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Poesie verfolgt keine Zwecke 

Umstrittene Initiative der Bundestagsvizepräsidentin. Das Amt einer Parlamentspoetin widerspricht dem Wesen der Kunst. Es entspringt den Träumen einer grünen Romantik.
Internationaler Frauentag - Die Grünen
Foto: Michael Reichel (dpa) | 08.03.2019, Thüringen, Weimar: Katrin Göring-Eckhardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, spricht bei der Veranstaltung «Frauentag 2019: Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit!» in der ...

Wem würde jetzt ein Haiku über die Impflicht nützen? Die Diskussion über eine Parlamentspoetin ist im vollen Gange, und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckhardt von den Grünen hat neuen Stoff dazu geliefert. Sie hat angekündigt, dem Bundestag eine Parlamentspoetin vorzuschlagen. In der Sprache Göring-Eckhardts: „Mit Poesie einen diskursiven Raum zwischen Parlament & lebendiger Sprache öffnen.“  Was wohl heißen wird: Kunst im Schatten der Mächtigen.

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Ein schöner Land

Dabei ist der politische Gesang ja nicht neu. Erst zur Bundestagswahl traten Bündnis90/Die Grünen mit ihrem Lied „Ein schöner Land“ an – ein romantisches Volkslied aus der Zeit von 1840 aus der Feder von Anton Wilhelm von Zuccalmaglio. In Oliver Hischbiegels Film „Der Untergang“ (2004) singen auch Göbbels‘ Kinder das Lied, bevor sie von ihrer Mutter vergiftet werden. Kitsch und Grauen vermischen sich hier im alten Liedgut, und was wäre nun von einer Parlamentspoetin für das Grünen-Milieu zu erwarten, denn darüber hinaus kommt kaum Zuspruch für die Idee.

Grundsätzlich ist aber zu fragen, was von zweckgebundener Kunst zu halten ist. Das Ästhetische zeichnet sich durch interesseloses Wohlgefallen aus im Unterschied zur gegenständlichen Erkenntnis. Politische Dichtung hat aber einen klaren Gegenstand, den sie allenfalls in schöne Worte hüllt, was nicht Poesie ist. Und interesselos frei kann die aus der Bundestagskasse finanzierte Dichtung auch nicht sein.

Ein grüner Traum

Wer hier, wie geschehen, etwa die „Todesfuge“ von Paul Celan ins Feld führt, der irrt. Denn das Gedicht ist aus der Dichtung selbst heraus entstanden, ohne Auftrag, ohne Amt. Und warum muss es überhaupt ein Dichter und nicht ein Denker sein? Die französische Regierung hat sich bereits unter Giscard d’Estaing regelmäßig mit Philosophen getroffen, um die Lage zu besprechen. Dass es gerade in den Vereinigten Staaten, England und Kanada Parlamentspoeten gibt, ist kein Maßstab für den deutschen Bundestag. Die schwarze Dichterin Amanda Gorman träumte bei der Amtseinführung von Joe Biden den „amerikanischen Traum“, einmal Präsidentin zu werden. In Deutschland gründet das Träumen der Grünen in der Romantik.

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