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Carlo Acutis: Wird er der Patron des Internets?

Anfang Oktober wurde „Cyber-Apostel“ Carlo Acutis seliggesprochen. Seine Internetseiten zu Wundern sind noch abrufbar. Er gilt als heißer Kandidat für den Internetpatron.
Carlo Acutis - Wandteppich zur Seligsprechung.
Foto: imago

Im Medienzeitalter ist es nicht erstaunlich, wenn Heilige aktiv und gestaltend mit Medien arbeiten. Papst Johannes Paul II. war der erste Medienpapst. Er wusste genau um deren Bedeutung und ging offensiv damit um. Für das Internet war der Papst aus Polen zu alt. Dennoch hat er dessen Bedeutung verstanden. Der Vatikan hatte sehr früh eine Internetseite. Der erste Heilige, der mit dem „Multimedium Internet“ eng vertraut und darin aktiv vertreten ist, war nur eine Frage der Zeit. Der neue Selige Carlo Acutis hat zu Anfang des Jahrtausends – mit elf Jahren – seine erste Internetseite erstellt. Zum Milleniumswechsel musste man noch programmieren können, wollte man eine Internetseite erstellen. Kenntnisse in „html“, der Muttersprache des Internet, und dezidierte technische Kenntnisse waren unabdingbar. Carlo ist derzeit der einzige Heilige, von dem ein selbstgeschriebener Programmcode überliefert ist.

Ein Blick auf seine Internetseiten zeigt es deutlich, der „hatte es drauf“. Carlo setzte seine technische Begabung ein, um Internetseiten über katholische Glaubensthemen zu erstellen. Er gab damit Zeugnis für den Glauben. Zwei Seiten von Carlo Acutis sind besonders erwähnenswert. Die Seite zu Eucharistischen Wundern und die Seite über Marienerscheinungen. Carlo beschrieb die Eucharistie als seine „Autobahn in den Himmel“. Er besuchte täglich die Heilige Messe und ging oft in die Anbetung. So erstellte er ab seinem 11. Lebensjahr eine Webseite mit Eucharistischen Wundern aus aller Welt.

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Zuviele Menschen sind zu sehr von weltlichen Dingen beansprucht

Seine Sicht auf Wunder war insofern bemerkenswert, als er die Ansicht vertrat, die Menschen suchten förmlich danach, um ihren Glauben zu stärken. Die Webseite zu Marienerscheinungen zitiert den jungen Seligen mit den Worten, dass „viele Menschen nach Zeichen vom Himmel suchen, um ihren eigenen Glauben zu stärken, aber dass es auch viele gibt, die leider nicht einmal danach suchen und wenn sie dennoch zufällig welche entdecken, diese bewusst ignorieren, weil sie zu sehr von den weltlichen Dingen beansprucht werden“.

Um die Eucharistischen Wunder zu dokumentieren, erstellte Carlo in zwei Jahren eine Ausstellung mit 136 solcher Wunder. Die ganze Familie half bei dem Projekt mit. Er hat diese Ausstellung auf einer Internetseite dokumentiert. Es sind große Bildtafeln, die wie Codices aus dem mittelalterlichen Klosterskriptorium wirken. Sie erzählen Geschichten. Die narrative Art der Gestaltung führt dazu, dass man die Botschaft der Tafeln versteht, ohne den Text lesen zu müssen. In gleicher Weise ist die Seite der Marienerscheinungen gestaltet. Es gibt die Möglichkeit zu Downloads, es gibt Grafiken, Videos und virtuelle Karten, die dem Nutzer die Navigation und die Informationsgewinnung erleichtern. Ein Besuch der Seiten lohnt in jedem Fall. Darüber hinaus gibt es noch Seiten zu Hölle/Fegefeuer/Paradies und Engel/Dämonen.

Der Weg zum Patronat kann sehr lange dauern

Carlo Acutis ist ein heißer Kandidat, der Patron des Internet zu werden. Das ist allerdings für Internetverhältnisse ein sehr langatmiger Weg. Zuständig dafür ist die Liturgiekongregation. Auf Bitten der im Internet Aktiven an ihre kirchlichen Oberen und nach einem kirchlichen Verfahren, das in einem Schreiben von 1973 geregelt ist, kann der Papst dann einen Patron ernennen, der in allen Anliegen seines Patroziniums angerufen werden kann. Das kann Jahre dauern.

Damit der „Cyber-Apostel“, wie man Carlo Acutis auch nennt, Patron seines Mediums werden kann, ist noch ein sehr langer Weg erforderlich. Die Internetseiten können noch immer besucht werden. Teilweise sind sie dokumentarisch für das moderne Internet aufbereitet. Die Seite carloacutis.de bietet in deutscher Sprache einen Überblick über das Leben und Wirken des Seligen Carlo Acutis. Dort sind seine eigenen Internetseiten verlinkt.

Video: Seligsprechung von Carlo Acutis

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