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Die Ordnung des Seins

Der Philosoph Bernhard Lakebrink verteidigte das überzeitlich Wahre gegenüber einer subjektivistischen Theologie.
Philosoph Lakebrink verteidigte das überzeitlich Wahre gegenüber einer subjektivistischen Theologie

Der Philosoph Bernhard Lakebrink (1904-1991) hat wie viele seiner Kollegen mit zeitgenössischen Positionen gekämpft. Lakebrink war 1934 unter anderem an einer Schrift gegen Alfred Rosenbergs „Mythus des XX. Jahrhunderts“ beteiligt, die auf Anregung des Kölner Domvikars Josef Teusch und des Bonner Kirchenhistoriker Wilhelm Neuß entstanden war. Auch wenn die Schrift nur allgemein unter „deutsche Fachgelehrte“ herausgegeben war, konnte Lakebrink bloß im Lehramt an Gymnasien die Zeit des Nationalsozialismus überbrücken. 

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Thomas und Hegel 

In dieser Zeit begannen seine Vorarbeiten für sein künftiges Werk. Damit trat er dann bereits 1946 in zwei Schriften mit entschiedener Positionierung gegen das von Nominalismus, Idealismus und Existenzialismus geprägte neuzeitliche Denken an, wobei Thomas von Aquin und Hegel eine entscheidende Rolle spielten. Besonders in seinem 1955 erschienenen Hauptwerk „Hegels dialektische Ontologie und die Thomistische Analektik“. Analektisches Denken zielt auf das ordnungshafte des Seins. Es weiß, dass Denken und Sein nicht identisch sind und dass es zwischen Sein und Nichts keine Vermittlung gibt.

Nicht objektiv

Das Hauptwerk von Hegel, „Die Wissenschaft der Logik“, hingegen beginnt mit der Gleichsetzung von Sein und Nichts oder mit dem Sein und dem Nicht des Seins, dem Denken, wodurch sich eine permanente Dynamik ergibt, die sich in der Einheit von Denken und Sein vollzieht. Die Analektik steht für Lakebrink für christliche Seinsfreude, bei Hegel sieht er eine „Auszehrung der gegenständlichen Weltwirklichkeit“. Der Existenzialismus der 20. Jahrhunderts ist dann für Lakebrink Anzeichen einer ins subjektive Abgleiten der Theologie. So schreibt er 1986 in seiner kämpferischen Schrift „Die Wahrheit in Bedrängnis“: „Es ist ein Krankheitszeichen des modernen Denkens, dass es nicht objektiv und sachgerecht sein will, sondern aus der radikalen Subjektivität und Innerlichkeit aufsteigt.“

Vier Jahre vor seinem Tod wurde Lakebrink als Mitglied in die Päpstliche Römische Akademie des heiligen Thomas von Aquin aufgenommen. DT/ari

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost ein Porträt des Philosophen Bernhard Lakebrink.

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