Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vatikanstadt

Ist der Papst pleite?

Kardinal Marx in Rom. Dort interessiert aber nicht nur der „Synodale Weg“, sondern vor allem das Finanzdesaster des Vatikans.
Papst Franziskus und die Finanzen
Foto: Evandro Inetti (ZUMA Wire) | In Rom dreht sich nicht alles um den "Synodalen Weg": Papst Franziskus hat auch mit klammen Kassen zu kämpfen.

Die Kassen des Vatikans leiden an einem chronischen Defizit, zuverlässige Vorausplanungen und mittelfristige Finanzaufsichten gibt es nicht, vor allem die Einkünfte des Vatikans von jenseits des Atlantiks sind gesunken: Die amerikanischen Diözesen müssen hohe Entschädigungen an Missbrauchsopfer zahlen und viele Geldgeber in den Vereinigten Staaten sind erschreckt über die Vertuschungen der Untaten des Ex-Kardinal McCarrick und die Enthüllungen des Ex-Nuntius Viganò. Die Gelder von Uncle Sam fließen spärlicher. Die letzte Bilanz, die die Finanzverantwortlichen des Vatikans veröffentlicht haben, betrifft das Jahr 2015. Der Chefsessel im Wirtschaftssekretariat der Kurie, einst ein Vorzeigeprojekt von Papst Franziskus, das heißt der von Kurienkardinal George Pell, ist vakant, weil dieser in Australien im Gefängnis sitzt.

Lesen Sie auch:

Kardinal Marx ist gefragt

Also muss Kardinal Reinhard Marx ran, der Koordinator des Wirtschaftsrats, der so etwas wie ein Aufsichtsrat über dem Wirtschaftssekretariat ist. Am Donnerstag, am letzten Sitzungstag des Rats der sechs den Papst bei der Kurienreform beratenen Kardinäle, hat Franziskus den Münchener Kardinal in Audienz empfangen. Einen Tag später will Marx mit Leitern der vatikanischen Dikasterien zusammentreffen, um ihnen die desaströse Finanzlage des Vatikans zu erklären und Sparmaßnahmen ins Auge zu fassen. In Rom, auch wenn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz involviert ist, dreht sich also nicht alles um den „Synodalen Weg“ in Deutschland.

Lesen Sie auch:

Als jetzt im Vatikan der Rat der sechs Kardinäle zusammentrat, stand aber auch der Entwurf der Konstitution auf der Tagesordnung, die zukünftig die Arbeit der Römischen Kurie regeln soll. Das, was da in langjähriger Arbeit entstanden ist, wird von Fachleuten als schwaches, ja unausgegorenes Dokument bezeichnet. Papst Franziskus hat Ende Oktober vergangenen Jahres den Kirchenrechtsexperten Marco
Mellino als beigeordneten Sekretär in den Rat berufen, um das Niveau des Sachverstands in der Runde zu erhöhen. Das hat der Entwurf von „Praedicate evangelium“, so der Arbeitstitel der Konstitution, auch bitter nötig.

Die Kurienreform klemmt

Man hatte ursprünglich gedacht, dieses „Verfassung“ der Kurie könnte am vergangenen Fest Peter und Paul erscheinen. Doch dann hieß es, sie komme im Herbst dieses Jahres. Aber die Einwände der vatikanischen Dikasterien und der nationalen Bischofskonferenzen müssen so heftig sein, dass der Abschluss der Arbeiten in den Sternen steht. Vom 2. bis 4. Dezember will der K6-Rat über das Sorgenkind Kurienreform wieder beraten. Dennoch sind sich Beobachter einig, dass Marx jetzt seine Zeit in Rom genutzt hat, den vom Vatikan erst einmal in Frage gestellten „Synodalen Weg“ wieder flott zu bekommen. Die Zeit drängt. Am Montag beginnt in Fulda die entscheidende Sitzung der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Marx muss sein Gesicht wahren. Helfen ihm dabei die Römer?

DT/gho

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Redaktion Deutsche Bischofskonferenz George Pell Kurienkardinal Papst Franziskus Päpste Reinhard Marx Synodaler Weg Vatikan

Weitere Artikel

Zwischen Reformanspruch und wachsender Distanz zu Rom: Georg Bätzings Amtszeit an der Spitze der DBK endet mit einer gespaltenen Kirche. Ein Blick auf die vergangenen sechs Jahre.
20.01.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting
Johannes Hartl hat theologische Ansätze kritisiert, die überlieferte Glaubenswahrheiten relativieren. Warum Hartl recht und seine Kritiker unrecht haben.
12.02.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch