stark gemacht hat. Es ist ein besonderer Zufall, dass in diesem Jahr auf das Sonntagsevangelium, von dem wir anfangs ausgegangen sind, einige Tage später das Herz Jesu Fest folgt. Die Kirche feiert dieses Fest am dritten Freitag nach Pfingsten. Darüber hinaus wird der erste Freitag jedes Monats ganz besonders als Herz-Jesu-Freitag begangen. Der Herz-Jesu-Freitag ist ein bevorzugter Tag für den Empfang der heiligen Kommunion und die Eucharistische Anbetung mit Spendung des sakramentalen Segens. 

Jesu Herz: Unvermischt und untrennbar mit Gott verbunden


Dieses Fest am dritten Freitag nach Pfingsten und das Herz-Jesu-Gedenken an jedem ersten Freitag im Monat hat ganz viel mit dem zu tun, womit wir uns bislang beschäftigt haben. Man muss es oft wiederholen, weil man es kaum fassen kann: In Jesus ist Gott Mensch geworden. „Unvermischt und untrennbar“ ist auch der Auferstandene in der einen Person Jesus weiterhin Gott und Mensch zugleich. So wie das Herz Jesu auf Erden für die Menschen geschlagen hat, so schlägt es nun nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt im Himmel weiterhin für jeden.
Das Herz Jesu ist „unvermischt und untrennbar“ zutiefst mit Gott verbunden. Und vor allem ist hier mit Herz nicht der Herzmuskel, sondern das „Herz“ in der Bedeutung der Bibel gemeint. In dieser Bedeutung ist das „Herz“ die Mitte des Lebens, wo das Wollen, das Denken, das Bewusstsein, die Emotionen und der Verstand zusammenkommen. „Herz“ steht für die Mitte der Person.


Im Glaubensbekenntnis beten wir: „Er sitzt zur Rechten Gottes des Vaters“. Zur „Rechten des Vaters“ heißt so viel wie: Die absolute Vollmacht, die Größe und die Liebe Gottes sind auch ganz in Jesus, nun als dem Auferstandenen. Mit Blick auf das Herz Jesu kann man also sagen: es schlägt nun für uns im Reich des Vaters ganz in der Art Gottes. Gott ist also kein uns ferner Geist. Durch das Herz Jesu ist Gott für uns ganz lebendig nahe.
Im Gabengebet der Heiligen Messe am Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu beten wir: „Allmächtiger Gott, sieh auf das durchbohrte Herz deines Sohnes, der uns geliebt und sich für uns hingegeben hat.“ Und im Tagesgebet umgekehrt: „Allmächtiger Gott, wir verehren das Herz deines geliebten Sohnes und preisen die großen Taten seiner Liebe.“ Im Herzen Jesu begegnen sich also die göttliche und unsere menschliche Liebe und werden eins.

Volker Hildebrandt ist Pfarrer an der romanischen Kirche St. Pantaleon in Köln. Er gehört dem Opus Dei an, hat in philosophischer Ethik promoviert und war jahrelang als Schulpfarrer und Religionslehrer tätig.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Volker Hildebrandt Eucharistische Anbetung Hochfeste Jesus Christus

Weitere Artikel

Gewachsenes Vertrauen ist die Basis. In Windischgarsten lebt die Volkskirche dank Pfarrer Gerhard Wagner, der immer bei den Leuten ist.
05.11.2021, 17 Uhr
Stephan Baier
Staubige Figuren in der Kirche? Menschen, die vor lauter Beten und  Opfern das Lachen verlernt haben? Nein, so sind Heilige bestimmt nicht. Hier erfährst du mehr!
27.10.2022, 05 Uhr
Bernadette Ballestrem Raphael Ballestrem

Kirche

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke äußert sich zum „Ad-limina-Besuch“ der deutschen Bischöfe, zur Gefahr eines Schismas und zum neuen kirchlichen Arbeitsrecht.
26.11.2022, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Vatikan hat die Kritik der Kardinäle Ladaria und Ouellet am Synodalen Weg veröffentlicht. Diese Transparenz schafft Orientierung, wo bisher nur ungläubiges Staunen über die Bischöfe war.
25.11.2022, 11 Uhr
Guido Horst
Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in zwei Fällen gegen den Kölner Kardinal wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Ökumenisches Gebet abgesagt. 
25.11.2022, 11 Uhr
Meldung
Im Wortlaut die Stellungnahme von Kardinal Marc Ouellet zum Synodalen Weg beim interdikasteriellen Treffen mit den deutschen Bischöfen.
24.11.2022, 17 Uhr
Kardinal Marc Ouellet