Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Köln

Kommentar um "5 vor 12": Woelki legt den Finger in die Wunde

Die Petitions-Kritik am Kölner Erzbischof ist entlarvend. Der Kardinal hat die Zeichen der Zeit sehr wohl verstanden. Genau das ist das Problem. Ein Gastbeitrag.
Kardinal Rainer Maria Woelki steht wegen seiner klaren Worte zum Synodalen Weg in der Kritik.
Foto: Oliver Berg (dpa) | Der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, steht wegen seiner klaren Worte zum Synodalen Weg in der Kritik. Ein Kölner Katholik hat eine Petition initiiert, die sich gegen Woelki richtet. ,.

Mein Wille – Gottes Wille? Was zählt für Christen wirklich? Der Kölner Katholik Kurt Gerhard setzt auf seinen Willen und hat eine Petition gegen Kardinal Rainer Woelki gestartet. Er missbilligt, dass dieser die Synodalversammlung ein „protestantische Kirchenparlament“ nannte und sagte, dass sie „eigentlich nichts mit dem zu tun gehabt habe, was katholische Kirche ist und meint“.

Wer hat Recht? Laut Gerhard treibe man Menschen mit solchen Aussagen aus der Kirche und habe die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Doch Woelki hat die Zeichen der Zeit verstanden. Er versteht, was Gottes Wille ist, dass Gott Worte ewigen Lebens hat und wir zu ihm gehen müssen. Er versteht es, echter Hirte zu sein. Zudem sind die vermeintlichen Zeichen der Zeit verkappte Zeichen des Zeitgeistes.

Christen kennen ihren Christus nicht mehr

Das Zeichen der Zeit ist dieses: Christen kennen ihren Christus nicht mehr. Woelki legt nur den Finger in die Wunde, und das tut weh. Zuzugeben, Gott zu vertrauen und seinem Willen zu folgen statt dem eigenen,  ist nicht immer einfach. Aber wie heißt es bei Sirach: „Wer hat auf den Herrn vertraut und ist dabei zuschanden geworden?“

Lesen Sie auch:

Wir brauchen gute Hirten, die uns gemäß dem Auftrag der Kirche helfen, unser „Ja“ zu Gott immer wieder zu erneuern und uns an Gottes Wort zu halten. Die Bischöfe sollen uns in Treue zum Herrn den richtigen Weg weisen! Nichts anderes tut Woelki. Er will auch Reformen, nur setzt er an bei der Beziehung zum Herrn. Er will Menschen zu Christus führen, nicht in Ämter. Denn man treibt Menschen in Wahrheit aus der Kirche, wenn sie Jesus nicht mehr kennen.

Gott im Mittelpunkt oder ein menschengemachtes Kirchenparlament?

Jesus war ein wahrer Publikumsmagnet. Und er wäre es auch heute, würden wir uns ihm nicht verschließen. Wenn wir ihn hinter eigenen Wünschen nach Ämtern und Strukturen verbergen, bringen wir uns um einen gewaltigen himmlischen Schatz! Wer auf Woelkis Aussagen hin die Kirche verlässt, was oder wen sucht er dann zuerst? Es geht nur eines: eine Kirche mit Gott im Mittelpunkt oder ein wie auch immer geartetes, menschengemachtes Kirchenparlament. Mein Wille – oder Gottes Wille?

Die Autorin engagiert sich für die Initiative "Maria 1.0" und ist Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Weges. 

 

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Dorothea Schmidt Bischof Christen Jesus Christus Kardinäle Katholikinnen und Katholiken Katholische Kirche Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Rainer Maria Woelki

Weitere Artikel

Auf der Suche nach Sinn und Gottvertrauen: In „Welt mit anderen Mitteln“ fragt Nora Bossong, was der christliche Glaube einer müden Gesellschaft noch zu sagen hat.
08.10.2026, 21 Uhr
Paul-Henri Campbell
Überraschend praktisch weist Jesus seine Jünger an, wie Konflikte in vier Schritten zu lösen sind.
05.09.2026, 21 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Die CDU ist gekennzeichnet durch eine permanente Suche nach ihrer wahren Identität. Verwaltet sie am Ende einen christlich grundierten Liberalismus?
13.03.2026, 19 Uhr
Sascha Vetterle

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Spricht sich Jesus gegen die Steuer für den Kaiser aus, droht ihm die Todesstrafe. Noch heute gewichtet die Kirche politische und gesellschaftliche Fragen oft zu hoch.
17.10.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig