Beatles

Film über die Geschichte der Beatles von Peter Jackson

Regisseur Peter Jackson zeigt in einem mehrstündigen Film die Geschichte der Beatles, ihre Erfolge und wie sie über ihr Ende hinaus miteinander verbunden blieben .
Publicity photo of The Beatles (George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney and John Lennon) at Abbey Road Studios, (1
Foto: IMAGO / Cinema Publishers Collection | Die Beatles George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon treffen sich 1967 in den Abbey Road Studios in London.

Natürlich kann man die 60er Jahre als Jahrzehnt der politischen Tumulte und Morde erzählen, aber es geht auch freundlicher, enthusiastischer, eben wenn man sie als Jahrzehnt der Beatles erzählt, wie es Peter Jackson („Herr der Ringe“) im Aufgalopp zu seiner sechs-Stunden-Dokumentation „Get back“ tut, als Geschichte einer Jugend voller Witz und Lebensfreude. Vor allem als Geschichte einer Freundschaft.

Die geht so: ein paar Halbwüchsige treffen sich Ende der 50er Jahre in der Hafenstadt Liverpool an Englands Westküste, der älteste ist 16, der jüngste 13, sie spielen in einer Skiffle-Group namens „The Quarrymen“ und tauchen 1960 im Hamburger Sexladen „Indra“ auf, später im renommierteren „Star Club“, wo sie sich bereits „The Beatles“ nennen und für ein paar Mark acht Stunden Musik machen, im Schichtbetrieb.

„Das eigentliche Wunder dieses Beatles-Jahrzehnts ist das einer Freundschaft,
und die wollten die Fans nicht zerbrechen sehen“

Vier Freunde in Lederjacken, mit komischen Frisuren.

Zurück an der Merseyside in Liverpool, im „Cavern“-Club, 1961, sind sie schnell der Geheimtipp, der Furore macht. Ihre erste Single heißt „Love me do“.

Ihre erste LP, 1962, „Please, please me“ spielen sie in zwölf Stunden ein, sie schießt an die Spitze der Charts. Es ist ihr Hamburg-Repertoire.

1963 breiten sich erste Hysteriewellen der sogenannten „Beatlemania“ unter den vorwiegend weiblichen Fans aus, pubertierende Mädchen werden aus den Konzerten getragen, was sonst als unterdrückte Sexualität ist der Grund. Sigmund Freud hatte recht. Ach, und drüben in den Staaten wird John F. Kennedy ermordet.

Inspiration für andere Musiker

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1964 schwappt die Beatlemania über den Atlantik, die Beatles belegen mit ihren Singles die ersten fünf Plätze der Charts, sie treten in der Ed Sullivan-Show auf und drehen unter Richard Lesters Regie mit „A hard day's night“ einen unfassbar witzigen, britisch-überdrehten Film über sich selber und die Beatlemania, weitgehend improvisiert in den Dialogen, denn sie sehen nicht nur gut aus, sondern sind intelligent und schlagfertig. Bob Dylan zeigt ihnen, wie man kifft. Der Vietnamkrieg eskaliert.

1965 lassen die Beatles „Help“ folgen, wie beim Film zuvor kommt auch eine gleichnamige LP auf den Markt, um ihn zu erobern. Sie erhalten den Order of British Empire. Paul komponiert „Yesterday“, Arbeitstitel „Scrambled Eggs“. Treffen mit Elvis. Ende des Jahres der Geniestreich „Rubber Soul“, auf der George Harrison, im Song „Norwegian Wood“, zum ersten Mal eine indische Sitar klingen lässt. Die Beach Boys lassen sich durch die Scheibe zu ihrem Meisterwerk „Pet Sounds“ inspirieren.

Der Aufenthalt im Himalaya: ein kreatives Hoch

1966 letzte öffentliche Auftritte der Fab Four auf einer Tournee rund um die Welt, und das bis dahin reifste und schönste Album „Revolver“.

1967 drehen sie ihr erstes Musikvideo, das psychedelische „Strawberry Fields“ und ziehen sich für fünf Monate ins Studio zurück und basteln an „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“, was in den Hippieboutiquen einen Run auf Schafsfelle und Fantasieuniformen auslöst. Später im Jahr überträgt die BBC Lennons Hippiehymne „All you need is love“ vor 400 Millionen Zuschauen weltweit. Sie alle haben mittlerweile LSD probiert, George spricht von einer „Erleuchtung“.

1968 werden Robert Kennedy und Martin Luther King erschossen, Panzer rollen in Prag und die Beatles meditieren mit dem Guru Maharishi in Rishikesh im Himalaya-Gebiet, eine kreative Hochzeit, in sieben Wochen komponieren sie 48 Songs, die sie zum Großteil im doppelten „Weißen Album“ unterbringen.

Rückkehr ins alte Studio

 

Und schon sind wir in Peter Jacksons Doku Anfang 1969. Paul McCartney hatte die Idee, zu einer nächsten Beatles-Platte einen weiteren Film zu drehen, beileibe nicht als Abgesang, sondern als eine eingespielte Gruppe von Freunden bei der kreativen Arbeit. Sie begann in einem Riesenstudio in Twickenham, irgendwo auf dem kahlen Zementboden sitzt ein Hare Krishna Jünger, ein Freund von George, und betet den Segen von Lord Krishna auf die vier Erkorenen herab. Ohne allzu großen Erfolg. Die Kreativ-Party nimmt erst Umdrehungen auf, als sich die Vier entschließen, in ihre Abbey Studios zurückzukehren.

Wichtig bei all dem: Hier wird nichts abgewickelt, sondern vorbereitet. Die Fab Four wollen wieder live auftreten. Die spektakulärsten Ideen schwirren umher. Memphis oder Miami, oder doch nicht vielleicht dieses antike Amphitheater in Libyen. „Man könnte den Fans ein Package anbieten, inklusive Bootstrips an der Küste“, sagt John. „Vier Tage Musik und gemeinsam abhängen, das wäre es“, fantasierte Producer George Martin.

Ständig gab es Auflösungsgerüchte

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Es ging also um spielbare Songs, ohne Doppelspur und Orchesterbegleitung und anderen Schnickschnack, den Anfang bildet Pauls beschwingter Country-Rock „Get back“, aus dem die immer wieder von Auflösungsgerüchten heimgesuchten Fans heraushören wollten, dass die auseinanderstrebenden Jungs zurück zur Gruppe strebten, jede Menge Firlefanz zwischendurch, gut gelaunte Chuck-Berry-Sachen, Johnny B. Good, die Jungs haben Spaß, zurück zu den Anfängen.

Doch jeden Morgen das gleiche Bild, wenn sie eintrudeln; John erscheint mit Yoko, die während der Sessions mit versteinertem Gesicht neben ihm Platz nimmt und nur zwischendurch mal, für eine Aufnahme experimenteller Musik, wimmert und kreischt, die Kameras in diesem engen Studio liegen dicht auf den Gesichtern, schließlich kommt es zur Aussprache, Paul macht den Anfang, die Botschaft an John ist einfach: „Yoko stört“, und Johns Antwort ebenso: „Ihr kriegt mich nur zu zweit.“ So offen, so authentisch, so spannend. Unverkennbar auf diesen Bändern ist, dass Paul hier musikalisch Regie führt, und dass es George ist mit seinem Pragmatismus, der schließlich die Wüstenpläne für den Gig begräbt – zu kompliziert, welcher Araber interessiert sich für Pop?

Streit konnte bei simplen Tempofragen entstehen

Man entschließt sich endlich für den legendären Auftritt auf dem Dach des Apple-Gebäudes in der Saville Road, doch ausgerechnet Paul und George geraten aneinander über eine simple Tempofrage im „Get-back“-Song und George verschwindet und hinterlässt einen Zettel am Apple-Office „Ich verlasse die Beatles, man sieht sich“.

Er kommt wieder, ebenso wie Ringo, der sich kurzfristig ausgeklinkt hat, und dass sie im Herbst nach diesen Aufnahmen tatsächlich noch das Meisterwerk „Abbey Road“ zustande bringen, alle vier auf der Höhe ihrer musikalischen Genialität („Oh Darling“ oder „Mean Mr Mustard“ werden bereits hier angespielt, und Ringo klimpert den Anfang von „Octopus‘s Garden“), grenzt an ein Wunder.

Die Vier sind unzertrennlich

Aber das eigentliche Wunder dieses Beatles-Jahrzehnts ist das einer Freundschaft, und die wollten die Fans nicht zerbrechen sehen. Und sie hielt tatsächlich über das Ende der Gruppe hinaus.

Die Fab Four, unzertrennlich. Die Schlüsselszene dafür findet sich im Film „Help“, als die Vier sehr seriös eine sehr englische Reihenhaus-Siedlung betreten, alle nebeneinander steigen zur ihren Haustüren hoch, treten ein – und finden sich in einem riesigen gemeinsamen Wohnzimmer wieder, wo sie prompt ihre Ohrwürmer spielen „You got to hide your love away“ oder „Another Girl“.

Ach, wie gerne hätte man in dieser erdachten Szene gelebt.


Der Film „The Beatles: Get Back“ hat drei Teile, die 157, 173 und 138 Minuten lang sind. Die Aufnahmen, mit denen Peter Jackson mehr als vier Jahre beschäftigt war, sind jetzt erstmals über Disney+ abrufbar. Das Buch zum Film ist bei Droemer Knaur erschienen.

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