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Papst Leo im Herz der Orthodoxie

Patriarch Bartholomaios benennt das „Filioque“ und die päpstliche Unfehlbarkeit als Hindernisse im Streben nach der Einheit von Orthodoxie und katholischer Kirche. 
Papst Leo in der Patriarchalkirche St. Georg
Foto: IMAGO/Tolga Uluturk (www.imago-images.de) | Ein geistliches Zentrum der Christenheit: die orthodoxe Patriarchalkirche St. Georg in Istanbul, in der Papst Leo XIV. die orthodoxe "göttliche Liturgie" zum Fest des Apostels Andreas mitzelebrierte.

Papst Leo XIV. und die ihn begleitenden Kurienkardinäle und Bischöfe nahmen am Sonntagvormittag an der Göttlichen Liturgie zum Fest des Apostels Andreas in der orthodoxen Patriarchalkirche St. Georg im Phanar im Istanbuler Stadtteil Fener, teil. Der Papst, der jene goldverzierte Stola trug, die Patriarch Bartholomaios ihm am Vortag geschenkt hatte, sprach in der byzantinischen Liturgie das Vaterunser auf Latein. Am Ende des Gottesdienstes segneten Bartholomaios und Leo gemeinsam die anwesenden Gläubigen in der Georgs-Kirche, wo bereits Papst Paul VI. im Jahr 1967 empfangen wurde, und nach ihm Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus.

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Zum Streben nach der vollen kirchlichen Gemeinschaft bekannte sich der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, in seiner Ansprache an Papst Leo am Ende der Liturgie, bei der die orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Alexandria und Antiochia konzelebrierten. Die Differenzen würden durch das Wirken des Heiligen Geistes überwunden werden, zeigte sich Bartholomaios überzeugt. Das gemeinsame Glaubensbekenntnis von Nicäa vor 1700 Jahren habe die kirchliche Einheit gestärkt. Und es bleibe auch heute die Grundlage auf der Suche nach der Einheit der Kirchen. Das wesentliche Kriterium für alles ökumenische Engagement der orthodoxen Kirche sei der Glaube an den dreieinen Gott in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift und dem nicäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis.

Nicht mitschuldig machen am Blutvergießen

Patriarch Bartholomaios benannte auch die aus orthodoxer Sicht schwierigen theologischen Hindernisse: „Wir können nur beten, dass Fragen wie die des Filioque und der Unfehlbarkeit so gelöst werden, dass ihr Verständnis nicht länger ein Hindernis für die Gemeinschaft unserer Kirchen darstellt.“ Die christliche Einheit nämlich sei kein Luxus, sondern eine wesentliche Vorbedingung für die Mission der Kirche und ein Gebot in dieser turbulenten Zeit, in der die Welt durch Kriege, Gewalt und Diskriminierungen zerrissen ist.

Die ganze Schöpfung erwarte eine geeinte Botschaft der Christen, die mit einer Stimme Krieg und Gewalt verurteilen und die Menschenwürde verteidigen müssten. „Wir dürfen uns nicht mitschuldig machen am Blutvergießen in der Ukraine und in anderen Teilen der Welt“, sagte Bartholomaios in offenkundiger Anspielung auf das Verhalten des Moskauer Patriarchen Kyrill, der den Aggressionskrieg Putins gegen die Ukraine rechtfertigt und unterstützt. Doch während der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel in der russischen Orthodoxie aus den liturgischen Texten gestrichen wurde, beteten die Gläubigen im Phanar am Sonntag namentlich für alle Häupter der orthodoxen Kirchen und erwähnten dabei stets auch Kyrill namentlich.

Einheit in Achtung legitimer Unterschiede

Leo XIV. nahm in seiner Rede unmittelbar auf den Apostel Andreas Bezug, den die Orthodoxie als Erstberufenen der Jünger und als Urheber des Bischofssitzes von Konstantinopel betrachtet: „Sein Glaube ist unser Glaube: derselbe, der von den ökumenischen Konzilien definiert und heute von der Kirche bekannt wird.“ Dieser Glaube verbinde die Kirchen und ermögliche es, dass sich Christen als Brüder und Schwestern anerkennen. Es gebe „immer noch Hindernisse, die uns daran hindern, in voller Gemeinschaft zu sein, aber wir dürfen in unserem Engagement für die Einheit nicht zurückweichen“, so der Papst.

Angesichts der Tatsache, dass mehrere orthodoxe Kirchen die Ökumene mit der katholischen Kirche ablehnen oder sogar als Häresie betrachten, appellierte Leo XIV. an Bartholomaios, er möge „weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, damit alle autokephalen orthodoxen Kirchen wieder aktiv an diesem Engagement teilnehmen“ und sich an der Arbeit der Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog beteiligen. Er selbst sehe als Bischof von Rom seine Aufgabe darin, „allen zu dienen, um die Gemeinschaft und Einheit aufzubauen und zu bewahren – unter Achtung der legitimen Unterschiede die volle Gemeinschaft aller zu erreichen“.  (DT/sba)

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