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Woelki: Neue Gemeinsamkeit als Gesellschaft durch Corona

Inmitten der derzeitigen praktischen Not, aber auch der geistigen Notlage, werde deutlich, dass alle gegenseitig aufeinander angewiesen seien, so Kardinal Woelki. Die Seelsorge müsse in dieser Zeit gewohnte Routinen überdenken.
Kardinal Woelki zu Corona
Foto: Arne Dedert (dpa) | „Die Hölle, das sind also nicht die anderen, sondern dieser gefühlte Stillstand", stellt Woelki in Anlehnung an einen berühmten Satz des französischen Philosophen und Schriftstellers Jean-Paul Sartre fest.

Für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki fordert die derzeitige Coronavirus-Pandemie einen Beweis, „dass wir als Gesellschaft zu einer neuen Gemeinsamkeit bereit sind; zu einem neuen Denken mit offenem Herzen und dem Blick für den Nächsten“. In einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ schreibt Woelki, Covid-19 lasse wieder spüren, dass Menschen soziale Wesen seien. „Weil jeder von uns den anderen braucht und der andere uns braucht. Das wird uns in diesen Tagen deutlich vor Augen geführt.“

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Mit der eigenen Existenz auseinandersetzen

Der Kölner Erzbischof konstatiert zum einen eine ganz praktische Not vieler Menschen. „Arbeitnehmer geraten in wirtschaftliche Bedrängnis, man spürt die Einsamkeit aufgrund des Kontaktverbotes, die Zahl der Gewalterfahrungen während der Isolation steigt.“ Ebenso drängend sei aber auch die innere, geistige Notlage: Diese komme in der Frage nach dem Warum der Krise zum Ausdruck, sowie in der Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz.

Man vermisse in diesen Tagen jedoch auch vermehrt das, was Leben und Lebendigkeit ausmache: „Dynamik, Veränderung, Bewegung – nicht nur im körperlichen Sinn“. Als Beispiel nennt Woelki die Begegnungen im Alltag mit anderen Menschen, das „Grundrauschen der Stadt“ oder auch den Austausch und kleine Interaktionen, „sei es nur an der Supermarktkasse“. In Anlehnung an einen berühmten Satz des französischen Philosophen und Schriftstellers Jean-Paul Sartre stellt der Kardinal fest: „Die Hölle, das sind also nicht die anderen, sondern dieser gefühlte Stillstand.“

Digitale Evangelisierung im 21. Jahrhundert an der Zeit

Für die Seelsorge sei die derzeitige Situation ein Anstoß, gewohnte Routinen zu überdenken und gegebenenfalls zu verlassen. Ein digitaler Gottesdienst könne die echte Begegnung untereinander und mit Gott in einer Messfeier zwar nicht ersetzen. „Aber die Gläubigen zusätzlich auch digital zu evangelisieren, neue Gruppen zu erreichen und an einer Gemeinschaft von Gläubigen im Netz zu arbeiten, ist im 21. Jahrhundert schlicht an der Zeit“, so Woelki.

DT/mlu

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