Peking

China entfernt immer mehr christliche Symbole

Mehr als 900 Kreuze hat die kommunistische Partei Chinas in der ersten Hälfte des Jahres aus staatlichen Kirchen entfernen lassen. Staatliche Institutionen dürften nicht von Kreuzen überragt werden, so das Regime.
Repressionen gegen Christen in China
Foto: via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | "Wenn sich eine Kirche weigert, ihr Kreuz zu entfernen, können Gemeindemitglieder ihre Sozialleistungen wie Renten und Subventionen zur Armutsbekämpfung verlieren", berichten Betroffene.

Die Repressionsmaßnahmen gegen Christen in China gehen weiter: In der ersten Hälfte des Jahres 2020  sind über 900 Kreuze aus staatlichen Kirchen in ganz China entfernt worden. Christliche Wahrzeichen werden im Zug der „Sinisierung“ unter Partei- und Staatschef Xi Jinping zunehmend durch kommunistische Symbole und Bilder ersetzt. Das berichtet das Portal „Bitter Winter“, ein Magazin über Religionsfreiheit und Menschenrechte in China. Xi Jinping hatte in einer Grundsatzrede daran erinnert, dass sich alle Religionsgemeinschaften an die sozialistische Politik halten müssen und der „ausländische Einfluss“ sowie eine „Infiltration“ Chinas auf dem Weg der Religion verhindert werden sollten.

Wer sich weigert muss Repressionen fürchten

Lesen Sie auch:

Allein in den ersten vier Monaten des Jahres wurde Kreuze aus über 250 protestantischen Gotteshäusern entfernt, die der staatlichen  Drei-Selbst-Kirche angehören. Die Kirchen befinden sich in der östlichen Provinz Anhui, die die zweitgrößte christliche Bevölkerung in China hat. Darüber hinaus wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres in weiteren 656 staatlichen protestantischen Kirchen in der Provinz die Kreuze entfernt.

Beamte der kommunistischen Regierung erklärten im Fall einer Kirche im Stadtbezirk Yingdong, deren Kreuz im April entfernt wurde, dass dies Teil der nationalen Politik sei. Beamte des United Front Work Department, die das Kreuz aus einer Kirche im Bezirk Hanshan entfernten, informierten die Kirchenmitglieder, dass alle Kreuze, die höher als Regierungsgebäude seien, „abgerissen werden müssen, weil sie die staatlichen Institutionen überragen“, sagte ein Kirchenmitglied gegenüber dem Informationsdienst. „Wenn sich eine Kirche weigert, ihr Kreuz zu entfernen, können Gemeindemitglieder ihre Sozialleistungen wie Renten und Subventionen zur Armutsbekämpfung verlieren, und die Möglichkeiten für die künftige Beschäftigung ihrer Kinder werden beeinträchtigt“, sagte ein Mitglied der Kirche.

Protest gegen Kreuzzerstörungen ist Protest gegen die Regierung

Der Gläubige enthüllte auch, dass Regierungsbeamte einen Ältesten in der Kirche gewarnt hatten, dass „Protest gegen Kreuzzerstörungen Protest gegen die Regierung bedeutet“. „Ich bin traurig darüber, dass alle Kreuze in unserer Kirche abgerissen wurden“, fügte der Mann“hinzu. "Obwohl es ein Symbol unseres Glaubens ist, wer wagt es, der Zentralregierungsordnung nicht zu gehorchen?“

„Drei-Selbst« steht für Selbstverwaltung, Selbstversorgung und Selbstverbreitung: Durch diese Prinzipien soll eine patriotisch-chinesische protestantische Kirche ohne ausländischen Einfluss gewährleistet werden.  DT/chp

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Regierungsbehörden im chinesischen Shanxi zwingen Christen, die staatliche Unterstützung erhalten, religiöse Symbole in ihrer Wohnung durch Bilder vom ehemaligen Vorsitzenden Mao und ...
24.07.2020, 16  Uhr
Redaktion
Das Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Regime in Peking hat Chinas Katholiken weder Freiheit noch Sicherheit gebracht.
15.09.2020, 10  Uhr
Redaktion
Themen & Autoren
Redaktion Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kommunistische Parteien Menschenrechte Sozialleistungen Xi Jinping

Kirche

Das Apostolische Schreiben „Desiderio desideravi“ greift den alten Konflikt um Liturgiereform und Kirchenverständnis wieder auf.
07.07.2022, 09 Uhr
Sven Leo Conrad FSSP
Diakonat der Frau: Maria 1.0 fordert den Kardinal auf, die Ergebnisse der vatikanischen Untersuchungskommission abzuwarten.
07.07.2022, 08 Uhr
Meldung
In der Ukraine spielt die Zeit für Putin. Europa und der Weltfriede sind in höchster Gefahr. Um die Katastrophe abzuwenden, plant Franziskus, den Frieden noch zu retten. Ein Kommentar.
07.07.2022, 13 Uhr
Guido Horst
Auch für die Ukraine kann man das Undenkbare denken. Die Liturgie und der Papst, der Umbau der Gesellschaft und eine Philosophie des Weines finden sich in der neuen Ausgabe der Tagespost.
06.07.2022, 17 Uhr
Redaktion
Eine Franziskanerinnenkongregation aus Kamerun ist bereit, ins Berliner Kloster St. Gabriel einzuziehen. Dadurch würde die Umwidmung der Anlage für säkulare Zwecke verhindert.
06.07.2022, 14 Uhr
Vorabmeldung