Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

„Alte Messe“ in Gefahr?

Pläne zur Einschränkung des Motu Proprio Summorum Pontificum machen die Runde. Es ist zu hoffen, dass sich der Vatikan weder von den Polemiken der "Vulgärtraditionalisten" noch von progressistischen Liturgiewissenschaftlers leiten lässt.
Alte Messe
Foto: Traditional Latin Mass Society | Eine Nische, in der das Abendland nach wie vor existiert, ist die Alte Messe. Im Bild: Ein Gottesdienst der Traditional Latin Mass Society in San Francisco.

Mit Recht hat sich Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller gegen Bestrebungen in der römischen Kurie gewandt, die Feier der überlieferten römischen Liturgie wieder einzuschränken. Auch wenn der frühere Präfekt der Glaubenskongregation als Kritiker traditionalistischer Tendenzen gilt, verteidigt er die Anhänger der „außerordentlichen Form“ des römischen Ritus, wie die bis zur Liturgiereform von 1970 übliche Form des Gottesdienstes seit dem Motu proprio Benedikt XVI. von 2007 bezeichnet wird.

Müller trifft mit seinem Vorwuf ins Schwarze

Lesen Sie auch:

Mit dem Vorwurf, mit einem fehlgeleiteten Autoritarismus verhindern zu wollen, dass sich immer mehr Gläubige der alten Liturgie zuwenden, trifft Müller ins Schwarze. Landauf landab ist zu beobachten, dass sich vor allem jüngere Menschen und Familien um die „alte Messe“ sammeln. Es ist zu hoffen, dass sich der Vatikan weder von den Polemiken der „Vulgärtraditionalisten“ noch von progressistischen Liturgiewissenschaftlers leiten lässt, sondern den Schatz der überlieferten Liturgie und die pastorale Sorge für Gemeinschaften und Gemeinden entdeckt. Eine Kirche, die Dialog und Synodalität predigt, sollte gerade die legitimen Rechte ihrer Gläubigen achten, zumal es um das geistliche Leben vieler junger Gläubiger und Familien geht. 

Daher wäre zu wünschen, dass anstatt Einschränkungen zu erlassen, an die pastorale Sorge der Bischöfe zu erinnern, die Gottesdienstgemeinden der „außerordentlichen Form“ als wertvolle Bereicherung der Pastoral und als Orte der Neuevangelisierung anzusehen und zu fördern. Und damit dürfte sich auch das Problem des „Vulgärtraditionalismus“ ebenso erledigt haben wie sich auch weitverbreitete Vorbehalte gegen die „Tradition“ auflösen werden.  

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Simon Kajan Benedikt XVI. Bischof Gerhard Ludwig Müller Gläubige Liturgiereformen Liturgiewissenschaftler Tridentinische Messe Vatikan

Weitere Artikel

Der Freiburger Liturgiewissenschaftler Helmut Hoping bewertet die Strategie der deutschen Bischöfe in Rom kritisch und empfiehlt die Qualifizierung von Katecheten.
05.03.2026, 17 Uhr
Regina Einig
An der liturgischen Kleidung der Päpste hat man nie gespart. Kunsthistoriker Christian Hecht erklärt, wie das „Gesamtkunstwerk“ der Papstmessen unter Paul VI. zerbrach.
08.02.2026, 19 Uhr
Guido Horst

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok