Seit einem halben Jahrhundert rasen fast alle Gesellschaften Europas mit zunehmender Geschwindigkeit in die demografische Sackgasse. Die Warnungen der Experten liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch, doch die Politik setzt ihren Kurs unvermindert fort. Die Bevölkerungspyramide steht auf dem Kopf, aber während der Mangel an Kindern und Jugendlichen zur größten gesellschaftlichen Herausforderung wird, erschweren Politik und Gesellschaft zunehmend echte Familienbildung – finanziell wie atmosphärisch.
Jetzt hat Papst Leo XIV. in einer Ansprache vor europäischen Politikern den Finger in die Wunde gelegt. Der Papst kritisiert „widersprüchliche Behauptungen vermeintlich familienfreundlicher Politiken, die gleichzeitig die Diskriminierung von Müttern fördern, Abtreibung als Recht verherrlichen und den Wunsch nach Familiengründung selbst untergraben“. Emmanuel Macron ist ein Musterbeispiel dafür: Der kinderlose Präsident Frankreichs propagierte zuletzt die „demografische Wiederaufrüstung“, aber kämpft seit Jahren für ein europaweites „Recht auf Abtreibung“. Gegen den Geburtenmangel in Frankreich empfiehlt Macron Frauen zwischen 29 und 37 Jahren, ihre Eizellen kostenlos (also auf Kosten der Steuerzahler) einfrieren zu lassen.
Ein neues Bewusstsein ist gefordert
Solange die Gesellschaften Europas das Wesen der Familie und den Wert des Lebens nicht neu entdecken, bleibt eine demografische Wende undenkbar. Denn niemand zeugt oder gebiert Kinder, damit dem Staat mehr Steuerzahler oder der Wirtschaft mehr Werktätige zur Verfügung stehen – oder weil ein Präsident zur „demografischen Wiederaufrüstung“ trommelt. Solange also die Fundamente der Familie untergraben und ihr Wesen ideologisch zersetzt wird, solange das Leben am Anfang wie am Ende durch eine fortschreitende Aushöhlung des Rechts in Gefahr ist, rasen Staaten und Gesellschaften immer tiefer in die Falle. Und das hat dramatische Auswirkungen für die gesamte Gesellschaft, ihren Wohlstand und ihren Sozialstaat.
Es geht, wie Leo XIV. in seiner Ansprache am Pfingstmontag richtig betonte, „nicht um eine Rückkehr zu Gesellschaftsmodellen der Vergangenheit“, sondern um die Zukunftsfähigkeit Europas. Um zukunftstauglich zu werden, müssen die Europäer die verlogene Selbstverwirklichungsmentalität der Gegenwart überwinden und ein neues Bewusstsein für das Gemeinwohl der künftigen Generationen entdecken. Ganz in der Tradition seiner Vorgänger hat der Papst die Politiker daran erinnert, dass „nur ein frischer Frühling für die Familie die Winterkälte unserer alternden Bevölkerung vertreiben kann“.
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