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Nachdenkliche Lethargie und etwas frischer Wind 

So schnell wie nie sind am ersten Tag der letzten Synodalversammlung Texte verabschiedet worden. Lag es an der gewissen Teilnahmslosigkeit oder kündigt sich nun doch noch ein Bewusstseinswandel an?
Erster Tag der fünften Synodalversammlung des Synodalen Weges
Foto: Maximilian von Lachner (Synodaler Weg / Maximilian von L) | Der erste Tag der fünften Synodalversammlung des Synodalen Weges verlief recht unspektakulär.

Es war ein ziemlich unspektakulärer Marsch durch die Papiere, dieser erste Tag der letzten Synodalversammlung in Frankfurt. Ich sah vor meinem geistigen Auge graue, den Kopf herabhängende Soldaten recht teilnahmslos ihren Weg entlang marschieren, als sei jeder Elan aus ihren Gliedern gewichen. Einige Synodale stützen den Kopf in eine Hand und schienen in andere Sphären abzugleiten. Ich dagegen saß nicht müde, sondern entspannt und gemütlich vor dem PC, mit einer Kanne Tee und Wasser auf dem Tisch und verfolgte den Synodalen Weg erstmals aus einer für mich ungewohnten Perspektive: am Laptop von daheim. Sprechen, wenn man sprechen will, ist für mich als Ex-Synodale nun passé. Dafür kann sich keine Empörung oder Wut über mich ergießen, wenn ich etwas sage und ich muss nicht diese oft aufgeladene Stimmung in mich aufsaugen. Die verhieß nämlich nicht sonderlich angenehm zu werden: Die Szene vor dem Kongresszentrum, die mich vor Beginn der Versammlung in Form von Berichten und Videos erreichte, ließ Schlimmstes erahnen.

Demonstrationen vor dem Kongresszentrum

So viele wie noch nie demonstrierten vor dem Kongresszentrum. Christen mit völlig verschiedenen Ansichten buhlten sie um die Aufmerksamkeit der Passanten —  die einen wie Marktschreier für die üblichen Reformideen, die andern still betend für eine Umkehr und Rückbesinnung auf Christus. Haarscharf analysierte ein vorbeilaufender Schüler: „Das ist Kirche gegen Kirche.“ Hatte diese Tatsache zu dieser gewissen nachdenklichen Lethargie geführt, die sich wie ein Mahnzeichen über die  Veranstaltung zu legen schien? 

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Hinter den Mauern des Kongresszentrums präsentierte sich nämlich ein völlig anderes Bild. Ohne große, aber mit Gendersternchen gewürzte Debatten und Diskussionen, wurden zwei Texte — über die priesterliche Lebensform und das Zölibat— durchgewunken, so dass die Synodalen erstmals vorzeitig in den Feierabend entlassen werden konnten. Die üblichen verbalen Angriffe, der raue Tonfall blieben aus. Ist insgeheim manchen doch bewusst geworden, dass die parlamentarische Arbeitsweise einem echten Zuhören aufeinander oder einer Suche nach dem Willen Gottes weichen muss?

Diskussion um Zölibat ohne Hinweis auf Christusbeziehung

Die Minderheitenfraktion hat nicht einmal den Rechtsbruch der torpedierten geheimen Abstimmung öffentlich gemacht, um ihn für alle Zeiten öffentlich zu dokumentieren und zementieren. Zumindest heute nicht. Überhaupt ließen die Minderheitenbischöfe alle Abstimmungen seelenruhig über sich ergehen. Vielleicht haben sie Recht: Die Texte geben auch wirklich nicht viel her außer einer Unmenge an Konjunktiven und unausgegorenen Inhalten und werden — hoffentlich — keine bedeutende Wirkung entfalten.

Über das Zölibat kann man tatsächlich reden. Aber im Plenum ist zunächst der Eindruck erweckt worden, als hätten die meisten Priester gewaltige Probleme mit ihrer Berufung und als läge das allein am Zölibat — und nicht etwa an mangelndem Gebet und der Christusbeziehung, wie Benedikt XVI. es einmal zu Bedenken gegeben hat. Jedenfalls müssten sie heiraten dürfen. Damit würde dem Priestermangel abgeholfen werden, so eine Begründung. 

Bekannte und ermüdende Narrative

Danke auch: Ich würde mich als Frau degradiert fühlen, wenn mich ein Mann heiraten wollte, weil er das Zölibat nicht schafft, dachte ich, während mir Begriffe um die Ohren flogen wie „Vielfalt des Priestertums“, „Kirche verschiedener Geschwindigkeiten“, „Zwischen Jesus und einer Frau geteilte Liebe“ sowie andere bekannte und darum ermüdende Narrative von systemischen Ursachen und der Notwendigkeit einer sich der Moderne anzupassenden Kirche und dergleichen mehr. Ich sah schon die nächste Debatte aufkeimen, in der man die freiwillige Treue  in die Kirche einzuführen gedenkt, weil es so viele Ehepaare gibt, die es mit Seitensprüngen nicht so eng sehen — ist ja der Geist der Zeit.   

Man hat sich so sehr an diese Begriffe gewöhnt, dass die übliche Verwirrung darüber, wie man abstimmen müsse, wenn man einen Antrag der Antragskommission ablehnen oder annehmen will, endlich Farbe in diese graue Veranstaltung brachte.

Bischöfe bringen positive Aspekte des Zölibats nach vorn

Auch die von der Mehrheit abweichenden, selbstbewusst vorgetragene Wortmeldungen, vor allem von Bischöfen, sorgten für etwas frischen Wind und schwemmten wie eine Welle den zuvor vorherrschenden Ausdruck einer gewaltigen Zölibatsmüdigkeit fort: Mangel herrsche nicht nur bei Priestern, sondern in vielen Berufsbranchen. Und: Die Ehe sei kein Paradies, zu meinen, sie sei leichter als das Zölibat, sei naiv. Diese Berufung sei genauso ins Wanken geraten wie die zölibatäre Lebensform.

Es gelte, den kostbaren Schatz zu finden, der in beiden Berufungen verborgen sei und auf das zu schauen, was gelingen würde statt ständig das menschliche Scheitern zu fokussieren. Das Zölibat war die Lebensform Jesu und ist auch für die besonders Nachfolge Jesu als Priester angemessen. Es fehle die Ermutigung zur Heiligkeit und Seminaristen würde auf dem Synodalen Weg überhaupt ein Gehör geschenkt…

Gendersprech - ein Stolperstein?

Jetzt sollte man nur noch darüber nachdenken, ob die ganze Gender-Thematik der Debatte um Priester und das Zölibat (und überhaupt) nicht doch im Weg steht: Als die Kamera nah an die Moderatoren auf dem Podium heranzoomte, stellte man amüsiert fest, dass „Pfr. Dr. Siegfried Kleymann“ als „Geistlicher Begleiterin“ ausgewiesen wurde. 

Vielleicht sollten wir uns doch mehr ins Gebet vertiefen und in die göttlichen Ordnung versenken statt im Meer von Gender-Kauderwelsch durchsetzten Satzungsdebatten unterzugehen — auch wenn ZdK-Chefin Irme Stetter-Karp sie als deutsches Kulturgut anpries. 

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost umfassende Berichte, Hintergründe und Meinungen zur fünften Vollversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt.

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Dorothea Schmidt Bischof Jesus Christus Priestertum Synodaler Weg Zölibat

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