Anbetung

Adoratio-Kongress: Lebenselixier für den Glauben ist die Eucharistie

Beim diesjährigen Adoratio-Kongress standen in Vorträgen und Gebet das Leben aus dem Opfer Christi im Mittelpunkt.
Anbetung war das Herzstück des Adoratio-Kongresses
Foto: S. Schmidt/pbp | Die Anbetung war das Herzstück des Adoratio-Kongresses. Ursprünglich hatte das Bistum Passau für das ganze Wochenende nach Altötting eingeladen, nachdem der Kongress 2020 bereits pandemiebedingt ausgefallen war.

Trotz der steigenden Infektionszahlen hat am Samstag der zweite Adoratio-Kongress stattgefunden – wenn auch nur online. Sophia Kuby, die am Samstagvormittag mit einem Vortrag zum Gleichnis vom Schatz im Acker den Anfang macht, greift die Situation auf. „Es ist eine immer neue Herausforderung für uns, den Schatz, also Gott, im Acker unseres Lebens zu entdecken, gerade wenn unser Leben so belastend aussieht wie jetzt“, erklärte sie. Sie ermutigte dazu, Gott in die Realität unseres Lebens hineinzuholen. „Jesus benutzt nicht aus Zufall in dem Gleichnis ,Acker‘ und nicht ,Golfrasen‘.

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Nicht verkopft

Das ist zwar keine saubere Angelegenheit, aber es ist fruchtbarer Boden. Dort findet Leben statt.“ Der Acker sei konkret zu verstehen: So wie Christus ganz Gott und ganz Mensch ist, sei der Acker in diesem Gleichnis Sinnbild für jedes ganz konkrete, individuelle Leben. Der Schatz verdeutliche die Ausrichtung auf das Ewige, Göttliche. Kuby ermutigte dazu, sich Gedanken darüber zu machen, wie der Acker des Lebens konkret aussieht: „Je besser wir uns darüber bewusst sind, desto besser können wir Gott darin einladen.“ Sie betonte, dass für Katholiken das Materielle ganz besonders wichtig sei.

„Unser Glaube ist nicht verkopft, wir glauben, dass Christus, unser Gott Mensch und damit Fleisch geworden ist. Das ist zugegebenermaßen verrückt, aber wahr!“ An den konkreten Ruf jedes Katholiken, Christus in die materielle Welt zu tragen, erinnerte am späteren Vormittag auch der Pallotinerpater Hans Buob. „Wir sind ein Glied des mystischen Leibes Christi. Ganz kann sich Christus also ohne uns nicht mehr opfern.“ Es sei die Aufgabe jedes Christen, sich mit Jesus hinzugeben – bei der Messfeier, aber dann auch im Alltag. Buob vergleicht den Dienst am Nächsten mit der Kommunion: „Wir müssen uns sozusagen essen lassen: Wenn jemand unsere Zeit, unsere Geduld oder Nachsicht in Anspruch nimmt.“ Die Hingabe jeder Person, diese „zweite Umkehr“ oder „Umkehr des Herzens“ sei, so Buob, wesentlich für die Eucharistie. „Die Eucharistie soll der Höhepunkt des Heilsgeschehens sein.

Immer kontaminiert

Wenn ich mir anschaue, wie oft wir hier in Deutschland die Eucharistie feiern – was müsste es da für Aufbrüche geben! Da stimmt etwas nicht“, konstatierte der Exerzitienmeister. Diese „Umkehr des Herzens“ sei schwerer, da sie gleichzusetzen sei mit dem Sterben für Christus. Um die Erneuerung des Herzens geht es auch Bischof Oster, der am Abend den letzten Vortrag hält, bevor es in die Anbetung geht. Das menschliche Herz, das Zentrum seiner Leidenschaft und Seins, sei zutiefst erlösungsbedürftig. Doch Gott habe dem Menschen versprochen, ihm ein neues Herz aus Fleisch zu geben: „Das bedeutet beweglich, zugänglich“, erläuterte der Passauer Bischof. Das geschehe besonders in der Anbetung, im Bleiben und Verweilen bei Christus in der Stille.

„Wenn ich die Kommunion austeile, dann sehe ich die unterschiedlichen Hände, die sich mir entgegenstrecken: Grobe Bauernhände, die von der Erde, Werkzeugen oder Geräten geformt wurden. Oder feingliedrige Hände, von jemandem der gelehrt ist, oder vielleicht von einer Musikerin. Das ist ein Bild dafür, dass wir von außen geformt werden“, erzählte Oster. Menschliche Beziehungen seien immer von Begierlichkeit kontaminiert. Das gelte auch, so Oster, für Menschen, die glauben, etwas Gutes tun zu wollen. Mit Romano Guardini fragte Oster, ob diese Personen ganz versteckt nicht doch für sich Anerkennung oder Macht suchten. Gott sei die einzige Quelle wahrer, absichtsloser Liebe, der man im Gebet begegnen könne. Der ehemalige Jugendbischof verwies auch auf Maria.

Anbetung in Person

„Maria ist die Kirche in Person: Wir dürfen in ihr Wohnung nehmen, in der Gott Wohnung genommen hat.“ Oster forderte auf, „mit und in Maria“ zu beten. „Marias ganzes Leben war Anbetung, Lobpreis und Fürbitte“, so der Bischof. „Wir dürfen vertrauen, dass auch in ihrer Gegenwart unser Herz heil wird.“ Das alternative Online-Programm in diesem Jahr umfasste neben den Vorträgen auch Anbetung, und persönliche Zeugnisse. Kurze Videobotschaften der in den USA lehrenden Bibelwissenschaftlerin Nina Heeremann und Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates in Rom ließen ein Gefühl von Verbundenheit aufkommen. Das Bistum stellte auch Material für das Gebet zuhause zur Verfügung, sowohl für einzelne Teilnehmer als auch für Gruppen. Zum Abschluss kündigte Bischof Oster den dritten Adoratio-Kongress an – der dann hoffentlich wieder in Präsenz stattfinden könne.

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