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Römischer Aktivismus

Das „Laudato si"-Jahr geht zu Ende. Kaum einer hat gemerkt, dass es überhaupt stattgefunden hat. Themenjahre sind nicht prägend.
Kardinal Peter Turkson
Foto: Alessandro Di Meo (ANSA) | Das von Kardinal Peter Turkson geleitete Dikasterium für die umfassende Entwicklung des Menschen war im Vatikan federführend in der Durchführung des Laudato- si - Jahres.

Es klingt so aus, wie es begonnen hat: Mitte Mai vergangenen Jahres hatte Papst Franziskus eine „Laudato si’“-Woche, die seiner fünf Jahre zuvor erschienenen Schöpfungs-Enzyklika gewidmet war, auf ein ganzes Jahr ausgeweitet. Jetzt zu Pfingsten soll es nun enden, mit einem „Laudato si’“-Triduum. Am Samstag sollen „Gesänge zur Schöpfung“ zu hören sein – wo, das weiß man nicht. Beim Gebet des „Angelus“ will Franziskus das Jahr ansprechen, das dazu sensibilisieren sollte, „den Schrei der Erde und der Armen zu hören“. Am Pfingstmontag ist dann endgültig Schluss, ein irgendwo staatfindendes Podium soll „den Zugang zu Wasser und hygienischen Diensten“ thematisieren. Mit anderen Worten: Das „Laudato si’“-Jahr schleicht sich aus dem Leben der Kirche heraus, wie es sich vor einem Jahr hineingeschlichen hat. 

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Das von Kardinal Peter Turkson geleitete Dikasterium für die umfassende Entwicklung des Menschen war im Vatikan federführend, in Zusammenarbeit etwa mit einem „Global Catholic Climate Movement“, dem katholischen Ableger der Greta Thunberg-Bewegung, der „Caritas Internationalis“ oder dem Jesuitenorden. Da mag das eine oder andere stattgefunden haben, manche Telefonate, E-mails und Video-Konferenzen hat es sicher auch gegeben. Aber wenn man das Schöpfungs-Jahr etwa mit dem „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ von 2015 bis 2016 vergleicht, dann war es ein völliger Null-Event.

Corona saugte alle Energien ab

Zu sehr haben die Corona-Epidemie und deren Folgen von dieser Initiative des Papstes abgelenkt. Es war gut gemeint, diente es doch einem guten Zweck. Es ging darum, hieß es vor einem Jahr in einem Brief des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, die Gläubigen aller Konfessionen dazu zu ermutigen, „ihre Bemühungen in Richtung neuer Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie zu beschleunigen, indem sie Aktivitäten zu Ehren der Zeit der Schöpfung planen“. Explizit kirchliche, geschweige denn christologische oder gar katholische Dimensionen hatte das „Laudato si’“-Jahr zwar nicht. Aber dass ökologische Fragen durchaus im Horizont christlicher Weltverantwortung liegen, hatte ja schon die Amazonas-Synode deutlich vor Augen geführt. Wenn jedoch dann eine Epidemie Präsenz-Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen in Frage stellt, dann ist einem das Hemd näher als die Jacke, dann ist die religiöse Grundversorgung wichtiger als das Abschmelzen der Gletscher am Nordpol.

Themenjahre prägen das Leben nicht

Franziskus hat das „Laudato si’“-Jahr angestoßen, wie er auch die beiden anderen Gedenkjahre auf die Schiene gesetzt hat: Das besondere Jahr des heiligen Josef kündigte er am vergangenen 8. Dezember an, dann ist er so gut wie nicht mehr darauf zurückgekommen. Das „Amoris laetitia“-Jahr läuft ähnlich. Der Papst überlässt einzelne Initiativen örtlichen Gruppierungen, Universitäten und Bildungshäusern, in Rom führt das Dikasterium für Familie, Laien und das Leben ein wenig Regie. Zumindest gibt es Aussichten, dass sein Abschluss mit dem Welt-Familientreffen im Juni 2022 in Rom einen regelrechten feierlichen Abschluss finden wird. Nur ist es dem Gläubigen fremd, sich anhand von Themen-Jahren durch sein Leben als gläubiger Christ zu hangeln. Das Kirchenjahr mit seinen schönen Festen genügt da eigentlich. Und dann hin und wieder ein Heiliges Jahr. Noch redet keiner davon: Aber 2025 steht das nächste Heilige Jahr auf dem Programm. Bleibt zu hoffen, dass man dann vor lauter Schöpfungs-, Familien- und Josefs-Jahren noch genügend Energien hat, sich wieder auf etwas Außergewöhnliches einzulassen.

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