Würzburg

„Weil Gott dadurch seine Mutter ehren will“

Vor seinem Tod hat Jesus seiner Mutter die Menschheit anvertraut und sie den Menschen zur Mutter gegeben. Doch wer ist Maria? Warum verehren sie die Katholiken?
Marienfigur im Wallfahrtsort Werl
Foto: Oliver Berg (dpa) | Weil Maria so verbunden war mit Jesus und ihn so gut kennt, kann gerade sie die Menschen schnell und sicher zum Herzen Jesu führen. Im Bild: Eine Marienfigur in der Wallfahrtskirche im nordrhein-westfälischen Werl.
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Eine junge Frau aus der Stadt Nazareth bringt Jesus zur Welt. Als Randfigur in der Bibel wird sie als demütig bezeichnet, nennt sich Magd des Herrn und taucht nur gelegentlich auf. Oberflächlich betrachtet hat sie nichts Besonderes getan. Aber aus ihrem Fiat ist die Kirche entstanden. Durch ihr „Ja“ konnte Jesus dem Menschen wieder den Weg in den Himmel öffnen. Und ausgerechnet diese unscheinbare Frau ist zur Königin des Himmels und der Erde erhoben worden. Sie ist Mutter der Kirche und Königin.

Als Mutter der Kirche verehrt

Den Titel „Mutter der Kirche“ findet man nicht erst beim Kirchenvater Ambrosius. In einigen Teilen der Welt wurde Maria schon viele Jahre als Mutter der Kirche verehrt. So auch in Rom. Offiziell rief Papst Paul VI. 1964 diesen Marientitel aus. Zuletzt hat Papst Franziskus am 11. Februar 2017 für den Montag nach Pfingsten den neuen gebotenen (beweglichen) Gedenktag „Maria, Mutter der Kirche“ eingeführt.

Dass der Gedenktag ausgerechnet an Pfingstmontag begangen werden soll, betont die geistliche Mutterschaft Mariens. Sie war es, die die Jünger um sich versammelte, um nach dem Tod Jesu zu beten und auf das Kommen des Heiligen Geistes zu warten. Die von Gott gestiftete Kirche hat mit Maria begonnen.
Sie hat eine einzigartige Beziehung zu Jesus und eine einzigartige Kenntnis vom ihm. Sie ist es, die Gott selbst geboren hat, wie das Konzil von Ephesus 431 nach Christus offiziell zum Dogma erklärte. Maria hat ihre besondere Stellung vom Schöpfer selbst erhalten. Die katholische Kirche ehrt sie mit über 30 Mariengedenk- und Feiertagen sowie unzähligen Titeln. Weltweit bitten Jung und Alt um ihre Fürsprache, singen Marienlieder, beten den Rosenkranz, danken für erhörte Gebete, wie unzählige Votivtafeln an Wänden von Wallfahrtskirchen bezeugen. „Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht“, sagte der heilige Alfons Maria von Liguori. „Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott, sondern weil Gott dadurch seine Mutter ehren will.“

Mittlerin zwischen Jesus und dem Menschen

Darum ist es nicht verwerflich, dass sich unzählige Christen Maria anvertraut haben und sich ihr auch heute anvertrauen - und durch sie Jesus. Sie ist gewissermaßen eine Mittlerin zwischen Jesus und dem Menschen. Sie macht sich als Mutter der Kirche die Anliegen der Menschen, ihrer Kinder, zu eigen und trägt sie Jesus vor. Sie spornt den Menschen aber auch zu Gebet an. In vielen Teilen der Welt ist die Muttergottes erschienen, um zu sagen „Betet, betet, betet“, damit Kriege verhindert werden und Menschen sich bekehren. Marias Aufgabe ist es, den Menschen in den Himmel zu führen. „Wie Seeleute von einem Stern in den sicheren Hafen geführt werden, so die Christen von Maria in den Himmel“, formulierte es der heilige Thomas von Aquin.

Maria hat echtes Interesse an den Menschen. Wo Menschen sich Maria anvertrauen, geschehen Heilungen, Bekehrungen, Versöhnung. (Tiefer) Glaube beginnt mit Maria. Das bezeugen viele Heilige, aber auch viele Christen dieser Zeit.

Der heilige Ignatius von Loyola besiegelte seine Bekehrung mit einer Wallfahrt nach Spanien. Er tauschte seinen Dolch gegen Maria ein, der er sich weihte. Johannes Paul II. hatte als Wahlspruch das „Totus Tuus“ (Ganz Dein). Und für den heiligen Maximilian Kolbe stand fest, dass „alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind“.

Maria kann die Kirche durch die Krise begleiten

Heilige haben Maria ihre Ordensgründungen anvertraut, sich von ihr führen lassen, damit das Leben als Christen gelingt, es echt und tief wird. Darum scheint es logisch, zu denken, dass Maria auch heute die Kirche durch die Krise begleiten und ihr helfen kann, den Schatz der Kirche neu zu entdecken. Wenn die katholische Kirche zu glauben beginnt, Maria nicht zu brauchen, bröckelt der Katholizismus. Maria und Jesus gehören zusammen; Maria hat Jesus geboren, ohne sie wäre Jesus nicht.

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Weil Maria so verbunden war mit Jesus und ihn so gut kennt, kann gerade sie die Menschen schnell und sicher zum Herzen Jesu führen. Und genau das braucht die katholische Kirche dringend: eine echte Beziehung zu Christus und eine tiefe Erfahrung seiner göttlichen Liebe. Deswegen wäre es gerade in der Krisenzeit nicht nur wichtig, sondern geradezu essentiell, die katholische Kirche in Deutschland und den Synodalen Weg der Muttergottes anzuvertrauen.
Ihre Begeisterung für Jesus wird die Begeisterung der Kirche sein. Ihre Treue, ihre große Liebe und Zugehörigkeit zu Christus, ihr Horchen-können auf Gottes Stimme, ihre Verbundenheit mit dem Heiligen Geist – all das wird sie die Christen lehren. Die Kirche wird wachsen, wenn Christen wieder glauben und Gott erleben.

Reformen, Strukturen, Bräuche sind nicht ansteckend, wenn die Beziehung zu Jesus fehlt. Dem Mainstream anzuhängen, schafft Fans für den Mainstream, aber keine Begeisterung für den Glauben, geschweige denn für Jesus. Aber ohne Begeisterung gibt es keine Kirche. Kirche ist, den Fußstapfen Jesu folgen, Jesus nahe sein, ihn wirklich treffen in den Sakramenten und im Gebet. Maria hat das alles vorgelebt. Die Kirche hat mit Maria begonnen und darf mit ihr weitergehen. Sie ist die Mutter der Kirche. Man kann ihr vertrauen.

Die Autorin engagiert sich im Leitungsteam von Maria 1.0

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