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Amazonas-Synode eröffnet – Reformdebatte geht weiter

Eine Lockerung des Pflichtzölibats sieht der Mainzer Bischof Kohlgraf als Ausdruck einer legitimen Dezentralisierung. Indes weist der Essener Bischof Overbeck den Vorwurf einer Instrumentalisierung der Synode als „Unsinn“ zurück.
Amazonas-Synode im Vatikan eröffnet
Foto: Andrew Medichini (AP) | Papst Franziskus appellierte bei der Eröffnungsmesse an die Bischöfe, sich für den Amazonas und seine indigenen Völker einzusetzen.

Während Papst Franziskus gestern die Amazonas-Synode im Vatikan eröffnet hat, halten die Debatten über Reformen in der katholischen Kirche weiter an. So erklärte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, er sehe eine Lockerung des Pflichtzölibats als Ausdruck einer legitimen Dezentralisierung. „An einer Frage wie der Priesterweihe für verheiratete Männer wird sich jetzt entscheiden, wie konkret das werden dar“, so Kohlgraf im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Weihe verheirateter Männer, sogennanter „Viri probati“, ist eines der Themen der Synode.

"Ich liebe meinen Zölibat, ich stehe dazu,
aber ich sehe, dass die verheirateten Diakone
anders predigen können als ich, und das
finde ich an sich eine wunderbare Ergänzung"
Kardinal Jean-Claude Hollerich

Auch der am Samstag zum Kardinal ernannte Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich kann sich grundsätzlich vorstellen, „Viri probati“ zu Priestern zu weihen. Wenn im Amazonasgebiet ganze Regionen keine Eucharistie feiern könnten, sei das ein großes Problem, erklärte Hollerich am Wochenende vor Journalisten im Vatikan. „Wenn da viri probati eine Lösung sind, warum nicht?“ Gleichzeitig betonte er: „Ich liebe meinen Zölibat, ich stehe dazu, aber ich sehe, dass die verheirateten Diakone anders predigen können als ich, und das finde ich an sich eine wunderbare Ergänzung.“

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Zu einem weiteren Konfliktpunkt, der Frauenordination, erklärte der Mainzer Bischof, dass diese zwar sicher nicht am Ende des von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) beschlossenen „Synodalen Wegs“ stehen werde. Entscheidend sei aber, „dass wir uns auf die Erfahrungen und Denkweise derer einlassen, die in dieser Frage nach Bewegung und Veränderung rufen“.

Overbeck will Zölibat nicht grundsätzlich aufgeben

Indes wies der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck den Vorwurf zurück, dass liberale Kräfte die Synode instrumentalisierten wollten, um eine Reformagenda durchzusetzen. „Das ist Unsinn“, so der Ruhrbischof im Gespräch mit „Spiegel online“. Die Probleme, um die es auf der Synode gehe, seien so handfest, dass die Menschen im Amazonasgebiet darauf Antworten brauchten. „Die pastorale Situation in Amazonien ist oft so schwierig, dass etwa der Priestermangel in Deutschland im Vergleich geradezu harmlos wirkt.“

Angesichts des andauernden Priestermangels solle man über die Weihe von „Viri probati“ nachdenken, so Overbeck weiter. Den Zölibat grundsätzlich aufzugeben, halte er jedoch für falsch.

Papst ruft Bischöfe zum Beschreiten neuer Wege auf

Papst Franziskus hatte die Amazonas-Synode am Sonntag mit einem Festgottesdienst im Vatikan eröffnet. Die Bischöfe rief er zum Beschreiten neuer Wege auf. Wenn alles so bleibe wie bisher, werde die Berufung der Kirche „unter der Asche der Ängste und der Sorge erstickt, den Status quo zu verteidigen“. Die Kirche dürfe sich nicht auf die Erhaltung des Bestehenden beschränken, zitierte der Papst seinen Vorgänger Benedikt XVI.

DT/mlu/KNA

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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