Kinderkatechese

Abends auf dem Friedhof

Ein Friedhofsgespräch zwischen Eltern und  Kindern bietet eine  wunderbare Möglichkeit, über die menschliche  Seele und das ewige  Leben zu sprechen.
Die besondere Atmosphäre auf dem Friedhof bietet einen hilfreichen Rahmen für eine Katechese über die Seele und das ewige Leben.
Foto: Norbert Neetz via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die besondere Atmosphäre auf dem Friedhof bietet einen hilfreichen Rahmen für eine Katechese über die Seele und das ewige Leben.

 Anfang November, es ist bereits dunkel. Auf den Gräbern leuchten die an Allerheiligen aufgestellten Kerzen. Vielleicht besucht man die Gräber der Großeltern. Nach einem Gebet für die Verstorbenen mag sich in dieser stimmungsvollen Atmosphäre ein Gespräch zwischen Eltern und Kindern entwickeln. Erfahrungsgemäß ist das kindliche Interesse an den Themen rund um „die letzten Dinge“ des Menschen sehr groß und die besondere Stimmung auf dem Friedhof bietet einen hilfreichen Rahmen. Ein solches Gespräch wird sich ganz individuell entfalten, lässt sich aber lenken, wenn man sich vorher Gedanken gemacht hat, welche Inhalte man gerne ansprechen möchte. 
Der folgende fiktive Dialog zwischen Eltern und Kindern soll verdeutlichen, wie ein solches Gespräch ungefähr ablaufen könnte. Die Fragen und Aussagen der Kinder sind kursiv gesetzt, die Antworten der Eltern in gerader Schrift.


So könnte das Gespräch ablaufen:


Warum beten wir eigentlich für die Verstorbenen? Die sind doch tot…!? 

Nur der Körper ist tot. Aber da gibt´s noch die Seele! Sehr richtig, der Mensch besteht aus Leib und Seele. Die Seele ist Geist und unsterblich. Sie verlässt im Augenblick des Todes den Leib. 

Der Leib wird dann begraben. Und was passiert mit der Seele?

Die kommt in den Himmel.

 Gott will alle zu sich in den Himmel holen, aber kommt wirklich jede Seele sofort dorthin? 

Manche kommen bestimmt nicht dahin.

Erst müssen sie ins Fegefeuer.

Also, wir Christen glauben: Nach der Trennung vom Leib erkennt die Seele im Lichte Christi ihren Zustand vor Gott. Sie weiß im selben Moment, dass sie entweder ganz rein oder mit mehr oder weniger Unvollkommenheiten und Sündenschmutz behaftet ist. Wenn letzteres der Fall ist, wünscht sie sich nichts mehr, als von diesen Verschmutzungen gereinigt zu werden. Sonst würde sie sich im Glanz der Herrlichkeit Gottes gar nicht wohlfühlen. Diesen Reinigungsprozess nennt man Fegefeuer. 

 Ist das ein richtiges Feuer? 

 Alle Spuren von Sünde und Schuld sollen dabei weggefegt werden. Man kann sich das vorstellen wie beim Gold: Es muss geschmolzen werden, damit es von allen Steinanteilen oder Spuren anderer Metalle gereinigt (=geläutert) wird. Wie Gold wird die Seele also durchglüht, bis sie ganz „lauter“ (rein) ist. Dann erst ist sie richtig schön für den Himmel, in den nichts Unreines, Unheiliges gelangen kann (siehe Offenbarung 21,27). 

Tut das weh? 

Hast du dir schon einmal ganz fest etwas gewünscht oder großes Heimweh gehabt? Dann kannst du vielleicht nachempfinden, wie brennend die Sehnsucht einer Seele nach ihrer Heimat bei Gott ist, wenn sie einmal gesehen hat, wie schön es dort ist. Und hast Du schon einmal etwas bitter bereut? Viel stärker wird der Reueschmerz über unsere Sünden sein, wenn wir erst einmal die Heiligkeit Gottes erlebt haben. Gut, nach dem Tod kann die Seele also entweder sofort in den Himmel oder ins sogenannte Fegefeuer kommen. Aber es gibt auch noch eine dritte Möglichkeit…? 

Die Hölle? 

So ist es. Was verstehen wir unter Hölle?

Einen Ort, wo Gott nicht ist.  Etwas Furchtbares, wo man leidet. 

Hölle bedeutet, dass man ewig von Gott getrennt ist – eine schreckliche Vorstellung!

Mein Freund hat gesagt, die Hölle gibt´s nicht!  Aber Jesus hat selbst gesagt, dass es sie gibt! 

Das stimmt, und nicht nur einmal, aber dennoch glauben heutzutage viele Menschen nicht, dass es die Möglichkeit ewiger Verwerfung gibt. 

Der liebe Gott ist doch barmherzig. Wie kann er dann Seelen vom Himmel ausschließen? 

Gott möchte allen Seelen Anteil an Seiner Herrlichkeit schenken, aber es geht nur zu Seinen Bedingungen. 

Welche sind das? 

Dass wir an Ihn glauben und Ihn lieben.  Dass wir Gutes tun. Dass wir Seine Gebote erfüllen. 

Wann genau muss denn eine Seele in die Hölle? 

Niemand kann das tatsächlich beurteilen. Das kann nur Gott. Aber die Kirche lehrt, dass nur der damit rechnen muss, der wider besseres Wissen im Unglauben verhaftet bleibt oder in schwerer unbereuter Sünde stirbt. Würde man so jemanden in den Himmel holen, könnte er die lichtvolle Heiligkeit dort gar nicht ertragen. So gesehen schließt er sich durch seine persönliche Entscheidung selbst aus. 

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Und das gilt für immer? 

Ja, das ist dann unumkehrbar. 

Können wir nicht dafür beten, dass sie da herauskommen?

Leider nicht.

Warum beten wir dann für die Verstorbenen?

Nur für die Armen Seelen können wir etwas tun.

Was sind Arme Seelen? 

Das sind die im Fegefeuer.

Warum „Arme Seelen“? 

Weil sie gewissermaßen „arm dran sind“; sie können sich nämlich in ihrer schmerzvollen Sehnsucht nach Gott nicht selbst helfen; um ihr Leiden zu verringern, sind sie ganz auf die Gnade und „fremde Hilfe“ angewiesen. 

 Wie können wir helfen?

 Durch unser Gebet, durch das heilige Messopfer und durch den Arme-Seelen-Ablass zum Beispiel. 


Wir können das Gespräch mit einer kleinen Quizfrage an die Kinder beenden: Wann beginnt Ewiges Leben? A. Im Augenblick des Todes; B. Im Himmel; C. Hier auf Erden. Die richtige Antwort ist: C – schon hier auf Erden! Durch die heilige Taufe tragen wir bereits göttliches, das heißt ewiges Leben in uns. Pflegen wir dieses Leben, wird es Vollendung im Himmel finden. Dort haben wir dann ganz innige Gemeinschaft mit Gott, wo nichts mehr hindert oder trennt. Für diese ewige Freude und Glückseligkeit sind wir geschaffen!


Wichtig: das Gespräch individuell anpassen


So ein Friedhofsgespräch kann sich je nach Interesse und „Background“ der Kinder auch in ganz andere Richtungen entfalten. Mit eigenen Kindern kann man möglicherweise auf Trauerfälle im näheren Umfeld eingehen. Ältere oder schon vorgebildete Jugendliche fragen schon mal nach dem „Ende der Zeiten“ („Jüngstes Gericht“), wo bei der Wiederkunft Christi unser Leib in verklärter Gestalt wieder hergestellt und mit der Seele vereinigt wird. Hier passt dann ein Gespräch über die Ehrfurcht vor dem Leib, auch vor dem toten, so dass der Sinn von Bestattung in geweihter Erde und Grabpflege klarer wird.

Warum wir sterben müssen, kann man anhand der Katechese zum Verlorenen Paradies (siehe „Die Tagespost“ vom 28. April 2022) wiederholen. Weit entfernt davon, empfindliche Gemüter zu ängstigen, ist es durchaus angemessen, ihnen den Ernst der Situation nicht zu verschweigen. Die alte Frage: „Wozu bin ich auf Erden?“ ist nach wie vor aktuell und die Antwort keinem vorzuenthalten, damit man die Lage nicht verkennt. Nach dem Tod gibt es keine Möglichkeit der Entscheidungskorrektur. So wie man lebt und stirbt, so geht es weiter. 
Dennoch soll über allem die freudige Botschaft unserer Berufung zur Ewigkeit stehen. Wenn wir als Gotteskinder leben, können wir furchtlos und voll Zuversicht dem Himmel entgegengehen. Das ist das große Ziel, das vor dem geistigen Auge der Kinder aufleuchten möge, von dem ihr Leben auf der Erde Motivation, Wert und Richtung erhält.

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Grab pflegen und Ablass empfangen

Jemandem „die letzte Ehre erweisen“ ist eins der sieben Werke leiblicher Barmherzigkeit. Für Verstorbene beten ist eines der sieben Werke geistlicher Barmherzigkeit. An beide können wir Kinder heranführen.
Gemeinsam kann sich die Familie ein Grab aussuchen, um das sich offensichtlich niemand mehr kümmert, es säubern, eine geweihte Grabkerze entzünden und für den Toten beten.


Zur Autorin: Angela Richter blickt auf zwanzig Jahre Kinderkatechese und Jugendarbeit in der Katholischen Pfadfinderschaft Europas zurück. Sie ist mehrfache Mutter und Großmutter.

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