Am Westufer des Lednica-Sees liegen die Lednica-Felder. Seit 1997 findet hier jedes Jahr ein Treffen der jungen Christen aus ganz Polen statt. Ursprünglich gedacht als ein einmaliges Event, wurde es zu einer regelmäßigen Veranstaltung, zu der jährlich mehrere Tausend Gläubige anreisen. Dieses Jahr, zum 30. Jubiläumstag, reisten über 20.000 Besucher aus ganz Polen, aber auch aus dem Ausland, unter anderem aus Deutschland, an. Der Ort wurde nicht willkürlich gewählt, sondern hat eine tiefe historische Bedeutung. Da Gnesen, die erste Hauptstadt Polens, nur knapp 20 Kilometer entfernt liegt und bei Ausgrabungen auf den Seeinseln mehrere Bauwerke aus dem 10. Jahrhundert gefunden wurden, darunter ein Baptisterium, ein Palast und eine Festungskirche, gilt Lednica als der wahrscheinlichste Ort der sogenannten Taufe Polens – so bezeichnet man die offizielle Konvertierung Polenes zum Christentum im Jahr 966.
Als der Dominikaner Pater Jan Góra 1997 das erste Treffen initiierte, wollte er die christliche Jugend auf das neue Jahrtausend vorbereiten. Der Enthusiasmus der Teilnehmer, sowohl der Jugend als auch der Seelsorger, und die geistige Führung von Johannes Paul II. waren schließlich ausschlaggebend dafür, dass die Treffen fortgesetzt wurden. Inzwischen sind drei Jahrzehnte vergangen und Pater Góra ist bereits verstorben, aber die Treffen finden weiterhin statt und werden auch im Vatikan wahrgenommen. So richtete Papst Leo eine Botschaft an die jungen Menschen, die ihnen der Primas von Polen, Erzbischof Wojciech Polak, übermittelte. Der Pontifex motiviert dazu, „in einer Welt voller Lärm, Eile und digitaler Ablenkungen die Frage des Herrn zu hören: ‚Wo bist du?‘“
Auch der Landesjugendseelsorger, Bischof Grzegorz Suchodolski, betonte die Bedeutung der Treffen bei der Formung neuer Generationen von Gläubigen. Das diesjährige Motto „Genesis“ symbolisiert die Rückkehr zum Anfang, aber auch den Blick in die Zukunft, erklärt der Dominikaner Tomasz Nowak, Seelsorger aus Lednica.
Zum Abschluss: Tauferneuerung
Neben gemeinsamem Beten und einer Heiligen Messe konnte man während der eintägigen Veranstaltung an einer Konferenz mit mehreren Geistlichen teilnehmen, aber auch sich aktiv an Diskussionspanels und Workshops zu religiösen Themen beteiligen. Ehrengäste waren dieses Jahr Brüder aus Taizé. Pater Jan Góra war stark durch Taizé geprägt, deshalb wollte man das bei dem diesjährigen Treffen zum Ausdruck bringen.
Am Ende gingen die Christen zum Zeichen der Erneuerung ihrer eigenen Taufe durch das sogenannte Fischtor, eine Skulptur in Fischform, die Christus und den Glauben an ihn symbolisiert. Lednica versteht sich als Zeichen der lebendigen Kirche. Viele Teilnehmer kommen regelmäßig wieder und auch an den Vorbereitungen nehmen zahlreiche Volontäre teil, die die Kraft der Gemeinschaft erfahren. DT/agnwi
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