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Müller übt scharfe Kritik an seinem Nachfolger

In einem Offenen Brief kritisiert Kardinal Gerhard Müller die jüngsten Aussagen des neuen Glaubenspräfekten Fernández. Sie würden mit der Lehre der Kirche brechen.
Kardinal Gerhard Ludwig Müller kritisiert die jüngsten Aussagen des neuen Glaubenspräfekten Fernández.
Foto: Paul Haring (KNA) | Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, widerspricht Aussagen des Dikasteriums in Bezug auf die Zulassung zu den Sakramenten für geschiedenen Wiederverheiratete.

Der frühere Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat einem Bericht der katholischen Nachrichtenagentur KNA von Freitag zufolge seinen Nachfolger Kardinal Victor Manuel Fernández scharf kritisiert. In einem Offenen Brief an den Prager Kardinal Dominik Duka schreibt Müller, der neue Glaubenspräfekt habe theologische Aussagen getroffen, die mit den Lehren von Benedikt XVI. und Johannes Paul II. brechen und anderen Lehren der Kirche widersprechen würden, die auf definitive Weise als Bestandteil der kirchlichen Glaubenswahrheiten gelehrt worden seien. 

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Konkret ging es um den Standpunkt des Glaubensdikasteriums bezüglich der Beichte im Fall einer ehebrecherischen Beziehung. Zu sagen, es liege im Ermessen eine jeden persönlich, ob er die Freisprechung von der Sünde erhalte, laufe auf eine „Selbst-Absolution“ nach protestantischem Vorbild hinaus, so Müller. Die widerspräche der bisherigen Lehre der Kirche, nach der der Sünder demütig um Verzeihung bitten müsse. Müller dazu: „Es ist erstaunlich, dass das Glaubensdikasterium dem Heiligen Vater einen Text mit derartigen theologischen Fehlern zur Unterschrift vorlegen konnte und damit die Autorität des Heiligen Vaters kompromittierte.“

Bruch mit der Lehre von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Kardinal Fernandez hatte auf die Dubia des Prager Kardinals zur Auslegung des Papstschreibens Amoris laetitia von 2016 reagiert. In dem Schreiben heißt es, dass wiederverheiratete Geschiedene in bestimmten Fällen wieder zu den Sakramenten zugelassen werden dürften. Unter welchen Umständen dies möglich sei - hierüber waren Kontroversen unter Moraltheologen, Kirchenrechtlern und Bischöfen entbrannt. Bischöfe der Region Buenos Aires hatten eine liberale Auslegung veröffentlicht, die der Papst offiziell bestätigt hatte und die laut Fernández verbindlich sei. Auch behauptete er, sie stehe in ungebrochener Kontinuität von Franziskus' Vorgängern im Amt.

Dem widerspricht Kardinal Müller. Sowohl die Antwort seines Nachfolgers Fernandez als auch die „Auslegung von Buenos Aires“ zeugten von einem Bruch mit der Lehre von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Fernández' Aussagen widersprächen auch anderen Lehren der Kirche.

Müller war als Präfekt der Glaubensbehörde 2017 nicht mehr im Amt bestätigt worden. Fernández ist seit einem Monat Kardinal und leitet auch seit einem Monat das Glaubensdikasterium. Beide Kardinäle nehmen derzeit an der Weltsynode im Vatikan teil.  DT/dsc

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