Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kontinentale Phase der Weltsynode

Ein „Mosaik von Meinungen“

Zum Ende der kontinentalen Phase der Weltsynode wurde das Abschlussdokument vorgestellt. Auch Anliegen aus Deutschland sind mit aufgenommen worden.
Kontinentale Phase der Weltsynode
Foto: Anicka Guthrie | Die kontinentale Phase der Weltsynode ist am Donnerstag zu Ende gegangen.

Recht langer Applaus krönte das Abschlussdokument der kontinentalen Phase der Weltsynode — nicht primär, weil es so glänzend war, sondern, weil der Text dicht mit Informationen gespickt war und das Vortragen über eine Stunde in Anspruch genommen hatte. Bereits als der Vortragende die „conclusions“ ankündigte, applaudierten die Delegierten im Saal, sodass sich der Konsultor des Generalsekretariats und Leiter der Task Force für die Vorbereitung des Dokuments dieser Etappe, Giacomo Costa, für die Länge des Vortrags entschuldigte und vorsichtig nachfragte: „Schaffen Sie noch zwei Seiten?“ 

Abschlussdokument — ein Rundumriss der Anliegen

Er war es, der — ähnlich entschuldigend — zu Beginn des Tages 20 Minuten lang erklärte, der vorliegende Text sei noch kein sauber redigierter Text, man solle sich gedulden, es sei alles noch „in progresso“. Zudem erklärte Moderator Antonio Ammirati, es handle sich nicht um ein Arbeitsdokument oder Programm, sondern eine Zusammenfassung der Beiträge der vergangenen Tage, ein Rundumriss aus Zitaten, Anliegen und Themen dieses Weges.

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Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), nannte das Papier "eine Bestandsaufnahme", es beinhalte nichts Neues und unterscheide sich nicht vom Dokument, das die Delegierten zur Vorbereitung auf dieses Treffen, erhalten hätten. Es liege noch "viel Arbeit vor uns", sagte er. Und diesen Weg müsse man weitergehen.

Hinweis auf Maria fehlt im Dokument

Zu den zentralen Themen des Abschlusspapiers gehörten Umkehr und Versöhnung, Mission, der interreligiöse und ökumenische Dialog. Der Text spricht von der Angst einiger Delegierter, die kirchliche Lehre könnte verändert und dem Zeitgeist angepasst werden. Auch das Anliegen mehrerer Ländern nach einem Fokus auf die Heilige Schrift, der Notwendigkeit einer Christusbeziehung und von Mission in der säkularisierten Gesellschaft findet sich wieder. In der offenen Runde am Schluss, in der Änderungswünsche und Korrekturen vorgebracht werden durften. ergänzte ein Delegierter, man müsse auch festhalten, dass der säkulare Geist auch in die Kirche eingezogen sei. 

Weitere Themen des Abschlussdokuments waren die Inklusion und LGBTQ+, der Wunsch nach einer intensiveren Einbindung der Jugend, eine bessere Familien- und Ehepastoral sowie die „Rolle der Frau in der Kirche“. An der Stelle hakte Anna Diouf, Delegierte des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), ein: Wenn man von Frauen spreche, dürfe man Maria nicht vergessen, sie werde aber im Abschlusspapier nicht erwähnt.

Kriterien der Unterscheidung beschreiben

Anderen fehlte im Papier das Thema der Erlösungsbedürftigkeit in der Kirche sowie der Aspekt des Dienens nach Jesu Vorbild. Eindrücklich bat ein Delegierter außerdem darum, die Kriterien der Unterscheidung zu beschreiben und aufzunehmen. Man müsse lernen, aus dem „Mosaik von Meinungen“ zu erkennen, wo der Heilige Geist spreche, wo nicht, sagte auch eine Italienerin.

Ein Anliegen aus Deutschland, das im Abschlussdokument auftauchte, war der Hinweis von Bischof Bätzing auf die „systemischen Ursachen“ des Missbrauchs. Die in Deutschland breit diskutierte und kritisierte kirchliche Sexualethik dagegen war überhaupt kein Thema der kontinentalen Konferenz.

Keine „Kirche mit zwei Zungen“

Ebenfalls aus Deutschland äußerte sich der Theologie Thomas Söding. Er bat die Bischöfe zum Schluss, keinen völlig neuen Text zu verfassen, sondern alle Aspekte, die in der Versammlung genannt wurden, zu berücksichtigen, um nicht das Bild aufkommen zu lassen, „dass die Kirche mit zwei Zungen spricht“. 

Die Bischöfe tagen noch bis Sonntag und werden ein separates Papier herausgeben. Das finale Abschlussdokument der gemeinsamen Konferenz und Klerikern und Laien soll in etwa einem Monat an die Bischofskonferenzen geschickt werden.  DT/dsc

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