Katholisches Leben

Hans-Albert Courtial: Grandseigneur im Dienst des Herrn

Der Reise- und Hotel-Manager Hans-Albert Courtial denkt noch lange nicht ans Aufhören.
Hans-Albert Courtial im Gespräch mit Claudia Kaminski
Foto: k-tv | Hans-Albert Courtial im Gespräch mit der Autorin. Am 15. Oktober um 20:15 Uhr wird dieser „Talk aus Rom“ auf www.k-tv.org ausgestrahlt.

Manche katholischen Lebensläufe lesen sich so, als hätte der liebe Gott sie persönlich geschrieben. Von Wunder zu Wunder. Für das Leben von Hans-Albert Courtial, einem internationalen Kultur- und Reisemanager mit Sitz in Rom und New York, der 1946 im hessischen Dietkirchen zur Welt kam, trifft dies zu. Früh verlor der Junge seinen Vater und da seine Mutter als Lehrerin arbeiten musste, aber gute Kontakte zum dortigen Pfarrer und dessen beiden Schwestern hatte, ergab es sich, dass Courtial quasi im Pfarrhaus groß wurde. Ein Faktum, das sein ganzes Leben prägte – denn die römische Kirche sollte für den Unternehmer zum Leitmotiv seiner Aktivitäten werden.

Deutsch-britische Freundschaft

Dabei schien der Weg zunächst in Richtung England zu weisen. In den 1960er Jahren, kurz nachdem die von Courtial sehr verehrte Königin Elisabeth II. zum ersten Mal Deutschland besucht hatte, organisierte Courtial Veranstaltungen, um die Bande zwischen deutschen und englischen Jugendlichen zu stärken. Zur Belohnung bekam er eine Einladung zur Geburtstagsfeier der Queen in die Redoute nach Bonn-Bad Godesberg. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich das Gespür des angehenden Managers, dass es manchmal auch ein großer Auftritt sein muss: „Mit dem Geld das Mama uns geliehen hat, sind wir dann in einer Limousine vorgefahren.“ Eine Investition, die sich lohnte, denn bei dieser Feier kam der damalige Nuntius Corrado Bafile auf ihn zu und fragte den jungen Mann, wie er denn in seinen jungen Jahren auf dieses diplomatische Parkett käme. Courtials Antwort muss ihn überzeugt haben. Er lud ihn jedenfalls ein, von nun an Begegnungen zwischen deutschen und italienischen Jugendlichen in Rom zu organisieren. Courtial stimmte zu.

Begegnung mit dem Heiligen Vater

Kaum in Rom angekommen, erfuhr er dann, dass der Nuntius Karten für eine Begegnung mit dem Heiligen Vater organisiert hatte. Die Audienz fand damals noch im Petersdom statt, doch Courtial kam bei strömendem Regen zu spät. Ein Schweizer Gardist schob ihn am Portal des Domes kurzerhand nach rechts in die Nische der Pieta von Michelangelo. Als Papst Paul VI. dort vorbeikam, stoppte er die ganze Entourage und Courtial erhielt zu seiner großen Überraschung einen dreifachen päpstlichen Spezialsegen verabreicht. Mit anschließender persönlicher Begegnung mit Seiner Heiligkeit. Courtial blieb Paul VI. bis zu dessen Lebensende eng verbunden. Für Courtial war aber damals endgültig klar: „Rom müssen noch viel mehr Menschen erleben, weil es so viel Kraft gibt für den katholischen Glauben. Ich muss Leute hier runterbringen“

Organisationsstelle für Romreisen

So begann der junge Geschäftsmann Hans-Albert Courtial mit 30 DM, die er sich von seiner Mutter erbeten hatte, seine erste „Organisationsstelle für Romreisen“ anzumelden. Ab 1968 gab es die ersten Jugendreisen nach Rom inklusive Begegnungen mit Papst Paul VI. Ab 1969 kamen immer mehr Reisen hinzu, und da Courtial selbst langjähriger Chor-Sänger war, organisierte er dann auch Chor-Reisen.

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Dann geschah das nächste „Wunder“, wie Courtial in der Rückschau feststellt. Bei einer der Zugreisen mit dem „Italia Express“ ohne Umsteigen lernte er unter den Fahrgästen, die er „runtergebracht“ hatte, ein Ehepaar kennen. Der Mann stellte sich als der Präsident des Werbeamtes der Deutschen Bundesbahn heraus und sagte zu Courtial: „Ich bin evangelisch und meine Frau auch, aber was Sie mir hier vermittelt haben an Glauben, an Gottesdiensten, durch die Begegnung mit dem Papst, die Besichtigungen – das ist so großartig. Sie haben mir ein großes Geschenk gemacht. Was kann ich für Sie tun?“ Courtial wusste es: Werbung. Und so konnte man bald für 199 DM mit dem „Italia Express“ nach Rom fahren, inklusive Vollpension, Stadtrundfahrt und Katholizismus pur. Über 1, 5 Millionen Deutsche brachte der Unternehmer auf diesem Wege nach Rom. Das „Seelenheil“ der Reisenden immer im Blick.

„Öffnet die Pforten für das heilige Jahr“

Doch natürlich muss man als Unternehmer stets offen für neue Herausforderungen sein. Zum Heiligen Jahr 1975 gründete er „Courtial international“ mit einem Büro in dem Gebäude, das den Augustinern gehört und das damals noch Priesterseminar war. Als die Seminaristen in den 1990er Jahren weniger wurden, hatte Courtial die Idee, dort ein Hotel entstehen zu lassen, doch möglich wurde das erst, als 1997 Papst Johannes Paul II. ans Fenster des apostolischen Palastes trat und rief: „Romani, aprite le porte per l´anno santo 2000!“ (Römer, öffnet die Pforten für das heilige Jahr 2000!)

Für Courtial ein weiteres Wunder – endlich bekam er nach einem Gespräch mit dem Generaloberen der Augustiner die Erlaubnis, das nach dem früheren Papst benannte „Paolo VI.“ als Hotel für den Orden zu errichten, das bis heute von vielen Gästen aus der ganzen Welt geschätzt wird. Auch wegen seiner wunderbaren Terrasse.

Wichtig im römischen Kulturleben

Doch das Heilige Jahr 2000 zündete noch einen weiteren Gedanken bei dem kreativen Kopf: 2002 gründete Hans-Albert Courtial die „Fondazione Pro Musica e Arte Sacra“. Hier wirkt er bis heute als Fundraiser und Mittelbeschaffer – Restaurierungen an Sankt Peter aber auch die Musik werden in den Mittelpunkt gestellt – Arte salva Arte. Längst ist die Stiftung aus dem römischen Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Trotz seiner vielen erfolgreichen Projekte, für die Courtial im Laufe der Jahre auch zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat, etwa die Ehrendoktorwürde der Päpstlichen Lateran-Universität oder das Bundesverdienstkreuz am Bande – es gab auch schwierige Zeiten. Wie zum Beispiel die Pandemie, die im Frühjahr 2020 begann. Erst im Frühjahr 2021 konnten langsam wieder Gäste begrüßt werden. Voll aktiv ist das Hotel seit dem Frühjahr 2022.

Die Frage, wie man das bewältigte, beantwortet Courtial klar: „Da muss man richtig Geld reinstecken.“ Den Verlust beziffert er mit 1, 8 Millionen Euro. Getroffen hat dieser vollständige Stillstand aber nicht nur das Paolo VI. oder den Palazzo Cesi, wo Tagungen und Events stattfinden, sondern auch Courtials Agenturen in Amerika und Deutschland. Höchste Priorität hatten für ihn die Angestellten. Auf die Frage, ob er sein Gebet verstärkt habe, bekennt der Unternehmer: „Nicht verstärkt, vertausendfacht. Das Gebet war meine ständige Begleitung.“ Eine Begleitung, zu der aber auch die Erinnerungen an insgesamt fünf Pontifikate gehören, die der Wahlrömer in Rom live erlebt hat. Denn: Courtial stellt seine Arbeit in die Mission der Päpste. So unterschiedlich diese auch sein mögen, der Unternehmer will,dass seine Gäste das Charisma des jeweiligen Pontifex erfassen und weitertragen.

Heiliges Jahr 2025 im Visier

Johannes Paul I. hat vor dem Konklave in dem Haus, das damals „Santa Monica“ hieß, geschlafen. Johannes Paul II. war für Courtial zunächst eine Enttäuschung. Der war ihm einfach zu jung. Doch schon bald änderte er seine Einstellung. Der große Heilige aus Polen zog viele Pilger an. Bei Papst Benedikt XVI. gab es durch den Bruder des Papstes und die Musik bis hin zur Aufführung seiner Komposition in der Sixtinischen Kapelle Berührungspunkte.

Der Rücktritt Benedikts XVI., so Courtial, habe sie alle sehr bewegt: „Wir waren hier auf der Terrasse und haben zum Helikopter hinauf gewunken zum Abschied.“ Bei Papst Franziskus hingegen bedauert er den Umzug in das Gästehaus „Santa Marta“ – denn von der Terrasse des „Paolo VI.“ schaut man direkt auf den Apostolischen Palast, in dem die vorherigen Päpste wohnten, sodass man an der Beleuchtung sehen konnte, ob sie da sind. Der Effekt fällt derzeit weg. Doch was soll‘s: Der agile Unternehmer, der nicht ans Aufhören denkt, hat den nächsten großen Event schon fest im Visier: Das Heilige Jahr 2025.

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