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Britische Großloge wieder in Gemeinschaft mit italienischen Freimaurern

Die britische Freimaurer-Großloge erkennt die italienischen Freimaurer formell an. Damit versöhnen sich die Logen nach 30 Jahren des Banns.
Der Hauptsitz der britischen Freimaurer-Großloge in London.
Foto: Chris Harris via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Hauptsitz der britischen Freimaurer-Großloge in London.

Nach 30 Jahren formaler Trennung hat die Freimaurer-Großloge des Vereinigten Königreichs erneut Verbindungen mit den italienischen Freimaurern aufgenommen. Die Trennung von dem auf Guiseppe Garibaldi zurückgehenden sogenannten Großen Orient erfolgte aufgrund der nachweislich engen Verbindung der italienischen Freimaurer zur Mafia, die die diskreten Logenhäuser nutzte, um ihre informellen Verbindungen zu italienischen Politszene zu pflegen, bei denen sie ihnen Wählerstimmen im Gegenzug zu Handlungsfreiräumen anboten.

Logen innerhalb der Logen

Mitunter existierten sogar ohne Wissen der jeweiligen Mitglieder Logen innerhalb der Logen, die für derartige Netzwerkarbeit genutzt wurden. Die Trennung wurde vollzogen, nachdem Giuliani Di Bernardo, der damalige Großmeister 1993 als Whistleblower nach London gereist war und die dortigen Brüder detailliert über die Verhältnisse in den italienischen Logen informiert hatte.

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In der Folge gründete Di Bernardo, eine neue sogenannte reguläre Großloge von Italien, die von den Englischen Freimaurern umgehend anerkannt wurde und bis heute existiert. Er ist einer der schärfsten Kritiker der Wiederanerkennung des Großen Orients in seiner italienischen Heimat. Die derzeitige Situation innerhalb der italienischen Freimaurer Schaft bezeichnet er als Dschungel. Neugründungen, die Rituale adaptieren – derzeit gibt es 150 irreguläre Großlogen in Italien –, nach wie vor undurchsichtige Verflechtungen des Großen Orients mit der Mafia und klare Hinweise auf offene Kooperation lassen die Haltung der englischen Großloge aus Sicht Di Bernardos als nicht nachvollziehbar erscheinen.

Der jüngste Vorfall betrifft das führende Cosa-Nostra-Mitglied Matteo Messina Denaro, der lange flüchtig gewesen und, so der Verdacht, von einem sizilianischen Freimaurer versteckt und im Januar verhaftet worden war. Die englische Großloge will die italienischen Freimaurer am Mittwoch dennoch wieder in die volle Gemeinschaft aufnehmen.  DT/bst

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