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Sternberg über Kirchenaustrittszahlen überrascht

Der ZdK-Präsident hat mit deutlich mehr Kirchenaustritten gerechnet, als die Statistiken für 2020 ergeben. Dennoch beunruhigen ihn einige Entwicklungen. Den Synodalen Weg sieht er nicht gefährdet.
Thomas Sternberg warnt vor zu hohen Erwartungen
Foto: Marius Becker (dpa) | Mit Blick auf den innerkirchlichen Reformprozess des Synodalen Wegs warnt Sternberg vor zu hohen Erwartungen.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat überrascht auf die Statistik zu den Kirchenaustritten für das Jahr 2020 reagiert. „Die gesunkenen Austrittszahlen haben mich überrascht.“ Er habe nach der Kritik an der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln mit „deutlich mehr Kirchenaustritten“ gerechnet, erklärte Sternberg gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Austritte gehen um 18 Prozent zurück

Laut der Statistik für das vergangene Jahr, die die katholische und die evangelische Kirche am Mittwoch veröffentlichten, traten 2020 221.390 Menschen aus der katholischen und rund 220.000 aus der evangelischen Kirche aus. Verglichen mit dem Jahr 2019 entspricht dies einem Rückgang von rund 18 Prozent. 

Beunruhigend sei nach Ansicht Sternbergs, „dass derzeit so viele Menschen aus der Mitte der Kirche austreten“. Der ZdK-Präsident erklärt sich dieses Phänomen damit, dass sie tief enttäuscht von der Kirche seien – und verärgert über ausgebliebene Reformen. „Misstöne aus Rom haben diese Verärgerung und Wut auf die Kirche immer weiter gesteigert“, so Sternberg laut RND.

Mit Blick auf den innerkirchlichen Reformprozess des Synodalen Wegs warnte Sternberg vor zu hohen Erwartungen. Ein Scheitern befürchtet er aber nicht. Nach bestehendem Kirchenrecht könnten die deutschen Bischöfe viele Beschlüsse umsetzen. Dennoch werde man „einen Kompromiss zwischen den Reformen in Deutschland und der Einheit der Kirche finden müssen“. Viele Themen, so der ZdK-Präsident, seien nur auf weltkirchlicher Ebene zu lösen. Wenn die großen Konfliktthemen offen benannt und diskutiert würden, hätte dies jedoch auch „eine Signalwirkung für Rom“. 

Rückgänge bei den Kirchensteuer-Einnahmen

Den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zufolge verzeichneten sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche 2020 Rückgänge bei den Kirchensteuereinnahmen. Die katholische Kirche erhielt demnach 6,45 Milliarden Euro, während es 2019 noch 6,76 Milliarden waren. Die Einnahmen der evangelischen Kirche sanken auf 5,63 Milliarden. 2019 waren es noch 5,95 Milliarden gewesen. Der Rückgang an Kirchensteuern, so Sternberg, werde die Kirchen bald „sehr schwer treffen“.

Darüber hinaus plädierte der ZdK-Vorsitzende für einen Kulturwandel in den Pfarrgemeinden, um der sinkenden Anzahl von Pfarrern zu begegnen: „Wir dürfen nicht jedes Mal fragen, erlaubt das der Pfarrer oder Bischof, sondern wir müssen selbst handeln.“ Angesichts der Tatsache, dass immer weniger Eltern ihre Kinder taufen ließen, beklagte er zudem eine fehlende „religiöse Sozialisation“ der Kinder. „Ganze Generationen brechen uns in der Kirche weg“.  DT/mlu

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