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Wahrheit in Zeiten der Täuschung

Kinder werden heute sehr früh mit der Maßlosigkeit digitaler Räume konfrontiert. Trauen wir uns, gegen den Strom zu schwimmen!
Mädchen mit Smartphones
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Vielleicht ist in einem gewissen Alter der vollständige Verzicht nicht die schlechteste Lösung.

Wie erzieht man eigentlich zur Wahrheit, wenn die Welt immer mehr „fake“ wird? „Fake“ meint nicht nur falsch, sondern auch verzerrt, uneindeutig und doppelbödig. Überall begegnen uns Botschaften, die Halbwahrheiten enthalten oder offen täuschen. Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Realität auf, in der mehrere Gesichter zur Selbstverständlichkeit geworden sind, sowohl im analogen als auch im digitalen Leben.

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Da kleben künstliche Wimpern auf jungen Gesichtern, werden Haare verlängert und Körper optimiert. Geschichten über die eigene Identität entstehen und werden weitererzählt. Identitäten werden bewusst gestaltet und in Profilen inszeniert. Am Ende verschwimmt die Grenze. Was ist noch Wahrheit und was ist Rolle? Wo ist der Mensch in der ganzen Maskerade?

Im digitalen Raum sind diese Grenzen längst aufgelöst, und im analogen Raum zieht man nach. Wer sich dem entzieht, gilt schnell als Außenseiter. Doch was auf den ersten Blick harmlos wirkt, prägt tief. Eine Welt, in der alles formbar erscheint, verführt dazu, sich selbst zu verlieren. Eine Flut aus Bildern, Meinungen und Informationen überrollt uns, ein menschengemachtes Chaos, das den Orientierungssinn bedroht. „Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktion (…) und die Unterscheidung zwischen wahr und falsch (…) nicht mehr existiert“, seien aber nach Hannah Arendt die idealen Untertanen und damit anfällig für ein schleichendes Abgleiten in den Totalitarismus, erinnert uns Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“.

Es verlangt Mut, Grenzen zu setzen

Für Kinder und Jugendliche ist das besonders gefährlich. Sie müssen erst lernen, die Wahrheit zu erkennen, indem sie unterscheiden, reflektieren und prüfen. Während früher Zeit blieb, das Gewissen wachsen zu lassen, werden sie heute sehr früh mit der Maßlosigkeit digitaler Räume konfrontiert. Das Smartphone wird zum Tor in eine Welt ohne Grenzen. Stimmen dringen aus allen Richtungen auf sie ein, von Menschen und Maschinen. Es wird immer schwerer, reflektiert zu urteilen oder sich eine eigene Meinung zu bilden.

Der Mensch wurde schon immer mit Entwicklungen konfrontiert, die ihn überfordern. Neu ist heute vor allem die Geschwindigkeit und die Allgegenwart. An seinen Grenzen steht der Mensch vor einer Entscheidung. Lässt er sich treiben oder kehrt er um und widersteht?

Kinder können diesen Weg nicht alleine gehen. Sie brauchen Begleitung. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen helfen, Maßstäbe zu entwickeln und verlässlich zu bleiben. Unsere Aufgabe als Eltern ist klar: Wir müssen unsere Kinder zur Wahrheit erziehen. Das beginnt mit Bodenhaftung und mit Wirklichkeitssinn. Es verlangt auch den Mut, Grenzen zu setzen, gerade dort, wo digitale Räume grenzenlos erscheinen. Manchmal bedeutet das, den Kindern das eigene Smartphone vorzuenthalten, zumindest für eine Zeit. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.

Orientierung an Jesus Christus

Der Weg zur Wahrheit führt ins echte Leben. In die Natur, den Sport, das Handwerk, die Musik und in die Begegnung mit anderen Menschen. Dorthin, wo Dinge greifbar sind und wo Worte Verbindlichkeit haben. Kinder brauchen das Sinnliche und das Unmittelbare. Sie brauchen Wirklichkeit.

Sie brauchen aber auch eine Orientierung, die tiefer reicht als Erfahrung. Als Christen glauben wir, dass Wahrheit nicht nur ein Gedanke ist, sondern eine Person. Jesus Christus sagt von sich, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Wer sich an ihm orientiert, findet Maßstäbe, die tragen. Das ist kein leichter Weg, aber ein verlässlicher. Kinder, die lernen, sich an der Wahrheit auszurichten, gewinnen innere Standfestigkeit. Sie lassen sich nicht von jedem Trend mitreißen und entwickeln ein Gespür dafür, was echt ist und was nicht.

Darum: Trauen wir uns, gegen den Strom zu schwimmen und unseren Kindern nicht jede Tür sofort zu öffnen, auch wenn sie uns darum bitten. Und wenn sie die digitale Welt betreten, dann begleiten wir sie aufmerksam. Sprechen wir mit ihnen und prüfen wir gemeinsam. Zeigen wir ihnen, dass es Wahrheit gibt und dass sie trägt.

Die Autoren arbeiten und feiern das Leben mit ihren fünf Kindern im Rhein-Main-Gebiet.

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