Kinderkatechese

Christkönigsfest: Jesus, unser König

Am Sonntag feiern wir das Fest Christkönig, mit dem das Kirchenjahr zu Ende geht. Mit dem Advent und der Erwartung von Christi Geburt beginnt ein neues Kirchenjahr. Jesus ist der Anfang und das Ende!
Die gekrönte Statue Christi in Swiebodzin, Polen. Christus ist unser guter König, der uns lehrt, beschützt, erlöst und ernährt.
Foto: Dariusz Bednarek (imago stock&people) | Die gekrönte Statue Christi in Swiebodzin, Polen. Christus ist unser guter König, der uns lehrt, beschützt, erlöst und ernährt.

 Der Tod der britischen Königin Elisabeth II.am 8. September 2022 hat die Welt bewegt. Die große Anteilnahme der Menschen in Großbritannien und darüber hinaus war überwältigend. Was war der Grund dieser tiefen Wertschätzung für eine 96-jährige Frau? „Die Queen“ hatte über 70 Jahre ihrem Volk als Königin gedient – ohne Skandale und vor allem treu.

Noch vor Beginn ihrer Regentschaft hatte Elisabeth im Jahr 1947 erklärt: „Mein ganzes Leben, mag es kurz oder lang sein, soll dem Dienen gewidmet sein.“ Dieses Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrem Volk haben der jungen Elisabeth ihre Eltern vorgelebt. Als während des Zweiten Weltkriegs England schwer bombardiert wurde, riet man der Königsfamilie, nach Kanada zu fliehen. Elisabeths Mutter meinte dazu: „Die Prinzessinnen [Elisabeth und ihre Schwester] können nicht ohne mich gehen, ich kann nicht ohne den König gehen, und der König wird niemals gehen.“ Diese Treue des britischen Königshauses, aber auch die Treue der Queen hatten die Menschen wohl vor Augen, als sie ihr zu Tausenden die letzte Ehre gaben.

„So sorgte Jahwe für sein Volk besser als alle anderen Könige.“

Das Volk Israel hatte in seiner Frühzeit keinen König. Oder besser gesagt: Gott war sein König (Psalm 10,16). Er hatte durch Mose im brennenden Dornbusch seinen Namen geoffenbart: „Jahwe“. Dieser Name kann etwa übersetzt werden mit: Ich bin der „Ich bin für euch da“ (Lesetipp: Exodus 3,1-14). Die Gegenwart Gottes und seinen Schutz haben die Israeliten eindrucksvoll erfahren, als er sie mit vielen Wundern aus der Knechtschaft Ägyptens ins Gelobte Land führte. Als der Pharao und die ägyptischen Streitwagen hinter ihnen herjagten, ließ Gott sie trockenen Fußes durch das Rote Meer fliehen. Sobald die Israeliten hindurchgezogen waren, schlugen die Fluten über den ägyptischen Verfolgern zusammen (Lesetipp: Exodus 14,5-31). 


Als das Volk in der Wüste nichts mehr zu essen und zu trinken hatte, gab ihm Jahwe die wunderbare Speise des Manna (Lesetipp: Exodus 16,1-36). Und aus einem Felsen ließ er Wasser gegen ihren Durst fließen (Lesetipp: Numeri 20,1-11). Wenn es unter den Israeliten Auseinandersetzungen gab, konnten sie ihre Schwierigkeiten vor Mose oder die von ihm eingesetzten Richter als Streitschlichter bringen (Lesetipp: Exodus 18,14-26). So sorgte Jahwe für sein Volk besser als alle anderen Könige. Er war immer für sie da. Die Israeliten dienten Gott, aber auch Gott diente mit seiner liebevollen Fürsorge ganz wunderbar seinem Volk.

Die Israeliten wollten einen Mensch als König

Trotzdem wollten auch die Israeliten später einen menschlichen König. Gott gab dem Propheten Samuel zu verstehen, was dieser Wunsch letztlich bedeute: „Mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr König sein“ (1 Samuel 8,7). Samuel warnte die Israeliten, dass ein König viele Rechte über sie haben werde. Er werde weniger für sie sorgen als vielmehr von ihnen Leistungen verlangen: Sie müssten hohe Steuern für ihn bezahlen, Äcker und Weinberge an ihn abgeben, Arbeitskräfte und Soldaten stellen. Und so weiter. Doch die Israeliten beharrten auf ihrem Wunsch, und so salbte Samuel Saul zum König. Die Salbung mit Öl war das Zeichen der Übergabe der Königswürde. Und der Prophet ermahnte den König und das Volk, Jahwe treu zu sein.


Doch Saul war Gott nicht immer treu, sondern handelte eigenmächtig gegen seine Anweisungen. Er selbst und das Volk bezahlten diesen Ungehorsam mit vielen Kriegen und Leiden. Jahwe ließ sein Volk aber nicht im Stich und beauftragte Samuel, einen neuen König zu salben. Gott erwählte David, der von Beruf Hirte war und verstand, was es bedeutet, sein Volk zu beschützen wie ein Hirte seine Schafe. Er bestimmte ihn, weil er in seinem Herzen gut war, Gott liebte und, wenn er Fehler machte, ihn um Verzeihung bat. David war zwar klein von Gestalt, aber sehr mutig und vertraute auf Gottes Hilfe. So zog er für Saul immer wieder in den Kampf und besiegte sogar den übergroßen Philister Goliat (Lesetipp: 1 Samuel 17,21-52).

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Eine goldene Zeit

Als nach Sauls Tod David seine Regentschaft antrat, erlebte das Volk Israel eine Blütezeit, die Feinde waren besiegt und es gab keinen Hunger. Jahwe wurde angebetet, war seinem Volk nahe und segnete es mit Wohlstand und Frieden. Viele nachfolgende Könige machten es nicht wie David, sie taten, was Gott missfiel, und das Volk wurde Opfer von Krieg, Verfolgung und der Vertreibung bis nach Babylon. So sehnten sich die Israeliten nach einem König wie David. Und die Propheten kündigten einen neuen David an, der noch Größeres tun werde als der alte David: sie verkündeten den Messias. Das hebräische Wort Messias heißt übersetzt „der Gesalbte“. So ist der Messias der König des Gottesvolkes. 


Gottvater sandte seinen Sohn auf die Erde, dass er diese messianische Königswürde übernehme. Bei der Taufe Jesu offenbart er ihn durch die Salbung des Heiligen Geistes als den Messiaskönig (Lukas 3,22). Und Jesus wirkte und wirkt als König – kraftvoll und mächtig wie Jahwe beim Auszug aus Ägypten. Als neuer David beschenkt er sein Volk mit Heil und Wohlergehen. Er lehrt die Menschen, hört ihre Bitten an, beschützt sie und vertreibt das Böse. Er vergibt die Sünden und öffnet die Tür zum Himmel. Bei der Brotvermehrung nährt er sein Volk mit natürlicher Speise, in der heiligen Eucharistie mit seinem eigenen Leib. Am Kreuz erlöst er uns von unseren Sünden und zeigt uns, wie sehr er Mitleid mit uns in unserer Not hat. 

Christus ist jetzt unser König

So wie er den Menschen vor 2  000 Jahren nahe war, so will er auch uns heute nahe sein. Als Heiland und Helfer, als Messias und König. Deshalb sagte er vor seiner Himmelfahrt: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ (Matthäus 28,20) Am letzten Sonntag des Kirchenjahres feiern wir den Christ-König. Wir danken Jesus, dass er unser König sein will, uns lehrt, beschützt, erlöst, ernährt. Dass wir ihm dienen und ihn lieben dürfen. Dass er wie der beste König, den man sich vorstellen kann, für uns da ist. Wir sollen Jesus, unserem König, dienen, doch ist vor allem er einer, der uns mit großer Hingabe dient (Lukas 22,27).

In der Taufe hat er uns zu Gotteskindern gemacht, zu Königskindern. Damit hat er uns dazu berufen, in seinem Reich mitzuarbeiten. Er will, dass wir mithelfen, dass ihn viele Menschen als liebenden König erkennen und seinem Wort folgen. Das können wir dadurch tun, dass wir selber gut sind: im Gebet und im Empfang der Sakramente die Freundschaft mit Jesus pflegen, die Gebote Gottes halten und unsere Mitmenschen lieben. Und manchmal ergibt sich vielleicht auch die Möglichkeit, anderen Menschen von Jesus zu erzählen oder, wenn sie in einer Not sind, ihnen zu sagen, dass wir für sie beten wollen. Der starke Christ-König hilft uns dabei. Jesus, unser König, ist treu und immer für uns da.

Zum Autor: Pater Martin Linner ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.

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