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Kritik an mangelnder Beachtung der Gewalt im Kongo

„Schweigen der internationalen Gemeinschaft, während Menschen abgeschlachtet werden“: Kurz Franziskus' Besuch herrscht Empörung über die geringe Aufmerksamkeit, die der auch christenfeindlichen Gewalt in Zentralafrika zuteil wird.
Demokratische Republik Kongo, Mindestens zehn Tote bei Anschlag auf Kirche in Kasindi (230116) -- KASINDI (DR CONGO), Ja
Foto: IMAGO/Zanem Nety Zaidi | Mindestens 15 Menschen sollen hier ums Leben gekommen sein, als ADF-Rebellen am 15. Januar eine Bombe in einer voll besetzten Kirche im Osten Kongos zündeten.

Die geringe Beachtung, die die andauernde Gewalt in der demokratischen Republik Kongo erfährt, sorgt kurz vor der der Afrika-Reise des Papstes für Kritik. „Was uns als Missionare oft empört, ist das Schweigen der internationalen Gemeinschaft, während Menschen abgeschlachtet werden“, sagte Pater Marcelo Oliveira, der als Comboni-Missionar in dem zentralafrikanischen Land aktiv ist, gegenüber dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Vor allem im Osten des politisch instabilen Vielvölkerstaates kommt es immer wieder zu Gewalt durch die zahlreichen Rebellengruppen.

Anschlag auf Kirche

„Die Menschen müssen ständig aus ihren Dörfern fliehen, sich im Wald verstecken und darauf warten, dass [die Rebellen] die Dörfer verlassen“, so Oliveira. „Die Methode besteht darin, die Menschen in die Flucht zu schlagen, um sich an ihr Land zu kommen, das sehr reich an Bodenschätzen ist. … Heute ist dieses Dorf dran, das nächste Mal ein anderes, und das alles geschieht in aller Stille.“

Auch gezielt gegen Christen richte sich die Gewalt, heißt es in der Pressemitteilung von Kirche in Not. So seien etwa bei einem Bombenanschlag der Rebellengruppe „Alliierte Demokratische Kräfte“ am 15. Januar auf eine Kirche in der besonders umkämpften Region Nord-Kivu mindestens 15 protestantische Christen ums Leben gekommen. Zuletzt war ein Dorf in der Region niedergebrannt worden, wobei es nach Behördenangaben 20 Todesopfer gegeben haben soll. Auch hier soll die ADF verantwortlich sein, die mittlerweile der international operierenden Terrormiliz „Islamischer Staat“ zugerechnet wird, wie die ARD berichtet. Dem kongolesischen Militär und der UN-Friedensmission MONUSCO gelang es bisher nicht, die Unruheregion zu befrieden. In der rohstoffreichen Region gibt es bedeutende Vorkommen von Gold, Diamanten, Kobalt und Coltan, die beispielsweise für die IT- oder Fahrzeugindustrie von Bedeutung sind.

Papst Franziskus, dessen Afrika-Besuch am Dienstag, den 31. Januar beginnt, wird anders als zunächst geplant aus Sicherheitsgründen alle vier Tage seines Kongoaufenthalts in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa verbringen. Unter den über 100 Millionen Einwohnern des Kongo gehören bis zu 45 Millionen der katholischen Kirche an, die auch durch zahlreiche Schulträgerschaften und Gesundheitseinrichtungen hohes politisches Gewicht im Kongo hat. Franziskus bereist als erster Papst seit Johannes Paul II. im Jahr 1985 das zentralafrikanische Land, das damals noch Zaire hieß. DT/jra

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