Vatikanstadt

Marx geht, Hollerich kommt

Papst Franziskus erneuert seinen Kardinalsrat.
Marx musste im Kardinalsrat Jean-Claude Hollerich Platz machen
Foto: Sven Hoppe (dpa) | Der Münchener Kardinal Reinhard Marx musste im Kardinalsrat Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg Platz machen.

Papst Franziskus hat den Rat der ihn beratenden Kardinäle erneuert und wieder auf neun Purpurträger aufgestockt. Die auffallendste Neuerung: Der Münchener Kardinal Reinhard Marx musste Kardinal Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg Platz machen. Hollerich, der Generalrelator der laufenden und erst 2024 endenden römischen Bischofssynode zur Synodalität sowie Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) und auch noch Vizepräsident des Rats der Europäischen Bischofskonferenz ist, erhält damit neben Kardinal Juan José Omella aus Barcelona den zweiten, für die Europäer reservierten Platz in dem Beratergremium. Marx, der von den deutschen Bischöfen nicht einmal für die kommende Versammlung der Bischofssynode in Rom nominiert wurde, musste den Stuhl für Hollerich frei machen, da der Papst neben den Vertretern des Vatikans wohl nicht allzu viele Europäer in seinem Beratergremium haben wollte.

Jetzt zwei Nordamerikaner

Ansonsten hat sich der Papst wieder an eine gleichmäßige Einbeziehung der einzelnen Kontinente gehalten. Fridolin Ambongo Besungu aus Kinshasa vertritt weiterhin Afrika, dasselbe gilt für Oswald Gracias aus Bombay, der die Stimme Asien repräsentiert. Sean Patrick O’Malley aus Boston sitzt weiterhin für Nordamerika in dem Rat, hinzugekommen ist Kardinal Gérald Cyprien Lacroix aus Quebec als zweite Stimme des nordamerikanischen Kontinents.

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Lateinamerika ist nach dem altersbedingten Ausscheiden von Oscar Rodriguez Maradiaga aus Tegucigalpa nunmehr durch Sérgio da Rocha, Erzbischof im brasilianischen Sao Salvador da Bahia, vertreten. Dass das an Katholiken reiche Lateinamerika mit nur einer, Nordamerika aber mit zwei Sitzen in dem Kardinalsrat vertreten ist, mag man damit erklären, dass Papst Franziskus selber Lateinamerikaner ist.

Parolin vertritt weiterhin den Vatikan

Für den Vatikan sitzt weiterhin Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in dem Gremium, der aus Altersgründen ausgeschiedene Chef des Governatorats, Kardinal Giuseppe Bertello, wird nun durch dessen Nachfolger ersetzt, den aus Salamanca stammende Legionär Christi Fernando Vérgez Alzaga, den der Papst im Sommer vergangenen Jahres in den Kardinalsstand aufgenommen hatte.

Sekretär des nun wieder zu Recht K9-Rat genannten Gremiums bleibt der aus Italien stammende Kurienbischof Marco Mellino, den Franziskus 2018 zum beigeordneten Sekretär des Kardinalsrats und zum Mitglied des Dikasteriums für die Gesetzestexte ernannt hatte. Bis auf den vorzeitigen Abgang von Kardinal Marx und dessen Ersetzung durch den nunmehr sehr einflussreichen Kardinal aus Luxemburg ist die Auffrischung des Beraterkreises von Franziskus relativ unspektakulär.

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