Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Nun nehmen die Woken die Sternsinger ins Visier

Ein schwarz bemalter Melchior unter den heiligen drei Königen gibt Schwarze nicht der Lächerlichkeit preis. Von „Blackfacing“ zu sprechen ist historisch-kulturell und theologisch Unsinn.
Heilige drei Könige in Tschechien
Foto: IMAGO/Fojtik Filip (www.imago-images.de) | Die Repräsentation eines schwarzen Königs, der Christus huldigt und Familien einen Segen überbringt, als „Blackfacing“ zu charakterisieren, ist sowohl aus historisch-kulturellen als auch aus theologischen Gründen Unsinn.

Das Dreikönigsfest naht und wie es im Rahmen der Sternsingeraktion Tradition ist, werden auch dieses Jahr wieder Kinder in Verkleidung der heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus ziehen, an den Türen ihren Segen hinterlassen und dabei Spenden für einen wohltätigen Zweck sammeln.

Lesen Sie auch:

Leider ist in unseren Tagen nichts vor dem Furor woker Unkultur sicher, dem alles Brauchtum als zu vertilgendes Überbleibsel einer dunklen und unterdrückerischen Vergangenheit gilt. So sind, wenig überraschend, auch die Sternsinger ins Kreuzfeuer der „Erwachten“ geraten. Sarah Vecera, evangelische Theologin, warnt vor der diskriminierenden Praxis des „Blackfacing“ bei den Sternsingern. Dass nämlich einer der drei Könige als Schwarzer dargestellt und hierzu einem Kind das Gesicht bemalt wird, ist für Vecera ein Problem: „Für schwarze Menschen ist es verletzend, wenn Schwarzsein als Kostüm betrachtet wird und sich weiße Menschen das Gesicht schwarz anmalen“, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Voll Demut gegenüber dem König der Könige: Christus

Die Repräsentation eines schwarzen Königs, der Christus huldigt und Familien einen Segen überbringt, als „Blackfacing“ zu charakterisieren, ist sowohl aus historisch-kulturellen als auch aus theologischen Gründen Unsinn. Historisch und kulturell gesehen bezieht sich „Blackfacing“ nämlich auf die „Minstrel Shows“ im 19. Jahrhundert in den USA. In dieser damals äußerst populären Form des Theaters wurden Schwarze auf nicht gerade schmeichelhafte, mit negativen Klischees beladene Art und Weise durch Weiße dargestellt. 

Der Schwarze unter den heiligen drei Königen steht jedoch in einem ganz anderen Kontext: Hier geht es nicht darum, Schwarze der Lächerlichkeit preiszugeben, ganz im Gegenteil. Jeder der drei Könige, deren biblische Vorbilder die sternenkundigen Weisen aus dem Osten sind, ist von bewundernswerter Dignität und zugleich voll nachahmungswürdiger Demut gegenüber dem König der Könige: Christus.

Damit wären wir beim theologischen Punkt: Die auch an der Hautfarbe augenfällige Verschiedenheit der heiligen drei Könige macht sichtbar, dass ausnahmslos alle Völker eingeladen sind, zum Heiland zu kommen. Wo der woke Zeitgeist „diversity“ predigt, aber in Wahrheit nur destruktive Gleichmacherei vorantreibt, offenbaren die Sternsinger die herrliche Einheit in Vielheit, die wir in Christus finden können.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Ostritsch Bibel Evangelische Kirche Jesus Christus Sternsinger

Weitere Artikel

Josef Bordat legt mit seinem „ABC der Guten Nachricht“ ein beeindruckendes Werk zu den Sonntagsevangelien vor.
12.01.2026, 09 Uhr
Volker Niggewöhner
Die Digitalisierung ist kein rein technischer Vorgang, sondern kulturprägend. Es drängt sich die Frage auf, inwieweit die Digitalisierung Auswirkungen auf die Religion zeitigt.
23.01.2026, 19 Uhr
Werner Thiede

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting