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Bischof Barron: Formulierungen des Synodenberichts sind beängstigend

Der US-amerikanische Bischof ist besorgt über die Rezeption des Berichts der Weltsynode in Deutschland.
Bischof Robert Barron (Mitte) berichtet von seinen Eindrücken der Weltsynode auf seiner Website.
Foto: Brian Van Der Brug / Pool (Los Angeles Times / POOL) | Bischof Robert Barron (Mitte) berichtet von seinen Eindrücken der Weltsynode auf seiner Website.

Robert Barron, Bischof der Diözese Winona-Rochester im US-Bundesstaat Minnesota und Teilnehmer an der Weltsynode, lässt das vor einem Monat zu Ende gegangene Bischofstreffen im Vatikan in einem Beitrag auf seiner Website „Word on Fire“ Revue passieren. Barron kritisiert dabei auch den abschließenden Bericht der Synode. Er erklärt sich mit der in dem Dokument anvisierten Entwicklung der Morallehre zur Sexualität „nicht einverstanden“.

Dort werde vorgeschlagen, dass wissenschaftlicher Fortschritt zu einem Umdenken in der Sexuallehre der Kirche führen müsse, da deren Kategorien nicht ausreichen würden, um die Komplexität der menschlichen Sexualität zu beschreiben. „Diese Sprache ist so herablassend gegenüber der reichen und ausführlichen Tradition der moralischen Reflexion in der katholischen Kirche“, so Barron.

 Ein Paradebeispiel dafür sei die Theologie des Leibes von Papst Johannes Paul II. „Zu behaupten, dass dieses vielschichtige, philosophisch informierte und theologisch dichte System nicht in der Lage ist, die Nuancen der menschlichen Sexualität zu erfassen, ist einfach absurd“, so der Bischof. Laut Barron beruhe dieses Argument auf einem Kategorisierungsfehler, indem es davon ausgehe, dass wissenschaftlicher Fortschritt eine Weiterentwicklung der Morallehre nach sich ziehe. „Evolutionsbiologie, Anthropologie und Chemie könnten uns neue Einsichten beispielsweise in die Ätiologie und die physische Dimension von gleichgeschlechtlicher Anziehung geben, doch nichts darüber, ob gleichgeschlechtliche Handlungen richtig oder falsch sind“, so Barron. Es sei beängstigend, zu beobachten, dass Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz bereits die Sprache des Synodenberichts nutzen, um große Teile der kirchlichen Sexuallehre neu zu formulieren und dies zu rechtfertigen. Laut Barron müsse man dagegen Widerstand leisten.

Selbstbezogene Kirche

Barron lobt das übergeordnete Ziel der Weltsynode und ihrer Teilnehmer, diejenigen anzuhören, die sich aus verschiedenen Gründen vom Leben der Kirche ausgeschlossen fühlen. Dazu gehörten, Frauen, Laien generell, Mitglieder der LGBT-Community, Behinderte, junge Menschen und People of Color. Dieses Motiv des Zuhörens sei laut Barron ein gemeinsamer Nenner in den Vorbereitungssitzungen und dem Grundlagenpapier für die Diskussionen gewesen. „Wenn es eine Armee von Katholiken gibt, die sich ausgeschlossen oder herabgewürdigt fühlt, ist das ein großes pastorales Problem, das mit Demut und Ehrlichkeit angegangen werden muss“, betont Barron.

Gleichzeitig habe er mehrmals versucht, bei der Synode auch den Gedanken einzubringen, dass „der Ruf von 99 Prozent katholischer Laien darin liege, die Welt zu heiligen, indem sie Christus in die Arenen von Politik, den Künsten, Unterhaltung, Kommunikation, Wirtschaft, Medizin und so weiter trägt“. Sowohl im Fall des Arbeitspapiers, des sogenannten "Instrumentum laboris", wie auch den synodalen Gesprächen habe Barron befürchtet, dass diese sich viel zu sehr auf das „ad intra“ als das „ad extra“ konzentrierten – obwohl Franziskus immer wieder eine Kirche fordere, die aus sich herauskommt.

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Kritisch betrachtet Barron das Thema „Mission“ auf der Weltsynode. Laut Barron schien der Begriff „Mission“, besonders im Instrumentum laboris, hauptsächlich die Arbeit der Kirche für soziale Gerechtigkeit und die Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Situation für die Armen zu meinen. „Auffallend durch ihre Abwesenheit waren Hinweise auf die Sünde, Gnade, Erlösung, das Kreuz, Auferstehung, ewiges Leben und das Heil – was eine echte Gefahr repräsentiert“, kommentiert Barron. Die primäre Aufgabe und Mission der Kirche sei es, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu verkünden und Menschen zu seiner Herrschaft einzuladen. Auch sei die weltliche Hilfe für die Jünger Christi wichtig, doch Barron warnte davor, Prioritäten falsch zu setzen.

An der Sexuallehre festhalten

Barron berichtet auch von synodalen Diskussionen, die sich mit der wahrgenommenen Spannung zwischen Liebe und Wahrheit beschäftigten. „Wir müssen jeden willkommen heißen (…) und gleichzeitig müssen wir die, die wir miteinbeziehen zur Konversion, zum Leben nach der Wahrheit, aufrufen“, so Barron. Auch hier sei es vielfach um die LGBT-Community gegangen. „Praktisch jeder Synodenteilnehmer stimmte überein, dass die kirchliche Morallehre in Bezug auf die Sexualität niemals beiseite gelegt werden dürfe“, berichtet Barron und betonte, dass es zwar eine Spannung zwischen Willkommenheißen und der Wahrheit geben könne, nicht aber zwischen authentischer Liebe und der Wahrheit. DT/sdu

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