Umstrittene Serie

„Little Demon“: Der Antichrist als Disney-Held

Christen und konservative US-Politiker kritisieren die Cartoon-Serie „Little Demon“ und den Disney-Konzern scharf.
Strittige Serie "Little Demon"
Foto: IMAGO/Marissa Carter (www.imago-images.de) | Kieran Valla, Darcy Fowler und Seth Kirschner, Schöpfer der Serie "Little Demon". In konservativen Kreisen stößt die Serie auf heftigen Widerstand.

In den Vereinigten Staaten schwelt seit Wochen eine Diskussion um die Cartoon-Serie „Little Demon“ („Kleine Teufelin“), die am 25. August beim zu Disney gehörenden Sender FXX startete. 

Hauptfigur in der Serie ist die 13-jährige Chrissy, die zu Beginn mit ihrer Mutter Laura in seine Kleinstadt im Bundesstaat Delaware zieht. Als sie die erste Regel bekommt, entfacht sie ganz außergewöhnliche Kräfte und richtet ein Blutbad an. Ihre Mutter erklärt ihr fast beiläufig, dass sie die Tochter Satans und deshalb der Antichrist sei. Nach 13 Jahren hat auch ihr Vater endlich entdeckt, wo sie ist. Er beansprucht das Sorgerecht für die Tochter.

Popkulturelle Aneignung christlicher Inhalte

Für säkulare Medien spielt offenkundig nur eine untergeordnete Rolle, dass die Serie eine popkulturelle Aneignung christlicher Inhalte darstellt. In „Variety“ nennt LaToya Ferguson „Little Demon“ eine „Geschichte über die Pubertät und das Erwachsenwerden sowie die Anpassung an die Zugehörigkeit zu einer atypischen Familie“. 

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Angie Han schlägt in „The Hollywood Reporter“ in die gleiche Kerbe: „Wir haben alle schon gehört (oder gefühlt), dass die Pubertät die Hölle ist, Sorgerechtsstreitigkeiten Krieg sind, beschissene Ex-Freunde der Teufel sind und Versager-Väter Monster sind; nur sind das hier keine bloßen Metaphern“. Der „übernatürliche Aspekt“ lasse den Machern viel Raum, „um ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen“. Für Ben Travers („IndieWire“) seien Satans Absichten „nicht wirklich böse“, sondern „passen zu einer weiteren ‚Bad Dad’-Erlösungsgesichte, „in der ein selbstsüchtiger, fauler oder anderweitig gefühlloser Vater eine zweite Chance erhält“.

Heftiger Widerstand in konservativen Kreisen

In konservativen Kreisen stößt die Serie jedoch auf heftigen Widerstand. Kritisiert wird, dass es sich angeblich um eine Serie für Erwachsene handelt, die jedoch die Altersfreigabe „G“: „General Audiences“ (Filme für alle Altersgruppen) erhalten habe. Da die Serie aus der Sicht einer 13-Jährigen erzählt, wären erfahrungsgemäß das Zielpublikum eher die 10- bis 13-Jährigen. 

Darauf weist Mike Signorelli, Gründer der „V1 Church“ in New York, in einem auf YouTube ausgestrahlten Interview mit dem aus „christlicher Perspektive“ berichtenden Fernsehsender CBN News hin, und ergänzt: Die Serie setze das Cartoon-Format ein, „das die Kinder lieben“. Signorelli sieht in „Little Demon“ den Versuch, „uns gegenüber dem Dämonischen zu desensibilisieren, dass wir etwas annehmen, das sich eindeutig Gott entgegenstellt.“ In einem weiteren CBN-Interview sagt der bekannte Kritiker Ted Baehr, Geschäftsführer der „Christian Film and Television Commission“: „Wenn die Kinder die Serie entdecken, denken sie, es sei Unterhaltung – ein unglaublicher Haken, um Menschen zum Satanismus zu ködern“. Zum „Haken“ gehört auch die Mitwirkung von bekannten Hollywood-Größen, allen voran Danny DeVito.

Auch andere US-Medien, etwa „International Family News“, die der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gehörende „DeseretNews“ oder „ChurchLeaders“ äußern sich sehr kritisch zu „Little Demon“. Die „American Society for the Defense of Tradition, Family and Property“ hat eine Petition zur Absetzung der Serie initiiert, die bereits von knapp 17.000 Menschen unterschieben wurde.

Diese Kultur ist erschreckend düster und abgestumpft

Besondere Reaktionen rief ein Facebook-Post des republikanischen Abgeordneten Mike Johnson aus Louisiana hervor. Nachdem er einen Trailer gesehen hatte, schrieb er am 6. September: „Die Schauspielerin, die Laura spricht, sagte Johnson einem Interview: ‚Ich finde es toll, dass wir das Heidentum normalisieren. Laura ist eine Heidin. Sie ist eine Hexe. Sie ist geil’. Seien Sie bitte vorsichtig. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, die Herzen und den Verstand unserer Kinder zu schützen. Diese Kultur ist erschreckend düster und abgestumpft geworden, und das ist kein Spiel. Disney und FX haben beschlossen, etwas eindeutig Böses zu vermarkten. Bleiben Sie fern.“ Der Text wurde von mehr als 6,13 Millionen Menschen gesehen. Als Antwort auf einige Kritiken schrieb Johnson später: „Die Redefreiheit ist ein wichtiger Grundsatz, und in diesem Land kann natürlich jeder selbst entscheiden, welche Medien er und seine Familie konsumieren. Aber eine logische Folge davon ist, dass Christen die Freiheit haben, unserer Verpflichtung nachzukommen, ‚von der Liebe geleitet, die Wahrheit [zu] bezeugen’ (Eph 4,15), auch – und manchmal vor allem – wenn das vielleicht nicht populär ist. 

Spätestens seit Roman Polanskis Film „Rosemary’s Baby“ (1968), an den sich die Handlung von „Little Demon“ anlehnt, spielt der Teufel in Filmen eine Rolle. Aber sowohl bei Polanski als auch in William Friedkins „Der Exorzist“ (1973) oder in „Im Auftrag des Teufels“ (Taylor Hackford, 1997) ist der Teufel eine ernstzunehmende Gefahr. In „Little Demons“ wird er auf das Cartoon-Format heruntergebrochen – als Platzhalter für „übernatürliches Zeugs“, das der Fantasie keine Grenzen setzt.

Ob und wann die Serie in Deutschland ausgestrahlt wird, ist zurzeit nicht bekannt.  DT/jg

Lesen Sie weitere Hintergründe zur umstrittenen US-Serie "Little Demon" in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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