Der Evangelist Matthäus sagt ausdrücklich, dass die Pharisäer Jesus „eine Falle stellen“ (Mt 22,15, wörtlich: „mit einer Schlinge fangen“) wollen. Die Römer verlangten von jedem Juden eine Kopfsteuer in Höhe eines Denars, was etwa dem Tageslohn eines Arbeiters entsprach. Wer nicht zahlte, wurde bestraft. Die Zeloten lehnten es ab, dem bei den Juden verhassten Kaiser diese Steuer zu entrichten, die Pharisäer waren – wenn auch widerwillig – bereit, diese Steuer zu zahlen. Spricht sich Jesus gegen die Steuer aus, ist er in den Augen der römischen Behörden ein politischer Aufrührer; ihm droht die Todesstrafe. Bejaht er die Frage, stellt er sich auf die Seite der Römer, die fremde Götter verehren, den Gott Israels missachten und das jüdische Volk unterdrücken. So oder so, das Kalkül der Pharisäer droht aufzugehen: Jesus soll entweder vor den Römern schuldig oder beim eigenen Volk unglaubwürdig werden.
Jesus bittet seine Gesprächspartner zunächst, einen Denar vorzuzeigen. Er fragt nach dem Bild auf der Münze. Auf der Silbermünze ist auf der Vorderseite das Bild des Kaisers Tiberius (14–37 n. Chr.) zu sehen, auf der Rückseite dasjenige seiner Mutter Livia. Jesus schließt daraus, dass die Münze dem Kaiser gehört. Ihm soll man geben, was sowieso sein Eigentum ist. Man soll also die Steuer zahlen. Jesu Ansage lautet: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört!“ (Mt 22, 21). Der Akzent liegt in dem abschließenden Wort Jesu aber auf dem zweiten Teil: „Gebt Gott, was Gott gehört!“ (Mt 22, 21). Diese Aufforderung kommt überraschend, denn danach hatten die Pharisäer gar nicht gefragt. Sie entspricht aber der Verkündigung Jesu, denn Jesus geht es um die Verkündigung der Gottesherrschaft. Gott und sein Reich soll man in die Mitte seines Lebens stellen. Gott und seinem machtvollen Wirken in der Welt soll man sich vertrauensvoll öffnen. Gott soll man sich selbst und das eigene Leben schenken. Dies ist entscheidend, nicht die Frage nach der Steuer.
Auch heute besteht die Gefahr, dass in unserer Kirche politische und gesellschaftliche Fragen so viel Raum einnehmen, dass die Verkündigung des dreifaltigen Gottes in den Hintergrund tritt. Das Wort Jesu lenkt unseren Blick aber auch auf unser persönliches Leben: Was beschäftigt mich? Stelle ich wirklich Gott in die Mitte meines Lebens? Bin ich bereit, bei allem Sorgen und Mühen, ihm zu geben, was ihm gehört, meine Zeit, mein Denken, ja letztlich mein Leben? Denn Gott sagt selbst durch den Propheten Jesaja in der Lesung: „Ich bin der Herr und sonst niemand. Außer mir gibt es keinen Gott. Ich habe dir den Gürtel angelegt, ohne dass du mich kanntest. damit man vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang erkennt, dass es außer mir keinen Gott gibt.“
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