Ungeschminkt

Haltung üben mit der Fußball-Toleranzmannschaft

Schlechte Angewohnheit: Es hat sich eingebürgert, dass bei den Leibesübungen vermeintlich wichtige politische Zeichen gesetzt werden müssen. Die Fußball-Europameisterschaft ist keine Ausnahme.
Sommerolympiade, Siegerehrung Weitsprung
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-G00630 / Hoffmann / CC-BY-SA 3.0 | Die Erfahrung aus der Geschichte - hier Olympia 1936, Jesse Owens dominiert die Leichtathletik - hat gelehrt, dass Politik oder Ideologien schon oft den Sport instrumentalisiert haben.

Aktuell finden unter dem Titel „Pride-Month“ die alljährlichen, weltweiten LGBTIQ-Festivitäten statt. Praktisch bedeutet es, dass sich endlose vier Wochen lang Aktivisten, Politiker und Unternehmen in allen Lebenslagen und vor allem medial in Regenbogenfarben wickeln, um sich diesem Stolz, nicht heterosexuell zu sein, anzuschließen, oder um es zumindest um Beifall heischend anzutäuschen. Rathäuser werden mit Regenbogenfähnchen geflaggt, als Vorgeschmack auf eine Bundesregierung mit grünem Touch. Digitale Profilbilder in den sozialen Netzwerken markiert und Firmenlogos umgestaltet. Das macht es leicht auszusortieren, wen man nicht wählen und was man nicht mehr kaufen will.

„So hat sich eingebürgert,
dass bei den Leibesübungen
wichtige politische Zeichen gesetzt werden müssen.

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Heute Morgen erreichte mich durch die unermüdlich stolze Berichterstattung des ARD Morgenmagazins bereits beim Aufwachen im Hotelzimmer die wichtige Nachricht, dass sich mit Carl Nassib das erste Mal auch ein Profifootballer der NFL Liga in den USA als schwul geoutet hat. Toll, das ist mir doch die nächste Überweisung der GEZ-Gebühren wert.

Dass sich der stolze Monat der Schwulen, Lesben, Transsexuellen und sonstig sexuell sehr vielfältigen Menschen gerade zeitlich mit der Fußball-Europameisterschaft überschneidet, ist wohl bei der deutschen Nationalmannschaft als göttliches Zeichen verstanden worden und so musste die UEFA dieser Tage bereits gegen Torwart Manuel Neuer ermitteln, weil er statt der Kapitäns-, eine Regenbogenfahnenbinde trug als Zeichen für Vielfalt und Toleranz. Längst reicht es doch nicht als Fußballer, einfach Fußball zu spielen, man muss dies selbstredend mit der richtigen Haltung tun.

Politik hat im Stadion nichts verloren

Und so hat sich eingebürgert, dass bei den Leibesübungen wichtige politische Zeichen gesetzt werden müssen. Weltweit fallen neuerdings Sportler beim Erklingen ihrer Nationalhymnen nicht etwa in inbrünstigen Gesang, sondern auf die Knie als Huldigung der Black Life Matters Bewegung, um für die Erbschuld des weißen Mannes gegenüber den „People of Color“ Buße zu tun. Fußball gegen Rassismus kennen wir also schon, gegen rechts und gegen Antisemitismus, jetzt also auch gegen Homophobie und für LGBT Rechte. Dumm nur, dass die UEFA vorschreibt, dass es gar keine politischen Botschaften im Stadion geben soll, und so spielt die deutsche Toleranzmannschaft nicht wie von eifrigen Pride-Aktivisten und Lokalpolitikern gefordert in einer regenbogenfarben erleuchteten Allianzarena in München gegen Ungarn, obwohl man doch hier so gratismutig gegen deren Präsidenten Viktor Orbán und seine restriktive Gender-Politik ein Zeichen setzen wollte.

Vielleicht könnte man ja zum Ausgleich wenigstens die Nationalhymne in gendergerechter Sprache vortragen, um kein Geschlecht zu diskriminieren? „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Land der Väter und gebärenden Personen (Transrechte nicht vergessen, ganz wichtig!) und das ganze brüder- und schwesterlich mit Herz und ohne Hand, denn das ist ja Foulspiel. Oder endlich ein paar Transmänner in den Kader aufnehmen? Dann wird es auch in der Kabine beim Umziehen viel bunter. Und warum nur Orbán mit politischer Belehrung beglücken? Die Fußball-WM in Katar wäre doch eine großartige Gelegenheit, die Herren Muslime auch mit der frohen Botschaft des LGBT-Evangeliums zu beglücken.

Viele „unheimlich wichtige Anliegen“

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Nun weiß ich ja nicht, warum andere sich Sportveranstaltungen oder gar die Fußball-EM ansehen. Meine Taxifahrerin heute in Österreich schaut die deutschen Spiele beispielsweise nur deswegen, weil sie findet, wir hätten mit dem Jogi den „feschesten“ Trainer von allen. Das kann man wohl als nicht repräsentative Motivation betrachten. Handball gegen Antisemitismus. Schwimmen für den Frieden und Tischtennis für das Klima sind sicher unheimlich wichtige Anliegen, interessieren bloß keinen Sportfan, der will Ergebnisse und Tore!

Aber Vorschlag zur Güte, wenn schon Politik im Stadion, dann mit thematischer Vielfalt. Wie wäre es mit Kicken gegen linke Gewalt? Oder im Sommer Olympische Spiele gegen Abtreibung? Angesichts von paralympischen Spielen wollen doch sicher alle ein weltweites Zeichen gegen die Diskriminierung von Kindern mit Behinderungen setzen?

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