Kinderkatechese

Heilige sind Helden

Staubige Figuren in der Kirche? Menschen, die vor lauter Beten und  Opfern das Lachen verlernt haben? Nein, so sind Heilige bestimmt nicht. Hier erfährst du mehr!
An Allerheiligen feiern wir alle Heiligen des Himmels.
Foto: Maricarmen Vargas | An Allerheiligen feiern wir alle Heiligen des Himmels. Aber der Himmel selbst ist ein einziges großes Fest: Bei den Heiligen im Himmel herrscht unfassbare Freude, weil sie in alle Ewigkeit bei Gott sein dürfen.

Am 1. November feiern wir das Fest Allerheiligen. Aber woran erkennt man Heilige überhaupt? Nein, Heilige erkennt man nicht am Heiligenschein. Aber fangen wir mal vorne an. Wirklich „heilig“ ist nur Einer, nämlich Gott. Das Beeindruckende ist nun, dass Gott nicht weit weg ist und uns Menschen einfach unserem eigenen Schicksal überlassen hat. Er klopft immer wieder an die Tür unseres Herzens und fragt: „Möchtest du mit mir befreundet sein?“. Im Laufe der Geschichte hat es Menschen gegeben, die sehr tief von Gottes Liebe berührt waren und auf diese Frage mit „Ja!“ geantwortet haben. Und sie haben immer wieder versucht, diese Liebe an andere weiterzugeben, auf sehr kreative und spannende Weise. Dabei haben sie sich von Gott führen lassen. Diese Menschen nennen wir Heilige.

Die Heiligen sind sehr unterschiedlich. Einige haben vor sehr langer Zeit gelebt. Andere erst vor wenigen Jahrzehnten. Einige standen oft auf großen Bühnen und in der Öffentlichkeit, andere lebten im Verborgenen. Einige konnten gut Reden halten und kluge Bücher schreiben. Andere sind nie in eine Schule gegangen. Aber eines haben sie gemeinsam: Sie waren richtig eng mit Gott befreundet und haben dadurch viel Freude und Licht in diese Welt gebracht. Daran kannst du sie erkennen. Heilige sind Helden.

Wer bestimmt denn, wie man heilig wird?

Habt ihr zuhause vielleicht ein Heiligenbuch? Es gibt dicke Bücher, in denen die Geschichten von ganz vielen Heiligen aufgeschrieben sind. Jetzt kannst du dich fragen, wer denn eigentlich festlegt und bestimmt, dass jemand heilig ist. Das ist so: Es kommt immer wieder vor, dass viele Menschen von irgendeiner Person tief beeindruckt und inspiriert sind. Und manchmal hält das sogar an, wenn die Person gestorben ist. Und die Leute spüren: dieser Mensch war sehr eng mit Gott befreundet und hat viel Gutes getan. Manchmal wird dann eine genaue Untersuchung eingeleitet, es werden Zeugen befragt und Beweise gesammelt. Wenn alles gut geht, werden die Ergebnisse der Untersuchung dem Papst vorgestellt. Dieser kommt dann vielleicht zu dem Ergebnis, dass die Person tatsächlich ein heiligmäßiges Leben geführt hat. Dann wird sie zuerst seliggesprochen und später, nach einer weiteren Untersuchung, folgt die feierliche Heiligsprechung. Das ist so schön, weil diese Menschen große Vorbilder für uns sein können.

„Heilig zu sein bedeutet, mit Gott eng befreundet
zu sein und ein liebendes Herz zu haben. Und das kann jeder!“

Nun gibt es aber auch andere Menschen, die nie so bekannt geworden sind, die aber trotzdem eine große Liebe zu Gott hatten, vielen Leuten geholfen haben und im Verborgenen große Helden waren. Diese Personen werden vielleicht nie heiliggesprochen. Aber sie sind auch Heilige. Diese Heiligen feiern wir ganz besonders am 1. November, am Hochfest Allerheiligen. Vielleicht kennst du solche Personen: ein alter Mann, der immer freundlich gegrüßt hat und jeden Sonntag in die Kirche gegangen ist, obwohl er große Schmerzen hatte. Oder jemand anderes, der immer großzügig alles verschenkt hat, um andere froh zu machen. Oder dein Busfahrer, der mit viel Geduld und Hilfsbereitschaft euch Schüler transportiert hat. Man kann also auch heilig sein, ohne dass der Papst eine Heiligsprechung vorgenommen hat.

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Vielleicht denkst du manchmal: naja, die Heiligen sind ja schon gestorben und im Himmel, jetzt sind sie weit weg und haben nichts mit uns zu tun. Ist das wirklich so? Die Heiligen sind und bleiben wichtige Helfer für uns. Zum einen inspirieren sie uns mit ihrem Vorbild. Die Heiligen waren Menschen wie wir. Sie haben schöne Tage erlebt und mit Freunden gelacht. Und manchmal wurden sie auch von Sorgen geplagt. Sie wurden krank, hatten Streit mit jemandem und mussten arbeiten. In all dem haben sie ihr Herz für Gottes Liebe weit geöffnet. Deswegen sind sie für uns große Vorbilder und können uns inspirieren. Aber es gibt noch etwas: sie sind Fürsprecher für uns. Sie sind so nahe bei Gott und wir können sie bitten, ein gutes Wort für uns einzulegen. Viele Menschen haben ihren Lieblingsheiligen, den sie um Fürsprache bitten. Und manche Heilige haben ihr Spezialgebiet. Der heilige Antonius wird angerufen, wenn jemand etwas verloren hat. Der heilige Florian hilft, wenn es brennt. Die heilige Luzia wird angerufen, wenn ein Kind krank ist.

Was hat denn Heiligsein mit mir zu tun?

Haben die Heiligen immer alles richtig gemacht? Ganz sicher nicht! Sie sind Menschen mit Fehlern und Macken, wie wir alle. Denk zum Beispiel an Petrus. Dieser große Apostel, der Jesus so liebhatte, hat es auch öfter mal mit der Angst zu tun bekommen, besonderes vor Pfingsten. Aber auch danach erzählt man, dass er einmal aus Rom geflohen ist, weil er Angst hatte, festgenommen zu werden. Oder denk an Paulus. Seinen Reisen und seinem Eifer haben wir viel zu verdanken. Er hat Jesus von ganzem Herzen geliebt, aber hatte auch ein wildes Temperament. In der Apostelgeschichte kannst du lesen, wie Barnabas und Paulus sich mal kräftig in die Haare bekommen haben! Es ging darum, ob sie Markus auf die nächste Missionsreise mitnehmen oder nicht. Und das Ganze endet nicht wirklich friedlich, sondern die beiden trennen sich und reisen nicht mehr gemeinsam weiter.

Manchmal denken wir, dass nur ganz besondere Leute heilig werden können. Aber stimmt das? Heilig zu sein bedeutet, mit Gott eng befreundet zu sein und ein liebendes Herz zu haben. Und das kann jeder! Auch du und ich. Jesus hat den Menschen aufgetragen, Gott mit ganzem Herzen zu lieben, und den Nächsten zu lieben wie sich selbst (Lies mal im Markusevangelium 12,28-29!). Das Spannende ist, dass er das zu allen gesagt hat.
Manchmal haben wir Angst davor, das wirklich zu leben, weil wir befürchten, irgendetwas zu verpassen oder auf schöne Dinge verzichten zu müssen. „Anstatt im Garten zu helfen oder zu beten, würde ich viel lieber mit meinem neuen Ball Fußball spielen gehen!“ Die Heiligen haben gespürt, dass sie viel glücklicher sind, wenn sie Gott und die anderen lieben, als wenn sie immer nur den eigenen Vorlieben folgen. Und sie haben geahnt, dass die Beziehungen mit den anderen dann auch viel schöner werden.

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Ein paar Tipps  für die ganze Familie:

Im Himmel kommen alle Menschen zusammen, die ein liebendes Herz haben, ein großes oder ein kleines. Kannst du dir vorstellen, was das bedeutet? Da herrscht eine unfassbare Freude! Alle sind freundlich zueinander. Es ist ein großes Wiedersehen und ein ausgelassenes Fest. Das wird richtig spannend! An Allerheiligen dürfen wir von hier aus mitfeiern und uns freuen. 

  1. Im Winter verbringen wir mehr Zeit im Haus. Lest eine Heiligengeschichte und lernt einen Heiligen besser kennen.
  2. Es gibt tolle Heiligenfilme über Don Bosco, über Johannes Paul II. und viele andere, die ihr gemeinsam schauen könnt.
  3. Wenn ihr schon viele Heilige kennt, könnt ihr mit Freunden und Geschwistern „Wer bin ich?“ mit Heiligen spielen.
  4. Verkleidet euch an Allerheiligen als Heilige und feiert ein kleines Fest!
  5. Findet heraus, welche Heiligen bei euch in der Nähe gewohnt haben.
  6. Hängt ein Bild von euren Lieblingsheiligen im eigenen Zimmer auf.
  7. Fragt euren Pfarrer, welche Reliquien es in eurer Pfarrkirche gibt.
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