Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Papst-Primat: Ein gewagter Versuch

Rom will den Primat attraktiver machen – auch in der Ökumene. Eine gespaltene Welt spielt da aber nicht mit.
Papst Franziskus bei der Generalaudienz
Foto: IMAGO/Evandro Inetti (www.imago-images.de) | Der römische Vorschlag ist die typische Frucht eines rastlosen Pontifex, der trotz seiner 87 Jahre noch irgendetwas bewegen will, um Welt und Kirche in Stück weit besser zu machen.

Grundsätzlich ist der vom Vatikan lancierte Vorschlag schon recht prickelnd. In einer von Krisen und Kriegen zerklüfteten Welt dem Bischof von Rom eine herausragende Stellung zu geben, um die Christenheit mit einer Stimme sprechen zu lassen, wenn es um die Nöte und Leiden der Menschen geht, ist überaus aktuell. Rom ist bereit, über den Primat zu sprechen.

Lesen Sie auch:

Im Konzert der christlichen Konfessionen sähe er anders aus als innerhalb der lateinischen Kirche, in der der Nachfolger Petri auch einen Jurisdiktionsprimat ausübt. Weltweit, alle christlichen Denominationen umfassen, sollte dagegen der päpstliche Primat eingebettet werden in ein Gleichgewicht von Synodalität, Kollegialität und Primat. Auf der römischen Weltsynode testet der Vatikan derzeit, wie so etwas innerhalb der katholischen Kirche aussehen könnte.

Ein rastloser Pontifex

Auf der anderen Seite sieht das ökumenische Szenario im Augenblick dermaßen zerklüftet aus, dass die gut gemeinte Idee nicht sofort Folgen haben dürfte. Die orthodoxe Welt ist nicht zuletzt wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine tief zerklüftet. Die anglikanische Welt hat sich über die Bischofsweihe der Frauen und moralische Fragen gespalten. Auch innerhalb der katholischen Kirche gärt es wegen der „Frauenfrage“.

Der römische Vorschlag ist die typische Frucht eines rastlosen Pontifex, der trotz seiner 87 Jahre noch irgendetwas bewegen will, um Welt und Kirche in Stück weit besser zu machen. Dazu gehört für Franziskus auch sein Auftritt vor dem G7-Gipfel. Aber die der Welt so sehr fehlende Einheit kann man nicht erzwingen. Es ist eher ein verzweifelter Versuch Roms, Spaltungen zu überwinden. Aber das braucht Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Guido Horst Bischofsweihen Päpste Ökumene

Weitere Artikel

Der Kölner Kardinal wirbt zu Beginn der Gebetswoche zur Einheit der Christen für einen ehrlichen Dialog. Leo XIV. ruft zum Gebet für die volle sichtbare Einheit auf.
19.01.2026, 14 Uhr
Meldung
Bartholomaios gelingt mit dem Nicäa-Treffen ein ökumeni­scher Coup: Als moralische Instanz und gütiges Gesicht der Orthodoxie führt er Rom und den Osten näher zusammen
06.12.2025, 07 Uhr
Stephan Baier
„Die ökumenischen Beziehungen sind stärker als je zuvor“, meint der armenisch-apostolische Patriarch von Istanbul, Sahag II. Maschalian, im Interview über die Kirchen in der Türkei.
27.11.2025, 17 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Positionspapier zur Rettung der Kirchenmusik, das es in sich hat: Der Deutsche Musikrat beschämt die Kirche mit Kritik an ihrem Musikleben. Zwischenruf einer Kirchenmusikerin.
23.01.2026, 16 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Von Favoriten bis Kompromisskandidaten für den Posten des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe: Ein Überblick über Chancen und Profile.
22.01.2026, 16 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Journalist Franz Herre schrieb große Biografien. Einen besonderen Blick warf er auf Konrad Adenauer. Mit fast 100 Jahren ist der Katholik nun gestorben.
23.01.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
Bei einer Grönland-Invasion wäre es „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“, meint der ehemalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. Sein Nachfolger hält sich noch bedeckt.
21.01.2026, 10 Uhr
Meldung