Fast pünktlich zum Bekanntwerden seiner nicht ungefährlichen Erkrankung hat Leo XIV. den Kurienkardinal Luis Antonio Tagle als neuen Dekan des Kardinalkollegiums bestätigt. Es ist ein Amt, das im Grunde nur dann wichtig wird, wenn in einer Zeit der Sedisvakanz von einem Papst Abschied zu nehmen und ein Nachfolger zu wählen ist. So hat Kardinal Joseph Ratzinger das Kardinalskollegium nach dem Tod von Johannes Paul II. geleitet, die Predigt bei der Messe vor dem Einzug ins Konklave gehalten und ist dann selbst als Papstwähler in die Sixtina eingezogen, die er dann als Papst verlassen hat.
Um zu verhindern, dass Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eine ähnliche „pole position“ bei der nächsten Sedisvakanz einnimmt, hat Franziskus die überfällige Wahl eines neuen Dekans ausfallen lassen, indem er im Februar 2025 den damals bereits 91 Jahre alten Kardinal Giovanni Battista Re einfach in diesem Amt bestätigt hat.
In seinem neuen Amt ist Kardinal Tagle keine Wahl von Papst Leo. Es waren die Purpurträger der Klasse der Kardinalbischöfe, die sich mehrheitlich für den Philippiner – und nicht für Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin – entschieden haben, der ab 2019 die Kongregation für die Evangelisierung der Völker und seit der Kurienreform als Pro-Präfekt die für die Erstevangelisierung und die jungen Ortskirchen zuständige Sektion des Dikasteriums für die Evangelisierung leitet.
Tagle genießt das Wohlwollen des Papstes
Dennoch genießt Tagle das Wohlwollen des Papstes. Schließlich hat ihm Leo XIV. nach der Wahl zum Papst die eigene Titelkirche im altehrwürdigen suburbikarischen Bistum Albano überlassen – und nicht dem älteren Kardinal Pietro Parolin, der, obwohl auch der Klasse der Kardinalbischöfe zugehörig, mit einer Titelkirche am Stadtrand von Rom vorliebnehmen muss.
Tagle war mit dem Ruf nach Rom gekommen, ein Kirchenführer mit Charisma und einer jugendlichen und begeisternden Ausstrahlung zu sein. An der Kurie hat er diesen Ruf nicht recht entfalten können und das Gewicht eines „roten Papstes“ – so nannte man früher den Präfekten der „Propaganda fidei“, weil er weitgehend selbstständig die Geschicke der Missionskirchen leitet – hat er auch nicht erreicht.
Der bitterste Moment seiner römischen Karriere war wohl die Absetzung als Präsident der „Caritas Internationalis“ durch Franziskus im Jahr 2022 nach einer externen Prüfung, die zu dem Ergebnis gekommen war, dass Schwächen im Management den Teamgeist und die Arbeitsmoral der Institution geschwächt hätten. Ehemalige Mitarbeiter berichteten von Mobbing und Angst. Es blieb still um Tagle. Gestern aber hat er im neuen Amt den Papst vertreten und die Messe zum Abschluss des Bischofstreffens zu „Amoris laetitia“ gefeiert.
Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.











