Synodaler Weg

Gläubige kritisieren Bätzing-Brief an US-Bischöfe

Die sei ein Ausweichmanöver, so die Initiativen „Maria 1.0“ und „Neuer Anfang“.
Bischof Bätzing bei der dritten Synodalversammlung der deutschen Katholiken
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | Wie Bischof Bätzing sich im Brief an die US-Bischöfe auf den Orientierungstext des Synodalen Weges beziehe, sei "direkt verfälschend", meint die Initiative "Neuer Anfang".

Die Antwort des Limburger Bischofs Georg Bätzingauf den Brief der 74 US-Bischöfe, die am Dienstag der Karwoche ihre Sorge bezüglich des Synodalen Weges deutlich zum Ausdruck gebracht haben, stößt auf dezidierte Kritik. Wie das Nachrichtenportal CNA diese Woche berichtete, monieren die Initiativen „Maria 1.0“ und „Neuer Anfang“, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nicht auf die einzelnen Kritikpunkte und die Sorgen seiner Amtsbrüder eingeht. "Neuer Anfang" spricht sogar von einem Beschwichtigungsversuch.

Zeitgeist wichtiger als Einheit mit Rom  

Statt einzelne Einwände aufzugreifen, habe der Limburger Bischof die Argumente der amerikanischen Amtsbrüder mit pauschalen Begründungen vom Tisch gewischt, so die Initiativen. Bätzing hatte den US-Bischöfen vorgeworfen, „euphemistische Verbrämungen“ zu verwenden statt „offen über Macht und Machtmissbrauch in der Kirche“ zu sprechen.

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Aber "den konkreten Ursachen des Missbrauchs widmete sich bisher weder ein Entwurf noch ein Beschluss", konstatiert "Neuer Anfang" in einem Statement. Die Ziele, Frauen zu Priesterinnen zu weihen oder Homosexualität moraltheologisch zu legitimieren hätten „mit der ursprünglichen Intention, Missbrauch aufzuklären“ nichts zu tun. Grundlegende Strukturen der Kirche seien vielmehr unmissverständlich Schritte in Richtung eines kirchenrechtlich feststellbaren Schismas. Anpassung an den Zeitgeist sei ihnen „offensichtlich längst wichtiger als die Einheit mit ihren Mitbrüdern weltweit und dem Bischof von Rom“.

Durchschaubarer Beschwichtigungsversuch

Hinter traditionellem Vokabular verberge sich ein tiefgreifender „Umbau der verbindlichen Grundlagen theologischer Urteilsbildung“, so die Initiavie, die in dem Bätzing-Brief einen leicht zu durchschauenden Beschwichtigungsversuch sieht, „der dem Ernst des Anliegens in keiner Weise gerecht wird“.

Kritk äußert die Initiative auch an Bätzings Bezugname auf den Orientierungstext. In seinem Brief schreibe der Bischof, der Synodale Weg richte sich an den "zentralen Erkenntnisquellen des Glauben" aus. Bätzing nenne auch die Erkenntnisquellen in der traditionellen Reihenfolge und benutze die Formel aus Gaudium et Spes, während der Orientierungstext die "Zeichen der Zeit" zu Erkenntisquellen erhebe und das Lehramt von Schrift und Tradition löse. Das sei "direkt verfälschend". Überhaupt würden Texte des Zweiten Vatikanums auf dem Synodalen Weg "schwer beschädigt".

Synodaler Weg beansprucht Wahrheit für sich

Ähnlich urteilt Maria 1.0. Die Initiative stellte außerdem fest, dass niemand auf der Suche nach Wahrheit „den Heiligen Geist beziehungsweise die Wahrheit habe“. Genau dies beanspruche der Synodale Weg aber für sich. Weiter bemerkte „Maria 1.0“, dass Bätzing nicht für alle deutschen Katholiken oder gar die Weltkirche spreche: „Innerhalb Deutschlands steht nicht jeder Gläubige hinter diesem Weg". Das Schreiben der Bischöfe zeige auch klar, "dass es auch innerhalb der Weltkirche nicht nur Unterstützer gibt“.  Wie schon in seiner Antwort an das Polnische Episkopat, reagiere Bätzing, "als hätte der Synodale Weg die einzig richtigen Antworten auf die Krise der Kirche", kritistert die Initiative.

Den Brief an Bätzing haben die Kardinäle George Pell aus Australien, Wilfred Napier aus Südafrika, Francis Arinze aus Nigeria und Kardinal Raymond Burke aus den USA sowie 70 Bischöfe unterzeichnet. Sie warnten vor zerstörerischen Effekten dieses Reformprozesses. Nach den bischöflichen Briefen aus Polen und Skandinavien war dies das dritte Schreiben, in dem Amtsbrüder ihre Sorge über den Synodalen Weg, dessen Inhalte und Beschlüsse äußern.  DT/dsc

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