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Heiligtümer: Marianische Hoffnungslichter

Manfred Hauke legt eine exzellente Studie über Heiligtümer vor, in denen die Gottesmutter verehrt wird.
Marienheiligtümer
Foto: IMAGO/Daniel Molineros (www.imago-images.de) | Pfarrei und Heiligtum von Quinche, östlich von Quito in Ecuador.

Manfred Hauke, Dogmatiker aus Lugano und Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie, legt in einem hochinteressanten Sammelband die Beiträge der deutschen Sprachsektion des von der Pontificia Academia Mariana Internationalis veranstalteten 25. Internationalen Mariologisch-Marianischen Kongresses vor. Dieser fand im September 2021 statt, Corona-bedingt als Video-Konferenz.

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Der Reiz der hier zu besprechenden Sammlung liegt in ihrer Vielseitigkeit und ihrem Farbenreichtum. Zunächst eröffnet ein grundlegender und lesenswerter Beitrag des Herausgebers über die Gottesmutter in der gegenwärtigen deutschsprachigen Kultur den Reigen der Aufsätze.

Maria in der deutschsprachigen Kultur 

Er lässt nichts außer Acht, beleuchtet die Stellung Mariens in der Musik, geht auf Marienmünzen ein, spricht vom Platz der Mutter Jesu in der darstellenden Kunst und in der Literatur der Moderne, in Film und Rundfunk, kommt auf marianische Verbände und Zeitschriften zu sprechen, auf die Wallfahrtsorte im deutschsprachigen Bereich, und spart auch Maria in den Kämpfen um den „Synodalen Weg“ nicht aus. So leicht wird man einen ähnlich vollständigen Überblick über das Thema nicht finden können. Hauke bietet eine hervorragende Orientierung.

Der folgende, wesentlich kürzere Beitrag von Florian Trenner über Maria speziell in der religiösen Kultur Bayerns geht vor allem in historischer Perspektive auf Kurfürst Maximilian I. (1673-1651) ein, der sich in einem mit seinem eigenen Blut geschriebenen Weihebrief ganz der Mutter Christi anheimstellte und sein Land mit seiner Marienverehrung zutiefst geprägt hat, wovon zumal der bayerische Kirchenbarock Zeugnis gibt.

Marianische Heiligtümervon Aufhausen bis Quito

Danach behandelt eine Reihe von Aufsätzen marianische Heiligtümer des deutschsprachigen Raumes: Aufhausen, Marienfried, Mariazell, Disentis, Köln – St. Maria in der Kupfergasse. Über den deutschen Sprachraum hinaus führen Blicke auf Pontmain und Quito, bekannte Marienheiligtümer in der französischen Bretagne und in Ecuador.

Wenig bewusst dürfte vielen die überragende Bedeutung der Verehrung der Gottesmutter als Immaculata in den Vereinigten Staaten sein, über die Imre von Gaál informiert. Ursula Bleyenberg untersucht die Marienverehrung im Orden der Ursulinen.

Maria im digitalen Zeitalter

Einige andere Beiträge fokussieren Franz Werfels Klassiker „Das Lied von Bernadette“ in anthropologischer Hinsicht, gehen auf das Marienlexikon in Bezug auf die zeitgenössische marianische Kultur ein unter gleichzeitiger Beleuchtung neuer mariologischer Möglichkeiten im digitalen Zeitalter, stellen – ebenfalls in kommunikativer Perspektive – die Möglichkeit der Verbreitung marianischer Botschaft (Lourdes) durch einen Fernsehsender dar, betrachten die Art und Weise, wie Maria im neuen „Gotteslob“ vorkommt und weisen die in den Himmel aufgenommene Gottesmutter als Modell eines neuen Menschen auf, der sich der Versuchung zur Selbstvergötzung entzieht.

Jedem Marienverehrer kann das von Hauke herausgegebene Buch empfohlen werden, auch demjenigen, der bereit ist, bloß ehrlichen Herzens die katholische Kirche in den Lebensäußerungen ihrer Frömmigkeit zu verstehen. Immer wieder wird bei der Lektüre der einzelnen Aufsätze klar, dass die Verehrung der Gottesmutter nichts Verstaubtes ist, sondern dass sie in bleibender Frische einen wichtigen Bestandteil frohen christlichen Bekenntnisses darstellt, das diese Bezeichnung wahrhaft verdient und nicht im Problematisieren zugrunde geht.

Maria als rechte Zielvorgabe für die Menschen

Der Aufblick zu Maria ist die rechte Zielvorgabe für die Menschen unserer Zeit und insofern von brennender Aktualität, worauf nicht zuletzt Wolfgang Koch aufmerksam macht, welcher den Philosophen Hans-Eduard Hengstenberg zitiert: Mariens „Herz ist der Ort, in welchem alle natürlichen und übernatürlichen Werte je und immer richtig geliebt, eingestuft und an Gott gebunden waren. Ihr Herz umfasst alle Dinge und Werte in der richtigen Ordnung, in ihm sind alle nach Seele und Geist umgriffen und erfasst, wie Gott es will zu seiner Ehre“.

Die Chance der marianischen Heiligtümer besteht darin, dass Maria viele Menschen in ganz elementarer Weise anspricht, selbst die an sich zu ziehen vermag, die keine regelmäßigen Kirchenbesucher sind. So kann sie zu einer Wegbereiterin der Mission werden, wenn es gelingt, ihr vollkommenes Menschsein den vielen Suchern unserer Tage als nachzuahmendes Vorbild attraktiv und mitreißend darzustellen.

Morgenröte einer neuen Zeit

In dieser Hinsicht sind die Worte von Monsignore Thomas Vollmer über die Klientel seiner Wallfahrtskirche St. Maria in der Kupfergasse im Herzen Kölns höchst bemerkenswert: Neben tiefgläubigen Katholiken kommen „Menschen, die keine regelmäßigen Gottesdienstbesucher sind, die aber, wenn sie etwas auf dem Herzen haben, Freude oder Leid, das Bedürfnis haben, zur Schwarzen Mutter Gottes zu gehen, um hier eine oder mehrere Kerzen zu entzünden… und ihr Herz auszuschütten und in Ruhe zu verweilen“.

Wenn es einer glaubenstreuen, marianischen Seelsorge unserer Zeit gelingt, diese Menschen ganz zu gewinnen, kann die Gottesmutter einmal mehr zur Morgenröte einer neuen Zeit werden. Dem Sammelwerk kann man nur weite Verbreitung wünschen.


Manfred Hauke (Hg.): Maria und ihre Heiligtümer in der Kultur der Gegenwart. Modelle, Kommunikation, Perspektiven = Mariologische Studien, Bd. 33, Regensburg, 2024, 440 Seiten, EUR 44,–

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