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In existenziellen Fragen braucht es den Menschen

Experten aus Kirche, Politik und Medien diskutieren in Maria Vesperbild über Werte in der Gesellschaft. Dabei geht es auch um die Rolle der künstlichen Intelligenz. Und deren Gefahren aus ethischer Sicht.
Der CSU-Politiker Klaus Holetschek
Foto: IMAGO/Rolf Poss (www.imago-images.de) | Laut dem CSU-Politiker Klaus Holetschek bräuchte es ein Bündnis für Werte, das definieren solle, was die Gesellschaft verbindet.

Im gut gefüllten Saal des Pilgerhauses von Maria Vesperbild hat am Mittwoch eine Podiumsdiskussion mit dem Thema "Für eine werteorientierte Gesellschaft" stattgefunden. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie der Wandel der Werte vor dem Hintergrund der künstlichen Intelligenz (KI) vom Menschen mitgestaltet werden kann und welchen Beitrag Kirche, Politik und Medien dazu leisten.

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Das vom Chefreporter des Bayerischen Rundfunks, Stephan Mayer, moderierte Podium setzte sich aus jeweils einem Vertreter des kirchlichen, journalistischen sowie politischen Bereiches zusammen: Dem Augsburger Weihbischof Anton Losinger, dem Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Peter Müller, sowie Klaus Holetschek, der als Fraktionsvorsitzender der CSU im Bayerischen Landtag die politische Perspektive einbrachte. 

Holetschek: Brauchen Bündnis für Werte

Müller thematisierte in seinem Beitrag die Rolle der KI im Journalismus. Er erklärte, dass diese bereits bei der Augsburger Allgemeinen genutzt werde – unter anderem zur Rechtschreibprüfung, um Überschriften vorzuschlagen oder zum Kürzen von Texten freier Mitarbeiter. Zudem werde KI für die Personalisierung von Inhalten eingesetzt, um Lesern gezielt relevante Inhalte zu präsentieren. Dennoch betonte der Chefredakteur, dass KI besonders im investigativen Bereich kein Ersatz für journalistische Arbeit sei und der Mensch die Kontrolle behalten müsse.

Laut Holetschek bräuchte es ein Bündnis für Werte, das definieren solle, was die Gesellschaft verbindet. Die Rolle der Kirche sei in dieser Debatte unverzichtbar, insbesondere bei der Seelsorge und Sinnstiftung. Zudem stellte er fest, dass die Menschen das Vertrauen in die Politik und in die Institutionen im Allgemeinen verloren haben. Die Bindungskraft der Kirche würde wegfallen, „in Zeiten, wo wir sie dringender denn je brauchen“, so der 60-Jährige. 

Werteorientierte Gesellschaft muss auf festen Strukturen basieren

Bischof Losinger betonte, dass eine werteorientierte Gesellschaft auf festen Strukturen basieren müsse. Besonders hob er den Rechts- und Sozialstaat als zentrale Elemente hervor. Es müsse Verlass darauf sein, „dass jeder Mensch in einer werteorientierten Gesellschaft Rechte hat, die ihm nicht abgesprochen werden können“. Die soziale Marktwirtschaft sichere in Deutschland grundlegende Bedürfnisse ab, doch sei diese heute gefährdet. Zur Arbeit stellte der Bischof fest, dass Beschäftigung auf hohem Niveau gehalten werden müsse, da alle sozialen Sicherungssysteme an den Faktor Arbeit gekoppelt seien. Zudem müsse man sich mit den Herausforderungen von KI auseinandersetzen, die sowohl Chancen als auch Risiken für den Arbeitsmarkt mit sich bringe. 

Zudem warf die Diskussion um KI auch ethische Fragen auf. Der Augsburger Weihbischof stellte klar, dass deren Einsatz dort sinnvoll sei, wo sie entlastend wirke. Etwa im Pflegebereich in Kombination mit Robotik. Doch in existenziellen Fragen, beispielsweise im Krankenhaus oder Hospiz, müsse immer ein Mensch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

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