Meine Tochter hat in diesem Herbst mit der Erstkommunionvorbereitung begonnen, und vor Beginn des Kurses wurden die Eltern dazu angehalten, sicherzustellen, dass die Kinder das Vaterunser auswendig mitsprechen können. Der Gemeindereferent begründete dies mit der Erfahrung früherer Jahre: „Ein Drittel der Kinder kann das Vaterunser schon, ein Drittel kann es so mehr oder weniger und ein Drittel kann es nicht – und lernt es dann oft auch im Laufe des Kurses nicht mehr.“
Im Grunde ist diese Beobachtung nur ein Indiz für ein tiefer liegendes Problem: Die Kinder bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit zum Erstkommunionkurs – sowohl hinsichtlich ihrer Vorkenntnisse als auch hinsichtlich ihrer Motivation: Sehen sie den Kurs als eine Chance, Christus besser kennen und lieben zu lernen, oder eher als eine lästige Pflicht, die sie „absitzen“, weil ihre Eltern es so wollen? Und warum genau wollen die Eltern es eigentlich? Welche Herausforderung es für die Katecheten bedeutet, einen Erstkommunionkurs so zu gestalten, dass er den Bedürfnissen aller Teilnehmer gerecht wird, ist ein Thema, über das es eine Menge zu sagen gäbe; aber was bedeutet diese Situation eigentlich für Eltern, die in der Erstkommunion nicht nur einen Anlass für eine schöne Familienfeier sehen, sondern Wert darauf legen, dass ihre Kinder eine solide Katechese erhalten?
Erstkommunionunterricht kann fehlendes Glaubenswissen nicht aufarbeiten
Sich selbst als ehrenamtlicher Erstkommunion-Katechet zur Verfügung zu stellen, sofern man sich diese Aufgabe zutraut, kann hilfreich sein und ist oft auch seitens der Hauptamtlichen ausdrücklich erwünscht; man sollte indes nicht erwarten, die Probleme, mit denen erfahrene Katecheten sich seit Jahren herumschlagen, schon dadurch lösen zu können, dass man eine frische Perspektive einbringt. In jedem Fall ratsam ist es, mit dem eigenen Kind das, was es im Erstkommunionkurs lernt, im Gespräch zu reflektieren und zu vertiefen; erscheint das Kursniveau allzu oberflächlich, gibt es Möglichkeiten, in Büchern oder im Internet ergänzende Materialien zu finden und diese als „Hausaufgaben“ gemeinsam mit dem Kind zu bearbeiten. Hierfür kann es sinnvoll sein, sich mit anderen interessierten und motivierten Eltern aus der Gruppe zu vernetzen. Man darf nicht vergessen: Glaube wächst in Gemeinschaft. Zusammen mit gleichaltrigen Kindern den Glauben der Kirche kennenzulernen, kann eine unschätzbar wertvolle Erfahrung sein; das ist, trotz aller angesprochenen Probleme, ein gewichtiges Argument dafür, dass Sakramentenkatechese in Gruppen stattfindet statt individuell.
Wenn Katecheten klagen, sie könnten in ihrem Kurs nicht alles nachholen, was an religiöser Bildung in den Jahren zuvor versäumt wurde, dann zeigt das allerdings auch, dass es ein im Grunde unhaltbarer Zustand ist, wenn die Sakramentenkatechese die einzige Form von Katechese ist, die überhaupt stattfindet. Allzu oft wird dadurch der Erstkommunionunterricht mit Inhalten überladen, die dort gar nicht zwingend hingehören, für die man aber keine andere Möglichkeit sieht, sie den Kindern beizubringen – und das geht zu Lasten dessen, was eigentlich Kerninhalt des Kurses sein sollte: die Vorbereitung auf die Beichte und den Empfang der Eucharistie.
Lösen kann man dieses Problem letztlich nur, indem man die Eltern motiviert und befähigt, selbst die vorrangigen Katecheten ihrer Kinder zu sein und Katechese nicht nur anlassbezogen zu betreiben, sondern fortlaufend in den Familienalltag zu integrieren. Auch hier ließe sich viel durch Eigeninitiative und Vernetzung interessierter Eltern erreichen: Ein Elternkreis, in dem etwa der „Youcat for Kids“ gemeinsam erarbeitet wird, könnte ein erster Schritt sein. Zu wünschen wäre natürlich, dass die Pfarreien solche Initiativen unterstützen – und sei es nur dadurch, dass sie einen Raum dafür zur Verfügung stellen und den Termin ins Pfarrblatt setzen.
Der Autor studierte Theaterwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Er hat zwei kleine Kinder und lebt mit seiner Familie in Berlin.
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