Kinderkatechese

Der Turm zu Babel

Das Alte Testament erzählt uns von dem Turmbau zu Babel. Was ein riesiger Turm mit Gott zu tun hat, liest du in dieser Geschichte!
Turmbau zu Babel
Foto: Alexander von Lengerke | Der Turmbau zu Babel

 Bob: Opa, Opaaaa…
Opa: Hallo ihr beiden. Bob, warum bist du denn so aufgeregt?
Bob: Ich habe heute zum allerersten Mal in meinem Leben ein englisches Lobpreislied gelernt!
Opa: Hast du auch verstanden, was du da gesungen hast?
Bob: Die anderen haben es mir übersetzt. Ich kann es schon fast auswendig.
Opa: Sehr gut. Möchtest du uns das Lied vorsingen?
Lilly: Bitte nicht schon wieder! Wir wollen lieber eine Geschichte hören.
Bob: Ja, eine Geschichte!
Opa: Wisst ihr, dass es in der Bibel eine Erzählung gibt, in der alle Menschen auf der Erde ein und dieselbe Sprache sprechen? 
Lilly: Wenn wir heute nur eine einzige Sprache hätten, dann müssten wir in der Schule gar keine Fremdsprachen lernen und würden auch Menschen aus anderen Ländern automatisch verstehen.

Praktisch: Eine Sprache für alle

Opa: Ja, praktisch wäre das schon. Dann würden wir keine Dolmetscher und Übersetzer brauchen und viele Missverständnisse könnten verhindert werden. Ein Mann namens Ludwik Lejzer Zamenhof (1879-1917) hatte übrigens mal eine geniale Idee: Er entwickelte eine ganz neue Sprache und nannte sie „Esperanto“. Man kann sie heute noch an vielen Universitäten studieren. Zamenhof dachte, dass eine einzige, neutrale Sprache der Schlüssel zum Frieden auf der ganzen Welt sein könnte. Allerdings hat es „Esperanto“ nie zur Weltsprache geschafft. 
Lilly: Das war ja eine sehr kreative Idee. 
Bob: Und wie heißt die Geschichte, die du uns eigentlich erzählen wolltest?

Opa: Der Turmbau zu Babel!
Bob: Ich liebe Türme!
Opa: Die Geschichte spielte ca. um 4 300 vor Christus in Babylon. Babylon - oder auch Babel genannt – war eine alte, sehr bedeutende Stadt. Sie lag am Fluss Euphrat, achtzig Kilometer südlich von Bagdad. Das ist die heutige Hauptstadt…
Lilly: Des Irak!

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Opa: Richtig, des Irak. Am Anfang war Babel eine kleine Stadt. Im Laufe der Zeit wurde sie aber immer größer und größer und schließlich sogar die größte Stadt der Welt, mit mehr als 200 000 Einwohnern.
Lilly: Das ist doch nicht viel. In Berlin leben mehr als 3 Millionen Menschen, oder?
Opa: Du hast Recht, aber zur damaligen Zeit waren 200 000 Einwohner eben enorm viel. In der Bibel wird auch berichtet, dass es in Babylon einen gewaltigen Turm gab, dessen Spitze bis weit in den Himmel ragte. Und weil alle Menschen dort ein und dieselbe Sprache sprachen, konnten sie problemlos zusammenarbeiten.
Bob: War der Turm von Babel damals der größte der Welt?

Hohe Türme: Babel, New York, Dubai

Opa: Mit seinen knapp 80 Metern – was damals eine sehr beachtliche Leistung war – war er der höchste Turm der Welt, ja.
Lilly: Und was ist heute der höchste Turm der Welt?
Bob: Der steht in Amerika!
Opa: Du meinst wahrscheinlich das Empire State Building in New York. Aber der momentan größte Turm der Welt, der Burj Khalifa, ist in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er misst 828 Meter und ist mehr als doppelt so hoch wie das Empire State Building.
Bob: Wenn man von da oben runter schaut, wird´s einem bestimmt schwindlig…
Opa: Bestimmt. Aber die Menschen aus Babylon bauten ihren Turm nicht wegen der Aussicht, sondern, weil sie berühmt werden wollten. Sie wollten, dass ihr Bauwerk von allen Menschen von nah und fern gesehen wird. 
Lilly: Gab es diesen Turm von Babel denn in Wirklichkeit?


Opa: Ja, den gab es. Er wurde vor über hundert Jahren von Archäologen ausgegraben. Die Archäologen buddelten damals um die Wette im Wüstensand, um europäische Museen mit Schätzen aus dem Orient zu füllen. Und so kam es 1912 zur Sensation: Ein Mann namens Robert Koldewey stieß auf die Fundamente des legendären Turms zu Babel – den Thron des babylonischen Gottes Marduk.
Lilly: Dann war der Turm von Babel ja gar nicht für unseren Gott erbaut worden.
Opa: Richtig, das war einer der Gründe, warum das Bauwerk Gott missfiel. In der Bibel steht, dass Gott die Sprache der Babylonier durcheinanderbrachte. So konnten sie nicht mehr miteinander kommunizieren und das gemeinsame Bauvorhaben wurde gestoppt. Babel heißt übrigens auch „große Verwirrung“. 

Turm von Babel steht für die Gier des Menschen

Bob: Der Turm der großen Verwirrung!
Opa: Die Geschichte des Turmbaus zu Babel will uns vor allem folgendes nahebringen: Der Turm, der bis in den Himmel ragt, steht für die Gier der Menschen, wie Gott sein zu wollen. Aber der Mensch, der glaubt, dass er alles kann und alles darf, setzt sich an die Stelle Gottes. Aber er ist nicht Gott. Er scheitert, er wird immer scheitern. Die Sprache in Babel steht deshalb sinnbildlich für die Sprache der Menschen, die sie zu Gott haben. Immer wenn die Menschen keinen lebendigen Austausch mehr mit Gott haben, aufhören zu beten und ihm zu vertrauen, dann entsteht Verwirrung, Chaos.
Lilly: Und wie kommt man in den lebendigen Austausch mit Gott?
Opa: Durch das Gebet. Beten heißt mit dem Herzen bei Gott sein. Und wenn dein Herz bei Gott ist, ist es sogar egal, ob du redest oder still bist.
Bob: Spüre ich Gott da?

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Opa: Ja, wir können Gott spüren. Er schenkt uns den Heiligen Geist, die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Der Heilige Geist bringt bis heute heilige Unruhe in die Welt und hört nicht auf, Wunder zu wirken und seine Gaben über die Welt auszustreuen. Der heilige Luis Beltrán – er lebte im 16. Jahrhundert – erlebte zum Beispiel ein Sprachenwunder. Als er in Südamerika Indios das Evangelium predigte, schenkte ihm Gott die Gabe der Sprachen. Obwohl er nur Spanisch konnte und Spanisch sprach, verstanden ihn die verschiedensten Indianerstämme.
Bob: Abgefahren!
Opa: Ja, der Heilige Geist gibt uns abgefahrene Ideen ein und drängt uns, sie auszuführen. An Pfingsten erlebten die Jünger Jesu den Heiligen Geist übrigens zum ersten Mal. Gott befähigte seine Apostel, dass sie die Botschaft Jesu in allen nur denkbaren Sprachen verkündigen konnten und dass jeder den anderen problemlos verstand. Pfingsten ist also das genaue Gegenbild von Babel.

Zur Autorin: Claudia Weiß arbeitet für die YOUCAT Foundation (www.youcat.org) und ist Lehrerin an einer Förderberufsschule. 
 

Für Eltern:

Will Gott nicht genau das? Dass wir uns über alles Trennende hinweg verstehen? Mündet die Geschichte der Erlösung nicht im Wunder der einen Sprache, dem großen Verstehen an Pfingsten? Parther, Meder, Elamiter sind vor Staunen außer sich: „Sind das nicht alles Galiläer? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?“ (Apostelgeschichte 2,9). Und sagen wir unseren Kindern nicht: Lernt Englisch, damit ihr in der Welt zurechtkommt? Gott will, dass wir uns verstehen. Aber er entzieht uns die Möglichkeit zur Verständigung, wenn wir eine Welt ohne Gott bauen wollen. Dann zerfallen wir in Parteien, Ideologien, Interessengruppen, geben uns Allmachtsfantasien hin, produzieren Chaos, taumeln der Klimakatastrophe entgegen. Was Gott in Babylon verwirrt, ist nicht die Sprache an sich; es ist eine Menschheit, die aus ihrer Muttersprache herausgefallen ist, dem lebendigen Austausch mit Gott. Diese Sprache stellt Gott an Pfingsten wieder her. (von Bernhard Meuser)

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